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Zierfischzucht, allgemein

Spektrum

 

Allgemeines zur Zucht von Zierfischen, wie es geht und was man beachten sollte.
Eine allgemeine Übersicht.

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Übersicht
Zierfischzucht ab ca. 1955, ein Überblick.
Grundlegende Überlegungen, das muß vor dem Züchten klar sein.
Was ist züchten, der Unterschied zwischen „züchten” und „vermehren”.
Inzucht, wie gefährlich ist Inzucht bei Zierfischen?
Was ist ein Berufszüchter, die Schwierigkeiten eines „Berufszüchters”.
Ethik, ist das Züchten von Zierfischen moralisch einwandfrei?
Erste Schritte bei der Zierfischzucht, eine kleine Anleitung für den interessierten Anfänger.
Zuchtfische, die Beschaffung und Hälterung.
Hälterung der Zuchtfische zwischen den Ansätzen
Ablaichbehälter, Aquarien oder andere Behälter, in denen die Fische aufwachsen oder nur die Eier schlüpfen sollen.
Aufzuchtschalen, Schalen, in denen die Eier schlüpfen und die Jungen die ersten Tage verbringen.
Aufzuchtaquarien, Aquarien zur weiteren Aufzucht von Fischen.
Die weitere Aufzucht.

 

Übersicht
Etwas über Fische züchten zu schreiben ist nicht so einfach wie wenn man sich mit einem Aquarianer unterhält. Da weiß man, wieviel Ahnung dieser Aquarianer bereits hat und kann sich darauf einstellen. Im Internet sind alle möglichen Leser vorhanden. Leider auch sehr viele mit 0-Ahnung - aber mit hohen Vorstellungen! Hier ist es durchaus üblich, daß ein „normaler” Aquarianer fragt, wie man z.B. Kongosalmler oder Rote Neon züchtet. Er stellt erst gar nicht in Frage ob er es überhaupt kann, er will nur eben wissen wie es geht. Können tut er es dann sowieso. Finde ich nicht unbedingt gut. Oder überhaupt nicht cool.

Die Aquarianer, welche ein paar Guppies oder Platies aufziehen wollen sind damit nicht gemeint. Schließlich muß man ja irgendwie anfangen. Wenn also ein Black-Molly-Weibchen bereits im Transportbeutel Junge bekommen hat oder einige junge Guppies unter der Oberfläche schwimmen oder wenn man eben irgendwann Junge aufziehen will, besorge man sich einen möglichst großen „Ablaichkasten”. Dieser sollte seitlich keine Schlitze, sondern besser ein feines Gitter, Stoff oder viele kleine Löcher haben. Der Grund ist der, daß andere Fische im Aquarium die Jungen durch die Schlitze aus den Kästen „heraussaugen” können. Ein Deckel ist auch sinnvoll. In so einen Ablaichkasten kann man zwar auch ein trächtiges Weibchen einer kleinen Art - also Guppy oder Platy - hinein setzen und auf Junge hoffen, diese Behälter sind aber recht klein und so verwerfen die Weibchen in solchen Gefängnissen öfter. Besser ist es wenn man da nur bereits herumschwimmende Junge hinein gibt und aufzieht. Füttern tut man Junge von Lebendgebärenden mit fein zerriebenem Flockenfutter. Bitte nur sehr wenig füttern. Wie immer, jede innerhalb von einigen Minuten nicht gefressene Flocke oder jeder Partikel war zu viel. Und man solle bitte nicht mit dem ewigen Argument kommen, daß die „armen” Fische ja Hunger hätten und man ja ein Tierfreund sei usw. Dieses Argument ist sehr alt und genauso falsch!

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Zierfischzucht ab ca. 1955, ein Überblick
Daß man eierlegende Fische überhaupt gezielt züchten kann habe ich erst um 1955 oder so mitbekommen. Da hatte eine Aquarianerin aus Sigishofen bei Sonthofen Tanichthys (Kardinal) „gezogen”. Frau E. war überhaupt eine gute Aquarianerin! Sie hatte damals schon Schwertpflanzen (Echinodorus). Ansonsten habe ich zu dieser Zeit nicht viel an Fische züchten gedacht. Ich war heilfroh, wenn mein Aquarium überhaupt richtig funktioniert hat. Zum „Fische-züchten-träumen” habe ich erst als Lehrling angefangen, da hatte ich dann die Idee im Keller meiner Mutter Haus Korallenplatys zu züchten. Damals kam die Bundeswehr - W18 - dazwischen. Danach hatte ich zwar beruflich mit Nachzuchten zu tun, die damals überwiegend aus der DDR von der „Zoologica”, aus Hongkong oder aus Singapur kamen, ans selber züchten habe ich damals aber nicht gedacht. Die Träumerei ging erst wieder weiter, als wir einen Laden hatten. Da hat es dann an geeigneten Räumlichkeiten gefehlt. Auch muß man bedenken, daß das züchten damals bedeutend schwieriger war. Aquarien und das restliche Zubehör waren teuer, man wußte nicht so recht wie man die Fische wirklich vermehren kann, die technischen Methoden waren nicht allgemein bekannt usw. Informationen waren selten oder ganz einfach falsch. Absichtlich oder unabsichtlich. Nebenbei hatte ich mit dem Laden genug zu tun, so daß ich eigentlich gar keine Zeit dazu gehabt hätte. So blieb es beim träumen und bei nächtelangen Diskussionen mit Aquarianerfreunden, wie man was zu machen hätte. Außerdem waren importierte Fische billig, auch die von der Zoologica (DDR). Geändert hat sich die ganze Situation eigentlich erst ab Ende der 60er Jahre, da hat man langsam gemerkt, daß die importierten Fische zwar billig, aber nicht unbedingt gut sind. Der Umsatz an Aquarienfischen stieg natürlich auch. So wurde die Zierfischzucht ab ca. 1970 bis vielleicht 2000 in Deutschland ein recht gutes Geschäft. Wenn sie es momentan (2012) nicht mehr ist, so liegt das am Lohn- und allgemeinen Kostengefälle zwischen dem westlichen und östlichen Europa. Die Osteuropäer sind einfach zu billig und - schlimmer - sie haben inzwischen auch gute Fische! Da sie an denen - aus ihrer Sicht gesehen - recht gut verdienen, können sie auch jeden Zoohändler einzeln beliefern. Was wiederum die Großhändler zu spüren bekommen. Allerdings kommen die Tschechen u. Co. inzwischen auch in Bedrängnis, da die Kosten für Wasser, Strom und die Lebenshaltungskosten allgemein auch bei ihnen steigen.

So ist die momentane Situation, daß man mit „Fische züchten” zwar nicht wirklich Geld, aber doch etwas dazu verdienen kann - man muß halt nur die richtigen Arten züchten! Die werden aber immer weniger, da die Arten bei den Anderen immer mehr werden!
Zudem sind wir Deutschen faul und bequem geworden, das Arbeiten überlassen wir inzwischen gerne den Anderen! lachen-transp

Nachtrag 2013:
Wenn jemand meint, daß diese „Zuchtseiten” überholt seien, so hat er insofern recht, als daß das züchten von Zierfischen heutzutage bedeutend einfacher ist als noch vor einigen Jahrzehnten! Das liegt hauptsächlich daran, daß sich die zigste in Aquarien vermehrte Generation eben einfacher vermehren läßt als die Wildfänge von früher. Zudem sind heute alle - oder fast alle - Zucht-Methoden bekannt. Die Technik ist auch einfacher geworden usw. Die Methoden der Vermehrung sind aber heute auch nicht viel anders als z.B. 1990. Nur ist eben alles um einiges einfacher geworden!
Ein gutes Beispiel mögen „Antennenwelse” (Ancistrus) sein. Konnte man um 1970 richtig stolz auf Nachzuchten sein - und sie auch sehr gut verkaufen, so vermehren sich diese Fische heute in jedem 60er Aquarium wie die Karnickel!

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Grundlegende Überlegungen
Bevor man überhaupt zu überlegen anfängt, Fische züchten zu wollen muß man sich darüber im klaren sein, was mit den gezüchteten Fischen passieren soll! Hat man oder hat irgend jemand überhaupt Verwendung dafür? Ist auch Bedarf da? Schließlich sind Fische Lebewesen und man übernimmt mit der Zucht derselben auch Verantwortung!
Solange das nicht geklärt ist oder man eigentlich gar keinen Platz hat, sollte man gar nicht erst anfangen Fische züchten zu wollen! Das gleiche gilt für Aquarianer, die z.B. Skalare in 30er Aquarien aufziehen wollen. Da sollte man doch bitte die Finger davon lassen!
Man kann seinen Zoohändler fragen, ob oder welche Fische er abnehmen würde. Es sollte aber möglichst gezielt gefragt werden und der Händler sollte auch ehrlich antworten. Oberflächliche Fragen und Antworten helfen keinem. Dann kann man versuchen, diese Fischart zu züchten. Vielleicht gibt es auch einen Verein, wo man die Fische auf einer Börse verkaufen kann. Da kann man sich auch gleich informieren, wie das so läuft und sich einen Eindruck davon verschaffen, was da so verkauft wird.
Es geht nie darum was angeboten wird, sondern nur darum, was auch verkauft wird!
Diese Feststellung gilt immer!
Wenn man also einen Abnehmer gefunden hat, kann man anfangen. Und bitte nicht umgekehrt!
Da braucht sich der Züchter dann nicht darüber zu beschweren, daß er z.B. für Papiliochromis ramirezi nur 1 € bekommt und das ja eigentlich kein Geschäft sei. Ein „Geschäft” ist das Fischezüchten bei den heutigen Löhnen und Gehältern nur noch in den selteneren Fällen. Dazu sind unsere östlichen Nachbarn zu billig. Wenn dort die Lebenshaltungskosten auf unser Niveau gestiegen sind könnte es in Deutschland wieder interessanter werden.
Regional kann es aber durchaus möglich sein einem qualitätsbewußten Zoohändler gute Fische zu verkaufen. Allerdings haben nach meinen jahrzehntelangen Erfahrungen verschiedene Leute verschiedene Vorstellungen von „guten Fischen”. Gerade diejenigen, die am lautesten über die schlechte Qualität der Händler geschimpft haben, hatten auf den Börsen oft die schlechtesten Fische.
Auf das Argument, daß Zoohändler nur verkaufen und nicht kaufen würden, möchte ich nicht näher eingehen - es ist nämlich nur dumm! Kaufmännisch betrachtet muß man erst „einkaufen” bevor man „verkaufen” kann. Jeder gute Kaufmann ist immer auf der Suche nach „Artikeln” (in diesem Fall Fische) in guter und preiswerter Qualität. Ist der Aquarianer also in der Lage bessere Fische als die Konkurrenz anzubieten, werden die Fische auch gekauft werden! Man sollte aber nicht den Fehler machen und dem Händler seinen eigenen Geschmack aufdrängen und seltene graue Mäuse verkaufen wollen. Gekauft wird das was geht und keine Ladenhüter oder „Raritäten”! Und ich weiß wovon ich rede! Selbstverständlich sind auch „gemischte Eimer” - also ein Eimer voller verschiedener Fischarten - völlig uninteressant, die will natürlich auch keiner haben.
 

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Was ist „züchten” ?
Genaugenommen ist das Ergebnis wahllos zusammengesetzter Elterntiere nicht „gezüchtet”, sondern nur „vermehrt”. Bei einer „Zucht” müssen die Zuchttiere immer nach bestimmten Kriterien ausgesucht und gezielt miteinander verpaart werden. Das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern es ist eben so. So wird jeder ernsthafte Züchter immer nur die gesündesten, schönsten, schnellwüchsigsten Fische zur Weiterzucht verwenden. Nur auf diese Weise ist sichergestellt, daß der Stamm auch nach Jahren noch gesund ist bzw. nach Möglichkeit noch besser wird.

Nachtrag: Da offenbar manche Leute mit dem Satz: „So wird jeder ernsthafte Züchter immer nur die gesündesten, schönsten, schnellwüchsigsten Fische zur Weiterzucht verwenden” Probleme haben, will ich es noch ein Mal genauer beschreiben: Wenn man Fische oder überhaupt irgend etwas verkaufen will so muß man entweder besser oder billiger sein als die Konkurrenz. Billiger kann jeder, besser geht nur wenn man eben „besser” ist! Deshalb muß man die „besseren Fische” züchten! Und dazu sucht man sich die gesündesten - ist wohl klar; die schönsten - ist wohl auch klar, die schnellwüchsigsten - das sind die Fische die am schnellsten wachsen, der Fachmann sagt auch „Abwüchser” dazu, im Gegensatz zu den „Nachwüchsern”. Abwüchser sind in der Regel die gesünderen und stabileren Fische. Wichtig ist auch, daß die Form und die Beflossung stimmen. Kongosalmler z.B. dürfen nicht zu hoch sein, sie müssen ein richtiges Verhältnis Länge zur Höhe haben, außerdem muß die Farbe stimmen und die Flossen der Männchen sollen möglichst lang sein. Auch sollten bei einem guten Kongostamm möglichst viele Männchen und nur wenige Weibchen dabei sein - Männchen lassen sich besser verkaufen. Diese Merkmale darf ein Züchter nicht erst bei ausgewachsenen Kongos feststellen können, sondern er muß es möglichst früh erkennen. Je mehr Fische man dabei zur Auswahl hat, desto besser ist natürlich das Ergebnis. Bei Kongos waren es bei uns schon mal 1000 Fische aufwärts.
Es gibt nur bei sehr wenigen Fischen vorgegebene „Zuchtziele” - Guppies, Zuchtformen von Lebendgebärenden oder z.B. Moosgrüne Sumatrabarben gehören hier her - letztendlich ist aber auch da das Zuchtziel immer das gleiche: Gesunde und schöne Fische. Hoffentlich habe ich mich jetzt klar genug ausgedrückt!

Noch ein Nachtrag: Das gilt natürlich im Prinzip auch für Garnelen und Krebse. Da ist züchten genauso wie bei Fischen die Verpaarung von bestimmten Tieren und nicht das zusammensetzen von verschiedenen Stämmen mit der Hoffnung, daß sich schon die besseren paaren werden!
Da diese Praktik offenbar „Standart” ist werde ich bei den Garnelen und Krebsen noch genauer darauf eingehen.

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Inzucht bei Zierfischen und der wirkliche Murks bei der Zierfischzucht
Bei Zierfischen ist Inzucht offenbar ganz oder doch fast ungefährlich. Ich möchte sogar behaupten, daß man nur so zu wirklich guten Zuchtfischen kommen kann! Selbstverständlich gekonnte Inzucht und nicht wahllos verpaarte Tiere! Das ist ganz wichtig, wenn ein Züchter nicht alle Eigenschaften seiner Fische kennt ist es auch keine „gekonnte Inzucht”, sondern Murks. Hochzucht bei Fischen ist immer Inzucht, mal mehr und bei mehreren „Linien” auch weniger! Bei anderen Tieren übrigens auch. Nur wollen das viele Aquarianer nicht glauben oder wahrhaben. Speziell solche, die wenig Wissen von der Materie haben schimpfen über Inzucht bei Fischen!

Beispiel für positive Inzucht bei Fischen: Ich hatte fast 20 (zwanzig) Jahre einen sehr schönen und gesunden Kongosalmlerstamm. Natürlich alles Inzucht - fast 20 Jahre lang! Neben der Größe, den langen Flossen und der Gesundheit hatte dieser Stamm noch einen großen Vorteil, der aber zugleich auch sein Nachteil war - es gab fast nur Männchen. Männchen sind zwar bedeutend besser zu verkaufen, aber irgendwann habe ich wegen der wenigen Weibchen andere Kongosalmler mit einem Rotstich hineingekreuzt, eigentlich schöne Fische. Sonst hätte ich sie ja kaum genommen. Ab da waren die Kongos vermurkst, und zwar gleich so, daß ich sie nicht mehr weiter gezüchtet habe. (Ich hatte wahrscheinlich übersehen, daß diese rotstichigen Kongosalmler ziemlich klein und zu wenig  vital waren. Möglicherweise hatte ich auch die Lust verloren, oder sie sind nicht mehr so gut gegangen).
Die meisten Stämme meiner Zierfischzucht hatte ich durch Inzucht herausgezüchtet. Es waren eigentlich immer die besseren Fische. Als Beispiele fallen mir spontan ein, die Liste ließe sich aber fortsetzen: Moosgrüne Sumatrabarben (das war ein reinerbiger durchgezeichneter Stamm ohne Flecken), Fünfgürtelbarben (durchgehende Streifen, gute rote Farbe), langflossige Rote Kardinal, Titteyabarben, Rubinbarben, Neonsalmler mit viel kräftigem rot, Robertsisalmler, natürlich alle Lebendgebärenden. (Dunkelrote Korallenplaty bekommt man nur durch kreuzen von dunkelroten Tieren. Selbstverständlich wird der erfahrene Züchter die übermäßig dunklen Männchen nicht nehmen, da sie meistens nicht so vital sind).
Ein wenig Fingerspitzengefühl ist schon notwendig. GANZ so einfach ist es ja nun auch wieder nicht.

Der weitaus größere Anteil an schlechten Fischen entsteht nicht etwa durch Inzucht, sondern erstens durch oberflächlich ausgesuchte Zuchtfische und zweitens durch schlechte Hälterungsbedingungen oder Murks bei der Aufzucht! Sogenannter „Krüppelwuchs” oder defekte Kiemen sind fast immer auf Murks bei der Aufzucht zurückzuführen und nicht erblich bedingt. Man muß speziell in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen auf Sauberkeit achten, entweder „richig steril” oder eben nach meiner Methode „biologisch intakt”. Eine Mischung geht nicht! Wenn jemand schreibt, daß er Skalare in einem 30er aufzieht, dann ist das - mit Verlaub - eine Schweinerei! Wenn man wirklich keinen Platz hat, so soll man es doch bitte bleiben lassen! Daß sich solche Fische nicht zu Prachtexemplaren entwickeln ist wohl klar. Ich habe selbst kleine Salmler in 60ern angesetzt und aufgezogen, und zwar nicht weil ich lieber 60er als 30er durch die Gegend trage, ausleere und sauber mache oder zu viel Platz gehabt habe, sondern ganz einfach deshalb, weil es die besseren Fische gegeben hat. So einfach ist das! Ehrlicherweise muß ich allerdings dazu sagen, daß die gleiche Fischmenge in einem 60er natürlich weniger Arbeit macht als in einem 30er und man auch weniger Ausfälle hat - womit wir wieder am Anfang wären. Zur Auswahl der Zuchttiere ist zu sagen, daß man natürlich z.B. bei Skalaren, Sumatrabarben oder Fünfgürtelbarben keine Fische zur Zucht verwenden darf, die aber auch nur den geringsten Zeichenfehler haben. Es fällt bei den Nachkommen ungemein auf, wenn die Streifen nicht durch gehen. Auch wenn ich mich ewig wiederhole: Man darf nur mit den besten Fischen züchten, die Arbeit ist bei schlechten Fischen die gleiche wie bei guten. Somit ist es bei schlechten Fischen schade um die Arbeit! Und schlechte Fische will auch niemand haben! Also auch noch schade um die Fische.
Sollte jemand so schlechte Aquarianer-Augen haben, daß er nicht sehen kann ob die Streifen bei Fünfgürtelbarben durchgehen oder nicht, so wird aus ihm sowieso kein guter Zierfischzüchter werden. Diese Ironische Bemerkung deshalb, weil selbst in Büchern eines besseren Verlags Fotos von sehr schlecht gezeichneten Fünfgürtelbarben zu sehen sind. So etwas sollte nicht passieren.
 

Nachtrag September 2007.
Wahrscheinlich kommt die weit verbreitete schlechte Meinung über Inzucht daher, daß man meistens nur negative Beispiele zu sehen bekommt. Seien das schlechte Fische oder andere „Lebewesen” mit genetischen Fehlentwicklungen. Wahrscheinlich mache ich den Fehler und bin oder war der irrigen Meinung, daß jeder Züchter die Zuchtfische äußerst genau aussuchen würde. Zwar machen das offenbar die meisten „Asiaten”, also die Züchter aus Singapur, Hongkong oder Indonesien. Diese Leute bringen es fertig, daß sie 1000 Prachtguppys liefern die absolut identisch sind - und da ist nicht eine „Krücke” dabei! Anders manche Züchter aus den ehemaligen Ostblockstaaten, in letzter Zeit habe ich mehrere ziemlich schlechte Fische aus der Tschechei gesehen. Zwar mit guten Farben - wobei offenbar mit Chemie nachgeholfen wird - aber mit schlechten Formen und immer mit einigen Krücken. („Krücken” sind Fische mit irgendwelchen Defekten).
Bei den Menschen ist es ja auch nicht so, daß die intelligenteren Verwandten geheiratet haben, sondern die „Übriggebliebenen”, die man nicht „angebracht” hat. Der Ausdruck „nicht anbringen” existiert hier auf dem Land tatsächlich immer noch. Daß die Nachkommen aus solchen Kombinationen nicht die Gesündesten und Intelligentesten sind liegt wohl auf der Hand. 
Das hat nichts mit Diskriminierung oder ähnlichem zu tun, das sind simple Tatsachen!

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InzuchtHerr Dr. Dieter Gentzsch hat mir erlaubt, seinen in der Aquarienzeitschrift „Das Aquarium” erschienenen Artikel über Schwarze Schwertträger in die Afizucht zu übernehmen. Es ist der beste Aufsatz über Inzucht bei Fischen den ich jemals gelesen habe. Dazu muß man wissen, daß es richtig schwierig ist Schwarze Schwertträger in größerer Menge ohne Melanome zu vermehren.
Sollte Jemand mit dem roten Punkt Probleme haben, hier ist der Textlink:
Inzucht


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Was ist ein Berufszücher?
Das richtige Züchten geht also frühestens an, wenn man gezielt Fische vermehren will. Da ist es dann wieder ein Unterschied, ob man das nebenbei betreibt oder vom Ergebnis leben muß. Bei Ersterem ist es nicht so wichtig ob sich die Fische vermehren, wenn ja ist es gut, wenn nicht ist es auch nicht so schlimm. Das trifft dann höchstens das Ego -  weil es eben nicht klappt. Bei einem Berufszüchter ist das aber schon ein finanzielles Fiasko. Er muß in der Lage sein, zu jeder Zeit jede gefragte (züchtbare) Art in der benötigten Menge nachzüchten zu können. Da liegt der große Unterschied und die enorme Schwierigkeit des Berufszüchters. Es ist eben etwas ganz anderes, ob man Fische dann züchtet, wenn die Fische wollen, oder die Fische dann züchten muß und auch kann, wenn man die oder jene Art zum Verkauf benötigt. Auch ich habe im Laufe der letzten drei Jahrzehnte irgendwann mit fast allen Fischarten Schwierigkeiten bei der Vermehrung gehabt - sogar mit Zebrabarben. Der Unterschied zwischen einem guten und einem weniger guten Züchter erkennt man daran, wie und ob er in der Lage ist, diese zeitweise auftretenden Schwierigkeiten zu überwinden und die Fischart trotzdem in der benötigten Menge zu einem bestimmten Zeitpunkt züchten zu können. Ausreden gelten nicht, da zählt nur das Ergebnis! Ich kann mit einem gewissen Stolz behaupten, daß mir das fast immer gelungen ist. Ich habe keinen Züchter gekannt, der regelmäßig so viele Arten „gemacht” hat wie wir. Und das in einer - für die vielen Arten - relativ „kleinen Anlage” mit unter 200 qm Netto-Fläche und gut 300 „richtigen” Aquarien (die 40er, 30er und die Fangtöpfe nicht mitgezählt). Daß die gezüchteten Fische von hoher Qualität sein müssen versteht sich von selber. Sonst ist ganz schnell Schluß mit Fische verkaufen. Die Branche ist nicht so groß und die Zoohändler sind hier im Süden nicht so dicht gesät, als daß man sich immer neue Kunden suchen könnte, das funktioniert nur mit zufriedenen Stammkunden! Eine weitere Schwierigkeit des Züchtens in größerem Stil ist das richtige Einschätzen des Bedarfs und der rechtzeitige Abbruch der Zucht der einzelnen Arten. Man muß ca. 6 Monate vorher wissen, was die Zoohändler haben wollen. Und dann muß man ganz höllisch aufpassen, daß man nicht zu viel züchtet! Das kann z.B. bei Skalaren ganz schnell gehen: Skalare laichen oft hintereinander und kleine Skalare sehen nach nicht viel aus. Man hat dann einige Becken mit Eiern und Jungen und da passiert es sehr schnell, daß man zu viel hat. Das nächste Problem besteht darin, Fische im richtigen Moment in einen Turnus zu bringen. Wenn man laichende Kongosalmler hat, dann geht das ganz einfach, sie laichen dann ca. jeden 6.-8. Tag. Es kann aber durchaus schwierig sein, sie auf Kommando laichen zu lassen. Und da man ja keine 10.000 Kongos brauchen kann, muß man dann auch zum richtigen Zeitpunkt stoppen können - um dann wieder auf Kommando zu starten! Das Problem des Berufszüchters ist also nicht die Zucht an sich, sondern hauptsächlich das „Organisieren der richtigen Fisch-Menge zum richtigen Zeitpunkt”. Wenn ein angehender Berufszüchter Probleme mit dem Zucht-Wasser oder der Filterung oder überhaupt Probleme mit Fischen oder Technik hat, dann wird das nichts werden.

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Ethik
All die Jahre oder auch Jahrzehnte habe ich mich immer wieder gefragt, ob das richtig ist was ich da tue. Schließlich habe ich Fische „in die Welt gesetzt”, die später sehr oft in viel zu kleinen Aquarien mehr oder auch weniger gepflegt und die selten eines natürlichen Todes sterben bzw. ihr maximales Lebensalter erreichen würden. So gesehen hätte ich es besser bleiben lassen. Da aber alles zwei Seiten hat, gibt es auch hier die andere Seite: Alle Fische die ich gezüchtet habe mußten nicht importiert oder gar gefangen werden. Durch die kurzen Lieferwege, das wenige umsetzen und auch noch aus anderen Gründen waren unsere Fische den Strapazen des Verkaufs besser gewachsen als importierte Fische. Es gab bedeutend weniger Ausfälle und unsere Fische haben sich besser und schneller sowohl beim Händler als auch beim Aquarianer eingelebt. So gesehen habe ich richtig gehandelt.
Das ist die Kurzfassung, über dieses Thema kann man noch bedeutend mehr philosophieren, das gehört aber nicht hier her.

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Erste Schritte bei der Zierfischzucht
Dieser Absatz ist nur für Interessenten gedacht, die es mal mit einer einfachen Art versuchen wollen.
So man noch keine Erfahrung hat, kann man mit Zebrabarben oder eventuell Kardinal anfangen. Zebras sind wahrscheinlich leichter. Wenn das Wasser unter ca. 18° GH hat wird es funktionieren, über 20° muß man das Wasser eventuell weicher machen, ich habe keine eigenen Erfahrungen bis zu welcher Härte Zebras noch gehen.
Also zuallererst einige Zebrabarben kaufen. Paare sind in einem Verkaufsaquarium schlecht zu fangen. Man muß sehen, daß man einige dicke und auch einige dünne bekommt, die Männchen sind zudem etwas gelber. Das ist aber bei kleinen Fischen für einen Ungeübten nicht so einfach zu sehen. Für den Ansatz braucht man dann ein dickes Weibchen und zwei Männchen. Diese Fische kommen zuerst für vielleicht 14 Tage bis 4 Wochen in das Gesellschaftsbecken. Diese Zeit richtet sich nach dem Alter und dem Zustand der neu erworbenen Zebrabarben.
Zur Zucht:
Anfangs ist es besser, ein etwas größeres Aquarium zu nehmen, die größere Wassermenge verzeiht kleine Fehler leichter. Also besser ein 40er als ein 30er nehmen. Da kommen etwas feiner Kies und einige Stängelpflanzen hinein. Als Laichsubstrat kann man Javamoos nehmen, da nimmt man gut eine Hand voll. Das kann man eventuell etwas auseinander zupfen und mit irgend etwas beschweren (VA-Draht, Steinchen, Tonziegelteilchen, auch kann man sich mit einer Flex etwas von einer Fliese oder auch einem Ziegelstein abschneiden, bereits untergegangene Wurzelstücke gehen auch), ideal wäre, wenn es eine Art Teppich ergibt. Es kann auch in der Mitte ein „größerer” Haufen sein. Einige Posthornschnecken sollten auch mit ins Aquarium. Ein Heizer wird schlecht hinein gehen. Wenn der Raum geheizt wird geht es auch ohne, ca. 22° reichen durchaus, ist es weniger eventuell Kardinal nehmen, die sind auch mit 20° zufrieden. Ein kleiner luftbetriebener Innenfilter vervollständigt die Einrichtung. Fertig - so läßt man das Aquarium einige Tage stehen, Beleuchtung nicht vergessen. Da reicht irgendeine Energiesparlampe, zur Not eine Schreibtischleuchte mit langem Arm, die gibt es sogar mit Leuchtstofflampen.
Wenn sich die Zebrabarben im Gesellschaftsaquarium gut entwickelt haben, werden ein Weibchen und zwei Männchen heraus gefangen. Das ist leichter gesagt als getan. Manchmal geht das ganz gut, wenn man die Fische direkt bei der Fütterung fängt - samt Trockenfutter. Also erst alles frei machen, Deckscheiben beiseite legen usw., wenn man dann etwas Futter auf die Wasseroberfläche gibt, sind alle Zebras da. Mit einem möglichst großen Netz beherzt in den Schwarm tauchen und die gefangenen Zebras dann aussortieren. Meistens hat man da nur einen Versuch, höchstens einen zweiten. Wenn man dann nichts gefangen hat, geht nichts mehr. Bevor man das ganze Aquarium zerlegt, sollte man es vielleicht nachts versuchen, wenn die Aquariumbeleuchtung und das Raumlicht schon eine Weile aus war, da kann man ganz gut Fische fangen. Wenn man das am Freitag Abend macht, hat man das Wochenende zum beobachten.
Wahrscheinlich werden die Fische bereits am nächsten Vormittag zum treiben beginnen. Wenn sie es nicht machen, muß man etwas warten und ganz wenig füttern. Man muß die Fische beobachten, wenn das Weibchen dünner geworden ist, alle Fische heraus fangen und abwarten. Vielleicht kann man sogar einige Eier sehen, am ehesten die weißen unbefruchteten oder bereits verpilzten. Mit mehr Übung sieht man dann auch die „guten” Eier.
Nach ein oder zwei Tagen werden unter der Wasseroberfläche ganz kleine Fischchen herumschwimmen, (die genauen Schlupfzeiten der Fische habe ich mir nie gemerkt oder aufgeschrieben, wenn man eh kontrolliert ist das auch egal). Normalerweise müßte man sie jetzt mit Infusorien füttern. Die haben wir aber nicht. Man nimmt statt dessen normales Flockenfutter und zerreibt es ganz fein zwischen den Fingern, eventuell mehrmals machen. Besser geht das mit einem Mörser. Da der aber eher selten in normalen Haushalten zu finden ist muß man sich anders behelfen. So nimmt man einen größeren stabilen Löffel und einen kleinen Eierlöffel. Möglichst aus Stahl oder VA und nicht aus dem guten Silber. Silber ist ziemlich weich und es könnte nach öfterem Gebrauch Schwierigkeiten mit der Hausfrau geben. In den großen Löffel kommen 3 oder 4 Flocken, die mit dem Eierlöffel zerdrückt und zerrieben werden. So hat man mit einfachsten Mitteln einen Minimörser. Das Futter muß aussehen wie feines Mehl. Davon gibt man eine ganz kleine Messerspitze auf die Wasseroberfläche. Nur ganz wenig, es darf auf gar keinen Fall die halbe Wasseroberfläche bedeckt sein. Das ist alles, der Rest geht von alleine.
Man sollte nur Eipulver oder ähnliches nehmen, wenn man keine Löffel zum zerreiben im Haus hat und man es mit den Fingern nicht schafft. Flockenfutter ist nämlich besser! Eipulver war nur in der alten DDR gut, oder vor 50 Jahren. lachen-transp

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Zuchtfische, die Beschaffung und Hälterung
Prinzipiell: Als Zuchtfische kommen nur die BESTEN Fische in Frage. Da hat der Preis (fast) keine Rolle zu spielen. Es ist schade um die Zeit, das Geld und auch die Fische wenn man mit schlechten Fischen züchtet. Die Arbeit ist schließlich die gleiche - nur das Egebnis ist schlechter. Man muß als Züchter unbedingt lernen den Fischen alles mögliche anzusehen, am besten auch woher sie kommen. (Das ist kein Witz, das kann man bedingt tatsächlich. Natürlich seht auf dem Fisch nicht „Made in Tschechien” drauf. Wenn man aber genügend tschechische Fische gesehen hat kann man sie wieder erkennen. Gilt bei Fischen anderer Herkunft genauso). Wenn man es nicht „von Haus aus” kann, so muß man eben üben. Es hat auch keinen Sinn ein „Zuchtpaar” zu kaufen, besser kauft man eine Gruppe oder eben einen kleinen Schwarm. Da mag es mit Diskus oder anderen Fischen Ausnahmen geben, das sind aber auch wirklich Ausnahmen. Es ist immer besser, wenn man aus möglichst vielen Fischen auswählen kann. Wenn man natürlich nicht sehen kann so kann man auch nicht auswählen! Sollte das jemand für eine bösartige Bemerkung halten, so irrt derjenige, es ist nur jahrzehntelange Erfahrung! Leider!

Hälterung der Zuchtfische zwischen den Ansätzen:
Hier geht es um eierlegende Fische wie Salmler, Barben und ähnliche.
Die gerade nicht angesetzten Fische müssen bis zum nächsten Ansatz irgendwo gehältert werden. Früher habe ich diese Fische in einzelnen Aquarien mit dem gleichen Wasser wie in den Ansetzbecken gehältert. Später habe ich es einfacher gemacht: Es wurden 70er (72x62x35cm) im hinteren Viertel längs - also von links nach rechts - und im vorderen Teil nochmals quer - also von hinten nach vorne - (wenn man will auch von vorne nach hinten)  abgeteilt. Im hinteren Abteil war ein Filter und zwischen vorne und hinten ein feinmaschiges VA-Gitter. Zwischen  „vorne links” und „vorne rechts” nur eine etwas undurchsichtige Glasscheibe. Da kamen die Weibchen nach links und die Männchen nach rechts - oder umgekehrt. Als Wasser habe ich unser Einheitswasser genommen. Also ca. 333 µS. Von hier wurden die Fische dann in Ansetzbecken mit ca. 15 µS - 30 µS gesetzt - und wieder in 333 µS zurück. Geht nicht? Geht schon! Und den Fischen hat es sehr viele Jahre nichts ausgemacht - sonst hätte ich es ganz schnell bleiben lassen!!!
Und selbstverständlich haben sich die Eier auch entwickelt, trotz osmotischem Druckunterschied und so.
Da die Beschreibung der „Zuchtfischlagerbecken” etwas kompliziert ist werde ich so ein Aquarium irgendwann fotografieren, ich habe noch zwei.
Nachtrag: Inzwischen nicht mehr, habe sie zerlegt und dem Glascontainer übergeben.

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Ablaichbehälter
Als Ablaichbehälter kommen bei kleinen Salmlern oder Barben meistens kleinere Aquarien in Frage. Bei größeren Fischen wie z.B. Skalare müssen die Behälter natürlich entsprechend größer sein.
irgendwann kommt dazu noch mehr.

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Aufzuchtschalen oder Aufzuchtschüsseln
Aufzuchtschalen_ThDiese Aufzuchtschalen werden gerne von privaten Züchtern verwendet. Sie sind eine Erfindung der Kellerzüchter. Kein Berufszüchter hat solche Dinger früher verwendet. Der Grund ist ganz einfach: Der Berufszüchter hat mehr Eier oder Junge, für diese Mengen sind die Schalen zu klein. Auch machen sie letztendlich zu viel Arbeit. Es gibt aber noch einen gravierenden Unterschied zwischen „Aufzuchtschalen” und „Aufzuchtaquarien”. Aufzuchtschalen sollten weitgehend steril sein, so werden sie jeden Tag meistens mehrmals ausgeleert und wieder mit frischem Wasser gefüllt. Das geht in der Praxis recht gut, das Wasser kann man über eine Ecke abgießen, die Eier bleiben in dieser Ecke zurück. Solange die Jungen noch nicht geschlüpft sind hat sich die Zugabe von Mycopur® bewährt, das ist besser als Methylenblau oder Trypoflavin (Acriflavin). Da ist zwar auch Trypo drin, aber zusätzlich auch Kupfer, diese Kombination scheint gut zu sein. Die Dosierung ist eine Gummisache, das Wasser soll etwas giftig hellgrün sein. Nicht zu viel nehmen. Manche Züchter wedeln sogar den Boden und die Wände mit einem Pinsel ab, damit der „Biofilm” entfernt wird und sich ja keine Mikroorganismen ansiedeln können. Ich habe nicht gewedelt, dafür habe ich dann zu den Jungen eine oder zwei Rote Posthornschnecken dazugeben, dann wird die Schale etwas „biologischer”. Diese Roten Posthornschnecken fressen keine Eier, oder nur kurz bevor sie verhungern würden. Interessanterweise sind Behälter mit Posthornschnecken bedeutend stabiler als Vergleichsbehälter ohne Posthornschnecken. Den Kot der Schnecken nicht komplett absaugen, das scheint wichtig zu sein. Jedenfalls nie alles absaugen. Ich kann mir keine Zierfischzucht ohne Posthornschnecken mehr vorstellen! Was man natürlich nicht tun darf: Man darf keine Posthornschnecken in Behälter mit Planarien setzen, da dieses üble Getier Schnecken umbringt! Übrigens auch Apfelschnecken. Und natürlich auch Fischeier frisst!

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Aufzuchtaquarien
Richtige Aufzuchtaquarien mit kleinen Filtern werden früher oder später „biologisch”, das heißt, daß sich abbauende Bakterien und andere Kleinstlebewesen entwickeln, vermehren und sie dann recht stabil werden - die Aquarien natürlich. Sie machen dann weit weniger Arbeit und es gibt auch weniger Ausfälle. So kann man in Aufzuchtaquarien bedeutend mehr Fische aufziehen. Natürlich nehmen sie auch mehr Platz weg als einige Schalen auf dem Tisch. Es hat halt wie immer alles mindestens zwei Seiten.
Aufzuchtschalen haben noch einen Nachteil. Irgendwann muß man die Jungen aus den Schalen in Aquarien umsetzen, dann braucht man sowieso ein Aufzuchtaquarium. Warum die Eier also nicht gleich in ein kleines funktionierendes Aquarium geben? Das muß überhaupt nicht „steril” sein - im Gegenteil. Gute befruchtete Eier entwickeln sich in einem funktionierenden Aquarium völlig ohne „Zutaten”. Sie werden in einem funktionierendem Milieu nicht angegriffen. (Außer von Planarien natürlich, die gehören aber nicht in ein „funktionierendes Milieu”).
Ich nehme es niemandem übel wenn er das nicht glaubt, man muß halt erst ein mal gesehen haben wie die Eier bzw. die 2 Augenpunkte von z.B. Popondetta aus dem Mulm herausleuchten. Dann macht Aquaristik richtig Freude und führt zu tiefer Ergötzung! lachen-transp

Nachtrag: Zwar hatte ich schon immer das „Gefühl”, daß „gute Eier” in einem funktionierenden Milieu nicht angegriffen werden, einen Beweis hatte ich aber nicht und so richtig getraut es auszuprobieren habe ich mich auch nicht. Ich hatte nie Eier „übrig”. Es war also nur ein Gefühl (von der gleichen Sorte „Gefühl” habe ich immer noch einige). Das AHA-Erlebnis kam als ich eine Versuchsplexisäule mit Weiherschlamm geimpft habe. Da schwamm einige Tage später ein ganz kleiner Fisch in der Säule! Es war ein Schleierschwanz, der als Ei mit dem Bodenschlamm in die Säule gekommen war. Er hat sich prächtig entwickelt und hatte keinerlei Schäden. Da habe ich damals ganz schön gestaunt! Heute ist das für mich selbstverständlich und logisch! Ein funktionierendes System ist in sich „friedlich” - wenn die andere Seite intakt ist. Ein nicht befruchtetes Ei ist nicht intakt und wird somit angegriffen und verspeist. Das Problem für den weniger versierten Aquarianer ist nur zu so einem System zu kommen. Eigentlich ist es ja ganz einfach, man muß nur weniger in sein Aquarium hinein schütten und es „biologischer” laufen lassen. Und nicht immer im Aquarium herumfummeln.
Es gibt inzwischen eine Seite über „Höhere Aquaristik”, da wird es etwas genauer beschrieben.

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Die weitere Aufzucht der Jungfische
Hier ist nicht viel zu sagen, die Fische müssen eben gefüttert werden und es muß häufig Wasser gewechselt werden. Im Gegensatz zu ausgewachsenen Fischen in Wohnzimmeraquarien benötigen junge Fische richtig viel und oft Futter. Die Meinung, daß die jungen Fische auch ohne extra Fütterung genug Futter finden würden und die stärksten Fische es schon schaffen würden beinhaltet einen kleinen, aber folgenschweren Gedankenfehler. Selbst in einem alteingerichteten größeren Aquarium (1m) ist nur für sehr wenige Fische wirklich genug Futter vorhanden. Zwar sterben „nur” die schwächeren Jungen, die stärkeren tragen aber durch die schlechten Lebensverhältnisse irreparable Schäden davon. Richtig gute Fische werden das somit nie werden!

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Noch ein Nachtrag:
Es wird manchmal immer noch behauptet, daß man die Ansetzbecken abdunkeln muss. Um nicht alles doppelt schreiben zu müssen, hier steht, warum das Unsinn ist.

 

Erstellt:  Dezember 2006
Letzte Änderung: Februar 2017

 

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