Isolierung Zuchtraum
   
   
  
Hier geht es um die praktische Isolierung von Zucht- oder Aquarienräumen gegen Kälte von außen und gegen Feuchtigkeit von innen ins Mauerwerk.
Allgemein Dampfbemse oder Dampfsperre Eine professionelle Dämmung am Beispiel unseres „neuen” Zuchtraumes Die Dämmung der restlichen Anlage Zusammenfassung
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Allgemein Wenn man einen Zuchtraum - oder überhaupt einen Raum mit vielen Aquarien - betreiben will oder schon betreibt erscheint sehr schnell das Problem mit der Luftfeuchtigkeit. Zuerst die Luftfeuchtigkeit, die Wärmedämmung kommt weiter unten.
Was kann man dagegen machen? Prinzipiell gibt es - wie fast immer - zwei grundlegende Entscheidungen oder Möglichkeiten: a) man sorgt dafür, daß es trocken bleibt oder b) man sorgt dafür, daß die feuchte Luft keinen Schaden anrichten kann.
a) geht bei kleineren Räumen relativ einfach: Zuerst müssen alle Aquarien abgedeckt werden, dann darf man die Filter nicht mit Ausströmern betreiben, sondern mit Kreiselpumpen oder höchstens mit „blub-blub”, d.h. mit einzelnen Luftblasen. Zwar könnte man die feuchte Ausströmer-Luft in einer speziellen Leitung auffangen und dann an einer kalten Fläche kondensieren lassen, aber diese Möglichkeit ist mehr theoretischer Natur. Ich habe sie mir eine Zeit lang durch den Kopf gehen lassen. Bei trockenem Wetter muß wenn immer möglich gelüftet werden. Die restliche entstehende Feuchtluft kann man mit einem elektrischen Entfeuchter entfernen. Wenn man die Aquarien gut abdeckt, nicht mit voll laufenden Ausströmern filtert und dafür sorgt daß nirgends „offenes” Wasser ist, möglichst viel lüftet, ev. mit Ventilator, so geht es auch ohne Luftentfeuchter sehr gut. Mein neuer Aquarienraum hat selten mehr als 60 - 70% rel. Luftfeuchtigkeit.
b) wenn die Anlage größer ist oder man richtig arbeiten muß, dann wird es feuchter. Bei einer großen Anlage kann man nicht mehr mit Deckscheiben arbeiten, dann müssen die Aquarien offen bleiben. Zwar kann man Abdeckungen konstruieren, bei welchen die Aquarien zu sind und man trotzdem ungehindert an und in den Becken hantieren kann, das ist aber etwas komplizierter. Ich hatte mir so etwas ausgedacht. Auch wird man da aus Kostengründen die Filterung mit Ausströmern betreiben. So bleibt einem in diesem Fall nichts anderes übrig, als die Wirkung der hohen Luftfeuchtigkeit in Grenzen zu halten. So kommen in solchen Räumen als Material für Regale usw. nur verzinktes Eisen oder VA oder Kunststoffe in Frage. Nebenbei muß man wissen, daß verzinktes Eisen von Seewasser angegriffen wird, bei Seewasser muß das Eisen verbleit sein oder man nimmt besser gleich höher legiertes poliertes VA. Unsere an sich sehr guten verzinkten Palettenregale waren an den Stellen, an denen Artemiakulturgeräte waren alle angerostet. Holz vergammelt bei der hohen Luftfeuchtigkeit früher oder später. Vielleicht kann man Douglasie, Lärche oder Eiche nehmen, gut ist es trotzdem nicht. Als Material für Türen kommt nur eloxiertes Aluminium in Frage. Oder natürlich VA oder Kunststoff.

Dampfbremse oder Dampfsperre Das Prinzip ist ganz einfach, die Dampf-BREMSE oder Dampf-SPERRE kommt IMMER auf die WARME Seite! Und zwar auch immer ganz nach INNEN, alles was dann noch „davor” ist, ist Verkleidung! (Für Spezialisten oder Schlaumeier: Hier geht es um feuchte Aquarienräume, nicht um Spezialfälle mit Dampfbremse hinter der ersten Ziegelwand, um diese Wand als Puffer zu nutzen). Wenn sich die Luftfeuchtigkeit in Grenzen hält oder die Temperaturdifferenz der Wände nicht so hoch ist, also Innenraum gegen Innenraum, dann reicht in der Regel eine „Dampfbremse”. Auch wenn ein Raum zwar vorübergehend feucht wird, die meiste Zeit aber immer wieder trocken ist - wie z.B. ein Badezimmer - so ist eine Dampfbremse ausreichend. Das ist z.B. eine Kunststoffolie oder eine mit einer dünnen Alufolie kaschierte Isolierung. Wird die Luftfeuchtigkeit höher - bei uns war sie gesättigt, analoge Anzeige 100%, eine digitale zeigte einmal 125%! - oder die Temperaturdifferenz höher, z.B. bei Außenwänden im Winter +30° innen und -20° oder mehr außen, so wird es kritischer, man benötigt dann eine „Dampfsperre”, das ist eine Aluminiumfolie mit mindestens 0,1 mm Stärke. Die muß außerdem „dampfdicht”, also absolut luftdicht angebracht und mit Aluklebeband abgedichtet werden.

Eine professionelle Dämmung am Beispiel unseres „neuen” Zuchtraumes Wir sind in diesem Fall vorgegangen wie die Profis bei Kühlräumen von Metzgern. Nur eben umgekehrt, weil hier innen warm und außen kalt ist. Bei meinem neuen Zuchtraum haben wir auf die Innenwand 9cm (90mm) Styrodur® mit Spezialdübeln befestigt. (Ein Angelspezi macht nichts anderes als Kühlräume, er hat mir geholfen. Genauer - ich war der Helfer.) Auf das Styrodur® wurde mit 2-Komponentenkleber die Dampfsperre vollflächig aufgeklebt. Diese Dampfsperre bestand in diesem Fall aus Dachpappe mit innenliegender Aluminiumfolie. Nun kann man auf diese Dachpappe - möglichst ohne sie zu beschädigen - die Verkleidung anbringen, bei mir waren das 3mm-PE-Platten 3x1,5m, die ich mit abgedichteten VA-Schrauben angebracht habe. Die Platten wurden dann mit ca. 3cm breiten Streifen verschweißt (das war Stäflingsarbeit!).
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Hier ist ein Foto dieses Raumes. Das ist übrigens mein „neuer” Aquarienraum. Oder Allzweckraum. Zur Zeit der Aufnahme beim einräumen.
Es ist mir natürlich bekannt, daß man „normalerweise” außen dämmt. Ein patschnasser Aquarienraum ist aber nicht normal und ist - nachträglich - innen bedeutend einfacher zu dämmen. Der Vorteil der Puffermasse der Wand ist hier nicht nötig, weil die Aquarien mit der enormen Wassermenge genug Wärmepuffer sind. Da die Wand - wenn die Dampfsperre in Ordnung ist - strohtrocken ist muß man auch nicht mit Frostschäden in der Wand selber rechnen. Sind bei uns in gut 30 Jahren auch nicht aufgetreten!

Die Dämmung der restlichen Anlage Die restliche Anlage hat als Dampfsperre eine 0,10 mm starke Aluminiumfolie. 0,10 mm gilt bei manchen schon als „Blech”, jedenfalls kann man sich daran bereits schneiden! Damit sind die ganzen Räume ausgekleidet, die Übergänge sind mit Aluklebeband abgedichtet, es hat gute 30 Jahre funktioniert. Darüber ist eine - trockene - Wohnung. 4 der 3 Wände sind Außenwände. Bei solcher Isolierung braucht man keine Hinterlüftung, da keinerlei Feuchtigkeit nach außen durchdringen kann, diese Isolierung ist „dampfdicht”. Noch eine Bemerkung zu Hart-Schaum, (Polystyrol, Styrodur® oder ähnliches): Ich hatte einen Winter lang eine 5cm-Platte an eine Außenwand gestellt. Im Frühling war sie voll Wasser und „bleischwer”, zum isolieren wäre sie nicht mehr geeignet gewesen. Der Sachbearbeiter von BASF hat damals gesagt, daß der Dampfdruck schlimmer sei als wenn ich die Platte ins Wasser gelegt hätte. Das kann ich nur bestätigen. Es gibt zwar Leute die meinen, daß eine „wasserdichte” Platte auch „dampfdicht” sein muß, da irren sie aber gewaltig.
Interessant ist daß diese Dämmung gut 30 Jahre gehalten und funktioniert hat. Vor einiger Zeit habe ich - neugierig wie ich bin - etwas von der Dampfsperre entfernt. Darunter ist alles strohtrocken. (Die Dampfsperre ist nicht mehr notwendig, da in den Räumen keine Aquarien mehr sind und sie somit nicht mehr naß sind).

Zusammenfassung Wenn man die Wände von einem feuchten Raum gegen einen kälteren mit Styropor® verkleidet, ist das Arbeitsbeschaffung. Die Feuchtigkeit des Raumes diffundiert in das Styropor® und aus ist es mit der Isolierwirkung. Man kann mir das ruhig glauben, ich habe es auch schon gemacht! Besser ist da Styrodur®, es ist zwar nicht wirklich dampfdicht, aber bei nicht so hoher Luftfeuchtigkeit und gegen Innenräume mit fast gleicher Temperatur ist es zu verwenden. Wenn die Temperaturdifferenz und/oder die Luftfeuchtigkeit allerdings höher wird, dann muß auch auf das Styrodur® eine Dampfsperre aufgebracht werden. Zur endgültigen - optischen - Verkleidung der Innenseite gibt es wasserfeste Vollkunststoff PVC-Paneele, die sind ganz gut. Ich habe solche Paneele verwendet.
Inwieweit Fliesen als Dampfbremse oder gar als Dampfsperre geeignet sind, weiß ich nicht, da habe ich keine eigenen Erfahrungen.
Das oben gesagte gilt nur für einen Raum oder eine Halle mit 100ten oder auch >1.000 Aquarien, die zudem nicht abgedeckt sind. Hat man einen kleineren „privaten” Zucht- oder Aquarienraum, wo die Aquarien zudem noch abgedeckt sind und die Becken nicht gerade mit voll aufgedrehten Ausströmern betrieben werden - wegen der Luftfeuchtigkeit natürlich noch besser mit Kreiselpumpen - so hat man keinen Ärger mit der Luftfeuchtigkeit. Mein „neuer” Aquarienraum hat nur eine Luftfeuchtigkeit von höchstens 60-70%. Je nach Temperatur meistens noch weniger. Ohne chemische oder elektrische Luftentfeuchtung. Auch sind die Wände wegen der enormen Isolierung (9cm Styrodur®) völlig trocken. Sollte so ein Raum trotzdem nicht trocken genug sein, so ist - nach einer fachgerecht durchgeführten Isolierung - die Anschaffung eines elektrischen Entfeuchters durchaus zu überlegen. So teuer sind diese Geräte nicht, auch tragen sie bedingt zur Raumheizung bei. Wirklich gute Wärmerückgewinnungsanlagen, welche auch mit höheren Luftfeuchten fertig werden kosten richtig Geld und rentieren sich in privaten Aquarienräumen nur in den seltensten Fällen.

Oktober 2006 Überarbeitet/ergänzt: April 2019
© 2006 - 2024 Uwe J. Splett, www.afizucht.de
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