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Das Zuchtwasser

Spektrum

 

Wie kommt man an geeignetes Wasser zum Fische züchten?

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Das Zuchtwasser
Die weitere Aufbereitung von Zuchtwasser
Schlußbemerkung

Das Zuchtwasser
Damit die Fische überhaupt laichen und die Jungen auch schlüpfen braucht man bei sehr vielen Arten weiches Wasser. Wenn es nicht gerade aus der Leitung kommt oder man neben dem Haus eine Quelle mit weichem Wasser hat, muß man es aufbereiten. Das ist in den verschiedenen Gegenden von Deutschland unterschiedlich schwierig. Wir haben hier ein typisches Voralpenwasser: Sehr viel Karbonathärte und nur wenig Sulfathärte. Wasser in dieser Zusammensetzung ist in ganz Bayern südlich der Donau zu finden und eignet sich sehr gut zum verschneiden, obwohl die Gesamthärte relativ hoch sein kann - durchaus 18° GH.
Die folgenden Erklärungen sind etwas vereinfacht. Sie haben dadurch den großen Vorteil, daß sie so leichter zu verstehen sind. Stimmen tun sie deswegen trotzdem.
Es reicht bei dieser Art Wasser in den meisten Fällen aus, die Karbonathärte zu entfernen. Dazu kann man ein „stark saures” oder „schwach saures” Kationenharz verwenden. Der hauptsächliche Unterschied liegt lediglich darin, dass das „stark saure” Harz auch die Sulfathärte angeht und sie in Schwefelsäure umwandelt, im Auslauf ist also auch „nicht ungefährliche” Schwefelsäure. Das „schwach saure” Harz ignoriert die Sulfathärte, es entfernt nur die Karbonathärte und wandelt sie in Kohlensäure um, die Sulfathärte bleibt erhalten. Sie läuft praktisch durch. Auf den ersten Blick scheint der schwach saure Austauscher die bessere Wahl zu sein. Aber bei genauer Betrachtung sieht das anders aus:
Ein stark saurer Kationenaustauscher, z.B. das Harz „Lewatit S100 G1” ist ein sehr robustes Harz, es nimmt ungenaue Salzsäureverdünnung (Regenerierlösung) nicht übel, es funktioniert auch, wenn man zu viel oder zu wenig Regeneriersäure nimmt, es ist eingefärbt und somit kann man immer den Beladungszustand sehen. Es hat aber den Nachteil, dass da neben Kohlensäure auch starke Säuren mit herauskommen. Das ist zwar „nicht ungefährlich”, läßt sich aber sehr einfach neutralisieren. Das macht man folgendermaßen: Man gibt Wasser des starken Kationenaustauschers in einen Behälter, hängt einen Leitwertmesser hinein und gibt unter Umrühren so lange Leitungswasser dazu, bis der Leitwert - der zuerst fällt -  wieder zum steigen anfängt. Man kann das auch über den pH-Wert kontrollieren, wenn dieser bis auf 4,5—5 angestiegen ist, ist nur noch Kohlensäure im Wasser. Nach kurzer Belüftung würde er dann auf 7 ansteigen. In diesem Fall ist der Leitwertmesser aber vorzuziehen, da er bedeutend schneller reagiert, die Elektrode robuster ist und die Messung somit viel einfacher ist.
Bei unserem Wasser geht das in etwa folgendermaßen: Der Leitwert des stark sauren Kationenaustauschers hat im Auslauf ca. 120 μs, das Leitungswasser hat ca. 550 μs. Wenn man diese beiden Wässer mischt, müßte das Ergebnis normalerweise dazwischen liegen. Tatsächlich sinkt der Wert aber auf ca. 90 μs. Der Leitwert sinkt deshalb, weil die Schwefelsäure des Kationenwassers von der Karbonathärte des Leitungswassers gebunden wird und was nicht mehr da ist, kann man nicht mehr messen. Wenn der Leitwert wieder zu steigen anfängt, sind alle vorhandene starken Säuren neutralisiert. Geht man dann sicherheitshalber noch 10 oder 30 μs hoch, hat man mit nur einem Harz ein einwandfreies weiches Wasser erhalten. Mit so einem Wasser kann man fast alle Fische züchten. Man braucht für diese Wasserpanscherei nur einen größeren Behälter mit eingehängtem Ausströmer oder ähnlichem. Den Behälter kann man aber für abgestandenes Wasser für den Wasserwechsel sowieso gebrauchen.

Eigenartigerweise habe ich mit dem wegen  der geringen Karbonathärte doch eher ungepufferten Wassers in der Praxis keine Schwierigkeiten bekommen. Selbst Aquarien mit nur 50 µs haben erstaunlich viel vertragen. Das wird nur gefährlich, wenn man ein Aquarium vergammeln läßt - oder eben richtig viele Fische hat und auch entsprechend füttert. Dann paßt man in der Regel aber auch auf! Mir ist in meiner gut 30-jährigen vollberuflichen Aufzuchtpraxis nur ein Mal ein total überbesetztes 150er mit Rubinbarben umgekippt, d.h. ich habe es erst gemerkt, als schon Tote im Becken waren. Später hatte ich in solchen gefährdeten Aquarien - also Aquarien mit Fischen, die extrem viel fressen, wie größere Barben, Kongosalmler, ev. Skalare, Black Molly oder Schwertträger - meistens abgeschnittene Streifen von Marmorplatten hinein getan, deren Oberfläche mit der Zeit rauher wurde, der Marmor wurde also angegriffen.
Hier noch die Nachteile eines „schwach sauren” Harzes. Diese Harze müssen exakt nach der Menge des verbrauchten Wassers regeneriert werden, es ist auch ein Unterschied, ob das durchgelaufene Wasser wärmer oder kälter war. Das heißt nicht, dass man mit diesen Harzen nicht arbeiten kann, aber der Aufwand für den privaten Aquarianer ist größer. Ich habe einen selbstgebauten Austauscher aus VA mit einem schwach sauren Harz. Er ist 2 m hoch und hat einen Durchmesser von 30 cm! Ich betreibe ihn mit dem gleichen Harz seit ca. 1980, nach anfänglichen Schwierigkeiten komme ich gut mit ihm klar. Er wird aber ziemlich exakt nach Leitwert und Wasseruhr regeneriert. Dieses Austauscherwasser habe ich mit Leitungswasser auf die Schnapszahl von 333 μs verschnitten und damit das Wasser der ganzen Anlage weicher gemacht. Das war sozusagen unser Einheitswasser. Aber nicht etwa, weil die Fische weiches Wasser benötigt hätten, der Grund war ein ganz anderer und sehr banal: Bei diesem Leitwert verkalken die Wassertanks und die Aquarienscheiben so gut wie gar nicht und die zum Betrieb der Filter eingesetzten Ausströmer haben bedeutend länger gehalten.

Um richtig weiches Wasser herzustellen, braucht man noch einen zweiten Austauscher, einen Anionenaustauscher. Der wird dann mit Natronlauge regeneriert. Mit einem stark sauren Kationenaustauscher und einem nachgeschalteten schwach basischem Anionenaustauscher kann man ein Wasser von ca. 3 µs herstellen. Auch ohne Mischbett, man kann die Harze somit selber regenerieren. Man kann zwar auch „Mischbettharze”, also gemischte Harze selber regenerieren. Das erfordert aber Aufwand. Man muß die ganze Säule rückspülen und danach die Harze trennen. (Kationen- und Anionenharze sind unterschiedlich schwer, somit trennen sie sich beim Rückspülen). Nebenbei gibt es eigentlich keinen Grund, warum ein versierter Praktiker ein Mischbett und keine zwei Säuen nehmen sollte. Das Ergebnis ist das Gleiche! Auch wenn immer wieder behauptet wird daß Mischbetttauscher besser wären! Natürlich sind sie besser - für den Verkäufer, da sie zum regenerieren eingeschickt werden!
Meine Austauscher habe ich immer selber gebaut. Weiteres siehe „Schlußbemerkung”.
Selbstverständlich kann man sein Zuchtwasser auch mit Umkehrosmose bereiten. Ich konnte mich damit aber nie anfreunden, die Geräte erzeugen zuviel Abwasser und haben zu wenig Leistung. Auch ist die Anschaffung zu teuer.  Manche Leute behaupten sogar, daß Aquarianer die Umkehrosmose verwenden,  keine oder zu wenig Ahnung von Austauschern haben. Es wird was wahres daran sein, bequemer ist Umkehrosmose jedoch allemal.
Eine weitere Möglichkeit, weiches Zuchtwasser zu erhalten ist das Auffangen von Regenwasser. Ich selbst habe das nie gemacht, kenne aber einen guten Privatzüchter, der alles mit Regenwasser züchtet. Er hat gute Aphyosemion und auch sehr schöne Apistogrammaarten. Es funktioniert also durchaus.

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Die weitere Aufbereitung von Zuchtwasser
Wenn man Kongosalmler, Rotkopfsalmler, Rote Neon oder andere ausgesprochene  Weichwasserfische züchten will, muß man das Wasser noch weiter behandeln.
Im Laufe der Jahre habe ich da eine relativ einfache Methode entwickelt (Selbstverständlich nur für den Profi einfach, für den Feierabendaquarianer natürlich nicht): Das Leitungswasser lief zuerst durch den großen VA-Austauscher mit schwach saurem Kationenharz, danach durch einen stark sauren Kationenaustauscher und als letztes durch einen schwach basischen Anionenaustauscher. Anlage_Zuchtraum_VA-Regal_1_ThAuf dem Foto sind links in der Ecke die beiden Austauscher zu sehen. Der Kleinere ist der Kationen-, der Größere der Anionenaustauscher. Die obere Hälfte des Kationenharzes ist rot, somit bereits beladen. Da die Austauscher keinen festen Platz hatten, sind sie nie fest verrohrt worden, daher die Schläuche. Den schwach sauren VA-Austauscher habe ich nur deshalb vorgeschaltet, da er eine sehr große Kapazität hat und somit die kleineren Säulen nicht so oft regeneriert werden mußten. Aus Austauscher_Kati-Ani_Thdiesem Grund ist die Kationensäule auch kleiner als die Anionensäule, sie mußte ja nur noch die Sulfathärte umwandeln, die Karbonathärte hatte der große schwach saure VA-Kationentauscher schon in Kohlensäure umgewandelt und die läuft durch. Meistens werden die Größenverhältnisse umgekehrt sein, auch wenn in vielen Büchern steht, daß man um ein Drittel mehr Anionenharz als Kationenharz benötigt. Das kommt einzig und allein auf das Ausgangswasser an! Das auslaufende Wasser hat bei einer solchen Kombination ca. 10 - 20 μs. Nach Belüftung kann der Leitwert bei guter Regeneration bis auf 3 μs herunter gehen. Dieses Wasser wurde in mehreren 800-Liter-Heizöltanks (natürlich neue) aus PE aufgefangen und mit Leitungswasser auf ca. belüftete 25 μs aufgehärtet. Danach wurde das Wasser durch einen geschlossenen verschraubbaren PE-Behälter mit 150 cm Höhe und ca. 80 cm Durchmesser gepumpt, der gut zur Hälfte mit Torfgranulat gefüllt ist. Das wurde so lange gemacht, bis der Leitwert anfing herunter zu gehen. Die Färbung des Wassers ist kein Maßstab für den pH-Wert. Diese PE-Tonne ist in der Mitte zwischen den Tanks zu sehen.
Ich habe den pH-Wert seit vielen Jahren nicht mehr gemessen. Man muß bitte bei Wasser mit so geringem Leitwert beachten, dass man mit einer Schliffelektrode messen sollte, die hat eine größere Verbindung oder Oberfläche zwischen zu messendem Wasser und der KCL-Lösung der Elektrode. Auch muß man so lange messen, bis sich das Ergebnis nicht mehr ändert, das kann 20 Minuten und mehr dauern. Das Ergebnis muß trotzdem nicht stimmen, es fällt gern zu niedrig aus.
Dieses Wasser wurde dann in die Ablaichbecken mit Laichgitter gepumpt und darin die Fische angesetzt. Als Ablaichbecken habe ich meistens 60er genommen, da ich der Auffassung bin, dass sich junge Fische in einer größeren Wassermenge besser entwickeln. Nur NN oder andere kleine Fische habe ich manchmal in 30ern einzeln angesetzt, wenn ich genau von diesen Paaren Junge haben wollte. Ansonsten sind NN, Glühlichtsalmler oder Kardinal meistens in einer Gruppe von vielleicht 10 Fischen in 60ern angesetzt worden.
Genauere Zuchtdaten werden in den Zuchtbeschreibungen der einzelnen Arten folgen.

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Schlußbemerkung
Laden_Fischaum_rechts_2_ThEs ist mir momentan zu aufwändig, die ganze Austauscher-Angelegenheit genauer zu beschreiben. Da ich seit 1970 Ionenaustauscher verwende und auch schon genauso lange Austauscher gebaut  habe, wäre eine eigene Seite mit Bauanleitung und genaueren Beschreibungen für die praktischen Anwendung denkbar. Ich habe vor 30 Jahren sogar selbst konstruierte verkauft.
Bei den Bildern von unserem Laden in München kann man im Hinterraum rechts oben 10-L-Wasserkanister sehen (auch Foto rechts). Da war vollentsalztes Wasser drin. Davon haben wir ziemlich viel für 0,15 DM pro Liter verkauft - es war leicht verdientes Geld.

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Nachtrag im Dezember 2006
Es gibt inzwischen eine Seite mit Bauanleitung und Beschreibung von Ionen Austauschern, siehe Technik/Austauscherbau,
auch eine Seite Ionenaustauscher in der aquaristischen Praxis, da werden Austauscher allgemein beschrieben

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Erstellt:  April 2006
Überarbeitet, ergänzt::  Dezember 2009, Mai 2010

 

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