Logo_143
Horn_150mr

 

Der Wasserwechsel im Aquarium

Balken_blau

 

Eine sehr ausführliche Seite über den Wasserwechsel im Aquarium

line

 

Übersicht, allgemeines über den Wasserwechsel
Was man nicht tun sollte
Etwas Aquariengeschichte, der Wasserwechsel im Laufe der Zeit
Wie oft Wasser wechseln?
Wasserwechsel mit warmem oder kaltem Wasser?
Wie Wasser wechseln?
Wasser aus Kupferleitungen, wie giftig sind Kupferleitungen wirklich?
Ausnahmen bei Wasserwechsel nach dem Leitwert
Warum nach einem größeren Wasserwechsel nach einer größeren Pause manchmal Fische sterben
Hat ein wöchentlicher Wasserwechsel direkt aus der Leitung auch Vorteile?
Hat ein mehrmaliger großer Wasserwechsel mit gutem abgestandenen Wasser auch Vorteile?
Was ich unter „ abgestandenem Leitungswasser” verstehe
Altwasseraquaristik, was versteht man darunter
Zusammenfassung
Nachtrag März 2010
Einschränkungen beim Wasserwechsel nach der Leitfähigkeit

 

Übersicht
Wie immer - es kommt darauf an. Es ist zuerst ein mal wichtig festzustellen um was für eine Art Aquarium es sich überhaupt handelt!

1)  Ist es ein Aufzuchtbecken, wo sehr viel gefüttert werden muß und entsprechende Stoffwechselprodukte anfallen?
2)  Befinden sich in dem Aquarium neu importierte Fische, z.B. Rote Neonsalmler, die in schlechtem Zustand und in sehr weichem Wasser angekommen sind?
3)  Ist es ein eher unterbesetztes Wohnzimmeraquarium mit sehr gutem Pflanzenwuchs?
4)  Oder ein Garnelenaquarium oder gar ein Aufzuchtaquarium für Apfelschnecken, wo die Bewohner genug Mineralien für ihre Häutung bzw. ihr Gehäuse haben müssen?

Das sind schon mal vier völlig verschiedene Aquarien: Im ersten Aquarium muß oft und viel Wasser gewechselt werden, um das belastete Wasser mit unbelastetem Wasser zu „verdünnen”, im zweiten Fall muß öfter - durchaus täglich - wenig Wasser gewechselt werden, um die Neuankömmlinge an das vorhandene Wasser zu gewöhnen. (Das muß man zwar nicht unbedingt machen, so sind es aber meistens die besseren Fische geworden.) Im dritten Fall muß man durch Wasserwechsel - und Düngung - den Pflanzen die verbrauchten Mineralien wieder zufügen (oder auch ohne WW nur nachdüngen) und im vierten Aquarium benötigen die Garnelen oder Schnecken auch wieder Mineralien, die sie für die Häutungen oder Gehäuse benötigen.
Dieses einfache Beispiel soll zeigen, daß man mit einer sturen Faustregel für den Wasserwechsel nicht weit kommt, man muß also etwas differenzieren. Wie immer!  lachen-transp
Am einfachsten macht man natürlich WW nach einem Leitfähigkeitsmesser. Da merkt man sich ein mal den Ausgangswert und auch in etwa den Wert, wann ein WW fällig ist und fertig. Man sollte aber auch Düngemittel oder gar Salzzugaben in welcher Form auch immer beachten. Die erhöhen die Leitfähigkeit bisweilen ganz gewaltig.
Natürlich muss die Leitfähigkeit nicht steigen, in einem gut wachsendem Pflanzenaquarium z.B. wird sie wahrscheinlich sogar fallen. Das sind allerdings Ausnahmen, siehe weiter unten.
Einschränkungen beim Wasserwechsel nach der Leitfähigkeit siehe Nachtrag unten auf dieser Seite.

oben

#_line_2

 

Was man nicht tun sollte
Man sollte nicht auf die Idee kommen, ein Aquarium mit einem Ausschnitt aus der Natur zu verwechseln! Ein Aquarium hat mit dem Amazonas nichts gemein - außer daß in beiden Wasser ist. Es ist ein künstliches Gebilde und kein kleiner Amazonas! Auch wenn viele vor dem Aquarium davon träumen. Alle Vergleiche eines Aquariums mit einem Ausschnitt der Natur hinken ganz gewaltig. Man kann es ganz einfach nicht vergleichen! Das ist noch viel schlimmer als die berühmten „Äpfel und Birnen”.
Als kleiner Jungen hatte es mir ein sonniges Eidechsenbiotop mit trockenem Gras, ein paar Steinen und niedrigem Gebüsch an der Iller besonders angetan. Das wollte ich immer nachmachen - möglichst in einem 50er Terrarium. Es hat natürlich nie funktioniert - es war eben der Traum eines kleinen Jungen!
Somit kann man auch die Vorgänge in einem Aquarium nicht mit den Vorgängen in der Natur vergleichen. Damit meine ich nicht die Stoffwechselvorgänge - die sind auch in einem Komposthaufen ähnlich! Ich meine den Wind, die Wasserbewegung, die Tages- und Jahreszeiten, die Sonneneinstrahlung, die Regenfälle (ich muss immer gewaltig schmunzeln, wenn manche Aquarianer meinen die Regenzeit mit der Gießkanne imitieren zu können) und auch die Trockenzeiten mit ihren katastrophalen Auswirkungen auf die Fische. Das ist nur eine geringe Aufzählung, man könnte sie beliebig weiter führen. Aber alleine die Trockenheit würde wohl kein Mensch in seinem Aquarium kopieren wollen. Die gehört aber auch zur „Natur”, oder eben zum Amazonas. Nebenbei ist in der Natur fressen und gefressen werden nahe beieinander, ein friedliches Aquarium würde es also nicht werden.
Wenn das mit dem Naturausschnitt ausgeträumt ist, so bleibt übrig, daß man möglichst optimale Verhältnisse für die Fische bieten sollte.
Man muß halt dafür sorgen, daß die Wasserqualität möglichst konstant auf einem hohen Niveau bleibt. Dazu muß man einen leistungsfähigen Filter installieren und Wasser wechseln. Das hängt alles auch vom Besatz und somit von der zugefügten Futtermenge ab. Theoretisch wäre es ideal kontinuierlich Wasser ins Aquarium tropfen zu lassen. Das funktioniert zwar, ist aber mit viel Aufwand verbunden.

oben

#_line_2

 

Etwas Aquariengeschichte
Bereits als 14-jähriger (1955) war ich Mitglied bei den „Oberallgäuer Aquarienfreunden”. Den Verein gibt es heute noch.
Man hat damals bei einer Neueinrichtung oder beim totalen Umbau möglichst viel Altwasser aufgehoben und wieder in das neue Aquarium gefüllt. An Mulm aus dem Filter hat damals keiner gedacht, das war ja „Dreck”. Wasser hat man - wenn überhaupt - sehr wenig gewechselt. Auch wurde gerne verdunstetes Wasser nachgefüllt.
Es gab zu dieser Zeit noch nicht so viele Aquarien wie heute. Die Aquarien der damaligen Vereinsmitglieder waren aber - trotz der  widrigen Umstände - schöne und sehr gut funktionierende Aquarien! (Meine waren damals nicht so gut). Schließlich gab es da noch keine Leuchtstofflampen, keine Kohlensäuregeräte und keine Kreiselpumpen, von Düngemitteln für Wasserpflanzen ganz zu schweigen. Man hatte eine oder zwei Glühlampen auf dem Aquarium. Der Friseur hatte in seinem Aquarium gar eine 220-Volt-Birne bis knapp zur Fassung untergetaucht im Aquarium, so hat sie nebenbei noch geheizt! Ob sie jemals geplatzt ist, weiß ich nicht. Ich bin gerne zu diesem Friseur gegangen und habe das Aquarium bewundert. Er hatte seinen Filter noch mit Luft aus einer Kolbenpumpe betrieben. Die hat immer „klack” gemacht und der Kolben ist nach oben gesaust, von da ist er dann langsam wieder nach unten gewandert und hat Luft ins Aquarium gedrückt. Wenn er unten angekommen war, hat es wieder „klack” gemacht und der Kolben ist wieder hoch geschossen - und so fort.
Ansonsten hat man versucht möglichst viel Tageslicht ins Aquarium zu bekommen.

„Richtigen” Wasserwechsel habe ich erst bei dem Importeur gesehen und gelernt, bei dem ich um 1965 herum gearbeitet habe. Da waren drei Aquarienreihen übereinander. Die oberste Reihe war Wechselwasser, von da hat man es mit einem dicken Schlauch in die unteren Aquarien laufen lassen. Abends wurden die leeren Aquarien der obersten Reihe wieder aufgefüllt. Man durfte das Wasser aber erst verwenden, wenn es warm war. Diese Methode hat mir so imponiert, daß ich das Grundprinzip bis heute beibehalten habe. Natürlich nicht mehr mit Aquarien, sondern mit Tanks. Im ersten Laden hatten wir noch miteinander verbundene Kunststoffbehälter ganz oben über den Aquarien unter der Decke. Im zweiten Laden hatten wir bereits einen vor Ort geschweißten VA-Behälter mit knapp 1000 Liter und Heizung. Hier in Grünenbaindt haben wir für das Wechselwasser PE-Tanks genommen. PE ist unbedenklich, Nylon nicht unbedingt, damit hatten wir schon ganz gewaltigen Ärger, sprich tote Fische. Die Firma hat den Tank aber wieder zurück genommen.
Ab ca. 1960 wurde in der allgemeinen Aquaristik immer mehr Wasser gewechselt. Da standen aber immer noch viele Aquarianer dem Wasserwechsel skeptisch gegenüber. Da waren unsere Schauaquarien - wie immer - wieder ein gutes Argument. Es hat auch lange gedauert, bis die Leute endlich kapiert haben, daß sie kein Wasser nachfüllen dürfen, sondern immer „wechseln” müssen.
Heute gibt es zwar leider immer noch genügend Menschen, für die „Wasser wechseln” ein Fremdwort ist. Es gibt aber auch die anderen, bei denen Wasser wechseln die hohe Schule der Aquaristik zu sein scheint.
Was ist nun der richtige Weg? Wie immer wenn sich zwei Extreme begegnen - der Mittelweg!

oben

#_line_2

 

Wie oft Wasser wechseln?
Es gibt im Internet einen ehemaligen Vertreter (Anfang der 70er war er ein mieser Zoohändler mit einem genauso miesen Geschäft), der wöchentlich 80% Wasserwechsel propagiert. Mit Leitungswasser! Logisch: Seine Firma verkauft Wasseraufbereitungsmittel, Pflanzendünger, Spurenelemente und andere ähnliche Sachen! Und je öfter und mehr das Wasser gewechselt wird, desto mehr wird verkauft!

Wenn man den ganzen Kommerz, die Wichtigtuerei und die Unwissenheit wegläßt, dann muß man rein sachlich gesehen nur Wasser wechseln, um das Aquariumwasser wieder mit reinerem Wasser zu verdünnen - oder die verbrauchten Mineralien wieder zufügen.

Man kann diesen Satz ruhig mehrmals lesen, er stimmt 100%ig und ist sehr wichtig.
Und er stimmt bei einem „normalen” Wohnzimmeraquarium genauso wie bei Garnelen, Ostafrikanern oder Diskus. Er stimmt sogar bei Aufzuchtaquarien. Er stimmt einfach immer!

Dann sieht die ganze Wasserwechslerei plötzlich ganz anders aus! Dann muß man in sehr vielen Fällen viel weniger Wasser wechseln! Schließlich macht es überhaupt keinen Sinn, Aquariumwasser mit z.B. 350µS mit frischem Wasser mit 330µS zu verdünnen. Das ist lediglich Arbeitsbeschaffung - und auch Wichtigtuerei! Es ist manchmal sinnvoller, die Wasserpflanzen nachzudüngen als gleich Wasser zu wechseln. Die Leitfähigkeit wird natürlich nicht nur durch die Stoffwechselprodukte erhöht, sondern auch durch die verbrauchten Mineralien gesenkt. In der Praxis der „normalen Aquaristik” ist aber die Leitfähigkeitsminderung durch Mineralienverbrauch nicht so gravierend oder seltener vorhanden. Eher schon durch biogene Entkalkung! Oder durch Apfelschnecken, die den Kalk für ihr Gehäuse benötigen. Eine Ausnahme sind wirklich gut wachsende Pflanzenaquarien, da geht die Leitfähigkeit immer nach unten! In solchen Aquarien muß man sogar Stickstoff/Nitrat - je nach Härte und pH-Wert in verschiedener Form - zugeben.
Wenn manche Aquarianer meinen, daß man wegen gerade mal 20-30 mg Nitrat Wasser wechseln muß, dann sollen sie - speziell wenn sie sonst nichts zu tun haben. Notwendig ist es nicht! Nitrat ist bei weitem nicht so schädlich wie oft behauptet wird, und selbst ein Wasser mit 40 oder sogar 60mg Nitrat ist noch lange nicht „verjaucht”, es ist durchaus noch „fischtauglich” und für die Aquaristik brauchbar. Daß Wasser ohne oder mit nur wenig Nitrat für die normale Aquaristik geeigneter ist bleibt trotzdem selbstverständlich!!! Aber genauso selbstverständlich nicht immer: In meinem Wohnzimmeraquarium gebe ich extra Nitrat (momentan als Kaliumnitrat oder Harnstoff) für die Pflanzen dazu. Bei mir bewegt sich der Nitratgehalt gewollt zwischen 25 und 50 mg/l. Außer ich verschlafe es nachzudüngen, dann geht der Nitratgehalt auf 0 mg/l.

(Es tut mir leid daß sich das so drastisch anhört, aber irgendwie muß das auch ein mal gesagt werden! Sonst kann man die Mär von dem furchtbar giftigen Nitrat nie ausrotten. Erst ab ca. 200mg wird Wasser nach meinen Erfahrungen für normale Zierfische unbrauchbar. Erst ab diesem Wert fangen Kongosalmler und Blaue Sumatrabarben an weniger zu fressen und die Farben von z.B. Rubinbarben werden blasser. Bitte nicht verdrehen: Natürlich habe ich keine Fische bei 200mg Nitrat gezüchtet oder aufgezogen! Das war ein Filter- und Belastungsversuch in der 1000-Liter-VA-Wanne mit angeschlossenem Spezialfilter - und ca 1000 - eintausend !!! - halbwüchsigen Kongosalmlern.)
Vielleicht hilft hier ein original Absatz aus Hückstedts Buch „Aquarientechnik” weiter:
„Nitrate stellen nur scheinbar ein Endprodukt dar. Sie sind in Mengen von einigen hundert Milligramm pro Liter physiologisch uninteressant, der angebliche „Nitrattod" ist Einbildung: Die Fische sterben, wenn Nitrat reduziert wird, keineswegs unbedingt an Nitrit- oder Ammoniakvergiftung (als Reduktionsprodukt des Nitrats), da auch hier wieder giftige Zwischenverbindungen in Spuren viel bedenklicher sind, zum Beispiel organische Nitroverbindungen, deren Giftigkeit durch das sowieso anwesende Phenol gesteigert wird. Die Rückläufigkeit wird verhindert durch Erhaltung einer hohen Oxydationsstufe. Abschließend wäre zu diesem Kapitel noch zu sagen, daß man keinen Schritt weiterkommt, wenn man die organischen Verunreinigungen als „oxydierbare organische Substanz" bezeichnet. Dieser hochgestochene diffuse Begriff wie auch der Ausdruck „Abbau" vermitteln nicht mehr die so unerhört wichtige Bedeutung des schlechthin Schädlichen, Minderwertigen und Verwerflichen. Dann ist die Bezeichnung „Dreck" trotz aller Vulgarität wissenschaftlich viel aufschlußreicher!”

Es muß aber auch ohne drastische Erhöhung des Nitratwertes Wasser gewechselt werden, da sich auch andere Substanzen anreichern und Mineralien verbraucht werden. In der heutigen Zeit ein Aquarium ohne Nitrat zu betreiben ist keine Kunst mehr, es ist schon fast ein „Kinderspiel”. Das kann man mit einem einfachen Baypassfilter bewerkstelligen, siehe hier. Deswegen muß man aber trotzdem Wasser wechseln!

Wichtig ist, daß immer auch Wasser gewechselt und nicht nur aufgefüllt wird. Ich hatte früher in unserem Münchner Geschäft einen uralten Satz, und zwar:
Nie Wasser nachfüllen, immer zuerst Wasser heraus und dann erst wieder welches hinein.
Erklärung: Es verdunstet nur reinstes destilliertes Wasser, alle Mineralien und auch Stoffwechselprodukte bleiben im Aquarium zurück! Wenn man also nur auffüllt, erhöhen sich die schädlichen Stoffe kontinuierlich. Macht man dann nach mehreren „Auffüllungen” einen „richtigen” Wasserwechsel, so kann es wegen der großen Veränderung zwischen dem alten und dem neuen Wasser eventuell zu Problemen kommen. Das Ergebnis ist, daß der Aquarianer diese Probleme natürlich dem Wasserwechsel zuschiebt und sagt: „Nie mehr Wasser wechseln, da sterben nur die Fische”. Früher habe ich diesen Satz öfter gehört. Das muß natürlich nicht so sein, es ist aber manchmal so. Siehe auch hier.

Wenn jemand jetzt endlich wissen will, wie oft und wie viel Wasser er nun wechseln soll, dann bekommt er keine konkrete Antwort:
Früher im Laden habe ich immer gesagt, ca. alle 2 bis 3 Wochen etwa 1/4 bis 1/3 Wasser wechseln. Oder öfter und entsprechend weniger. Das stimmt für den Anfänger oder Normalaquarianer als Anhaltspunkt immer noch. Seit längerem bin ich aber der Meinung, daß 10 bis 20% alle 14 Tage bei einem normal besetztem Aquarium mit gutem Pflanzenwuchs durchaus reichen. Die Wasserwechselintervalle hängen natürlich sehr mit dem Besatz und den Fütterungsgewohnheiten des Aquarianers zusammen, siehe weiter oben.
Je besser das Wechselwasser ist desto mehr kann man sich auf ein mal leisten. Bei reinem Leitungswasser sind 20-30% Frischwasser schon die obere Grenze. Hat man gutes abgestandenes und belüftetes Wasser kann man im Ernstfall das ganze Aquarium auf ein mal wechseln.
Wenn Sie die Möglichkeit haben, sich einen Leitfähigkeitsmesser zu leihen, tuen Sie es. Wenn Sie noch länger Aquarianer bleiben wollen, kaufen Sie sich vielleicht sogar einen! Kein Supergerät, ein einfaches Gerät tut es auch. Ein Leitfähigkeitsmesser ist wirklich sehr brauchbar. Es ist inzwischen eine eigene Seite über die Leitfähigkeit da.
Ob man schon bei einer Leitfähigkeitserhöhung um 10% Wasser wechseln soll oder erst bei einer Erhöhung von vielleicht 20% oder gar noch mehr, kommt auf die Fischart an. Garnelen reagieren manchmal  - durchaus nicht immer - empfindlicher als z. B. mittelgroße Barben, größere Salmler, Barsche oder Welse. Es kommt also auch sehr auf den Fischbesatz an. Andererseits habe ich genügend Aquarien mit Leitfähigkeiten erlebt, die um das vielfache des Ausgangswassers lagen. Also z.B. Wasser mit über 2000µS bei einem Ausgangswasser von 500µS. Oft war da allerdings auch Salz dabei. Sie haben durchaus funktioniert und die Fische haben einen normalen Eindruck gemacht. Das waren dann aber auch oft die Fälle, wo nach einem größeren Wasserwechsel auch eine größere Katastrophe eintrat.
Einschränkung beim Wasserwechsel nach der Leitfähigkeit:
Richtig gut funktioniert der Wasserwechsel nach der Leitfähigkeit nur bei Aufzuchtbecken oder anderen überbesetzten Aquarien. Da aber einfach und zuverlässig. Bei einem Wohnzimmeraquarium mit gutem Pflanzenwuchs gehört neben einem Leitfähigkeitsmesser auch Erfahrung dazu. Da kann der Leitwert je nach zugegebenem Dünger und der Fischmenge/Futtermenge fallen oder auch steigen. Da muß man die Gründe dafür erst durch messen heraus bekommen. Wenn man dann genügend gemessen hat, so sieht man es auch so. zwinkern-transp_grau

Was man bei der ganzen Wasserwechslerei gerne vergißt ist die Tatsache, daß Leitungswasser nicht „biologisch” ist. Es ist ein totes mehr oder weniger steriles Medium, daß erst nach einiger Zeit im Aquariumkreislauf „biologisch” wird. Frisches Leitungswasser ist für die Biologie des Aquariums nicht gut. So ist es oft besser, etwas älteres mit wenig Nitrit belastetes Wasser nicht zu wechseln als den Fischen frisches Leitungswasses zuzumuten. Die rigorose Methode das Wasser bereits bei ganz wenig Nitrit bis auf einige Zentimeter zu wechseln halte ich nicht für gut. Da wäre es besser einige Tage gar nicht oder nur ganz wenig zu füttern. So geht der Nitritwert von alleine herunter.
Die Uraltmethode aus den 50er Jahren fast gar kein Wasser zu wechseln und die gelbe Brühe jahrelang zu pflegen war natürlich nicht richtig. Das andere Extrem ist es aber auch nicht!

Das gilt natürlich alles nur für Privataquarien, wenn man wirklich Fische züchtet, dann muß man füttern, füttern, füttern und Wasser wechseln, Wasser wechseln usw.

Es soll bitte Niemand auf die Idee kommen, daß ich ein Feind vom Wasser wechseln sei. Ich bin nur kein Freund von sinnloser Arbeit und genauso wenig von frischem Leitungswasser, auch nicht von chemisch aufbereitetem - und schon gar nicht von kaltem.

Aus diesem Grund hatten wir schon im Laden knapp 1000 Liter abgestandenes Wasser zur Verfügung. Hier in der Anlage hatten wir immer 6000 Liter abgestandenes belüftetes Wasser mit der richtigen Temperatur zur Verfügung, plus mindestens drei 800-Liter-Tanks mit teilweise verschieden weichem Zuchtwasser.

oben

#_line_2

 

Wasserwechsel mit warmem oder kaltem Wasser?
Bei dieser Frage bin ich vorbelastet!
Erklärung: Vor vielen Jahren bin ich mit einem Filialleiter gewaltig aneinander geraten, weil er richtig kaltes Wasser in die Aquarien laufen ließ. Das war dermaßen, daß die Fische nur noch am Boden herumlagen und fast keine Reaktion mehr zeigten. Seitdem reagiere ich ziemlich heftig auf Wasserwechsel mit kaltem Wasser. mad

Vorneweg: Die Aquarianer, bei denen NACH dem Wasserwechsel die Aquariumtemperatur noch über 20° liegt sind hier nicht gemeint. Siehe weiter unten.

Also: Dieser Absatz ist nur für diejenigen gedacht, die tatsächlich so viel kaltes Wasser wechseln, daß die Reaktion der Fische beeinträchtigt wird.

Wenn ich jetzt in einem Forum lesen muß, daß die Mehrzahl der Aquarianer den Wasserwechsel mit kaltem Wasser durchführt, so geht mein Blutdruck nach oben! So etwas deprimiert mich förmlich und ich kann richtig sauer werden! Haben diese Menschen denn gar kein Gespür? Da machen sich diese Leute einerseits bereits bei 50mg Nitrat ins Hemd und kippen den Fischen andererseits eiskaltes Wasser auf den Kopf!
Fische sind wechselwarme Tiere. Sie müssen ihren Kreislauf der Umgebung anpassen. Der Organismus der verschiedenen Fischarten ist an verschiedene Temperaturen angepaßt. Mit Toleranzen natürlich. Die einzige Fischfamilie die zur Laichstimulierung kälteres Wasser bekommen kann sind Corydoras. (Jedenfalls fallen mir momentan keine anderen Fische ein.) Bei allen anderen Fischen wird beim Ansatz die Temperatur eher erhöht. Die dümmlichen Argumente, daß die Fische sich „in der kalten Dusche tummeln” würden und „dann Synchronschwimmen angesagt wäre” sagen eigentlich schon alles. Einem anderen ist es „zu umständlich” das Wasser aufzuwärmen. Ob der auch ins kalte Badewasser steigt, weil ihm das aufheizen da auch zu umständlich ist? Vielleicht sollte so einer besser auf Plastikfische umsteigen, da muß er keine Verantwortung übernehmen! Auch sind die weniger „umständlich”.
Viel besser ist der Vergleich mit der Regenzeit auch nicht. Zwar kenne ich die Temperatur des Regens im Amazonasbecken nicht, ich denke aber daß sie mehr als 10° beträgt - so kalt ist nämlich unser Leitungswasser im Winterhalbjahr!
Wenn man einen Wasserstrahl ins Aquarium leitet, so behält er - zumindest eine Strecke weit - strickt seine Richtung bei. Im Fall kalten Wassers heißt das, daß das Wasser bereits einige Millimeter neben dem Strahl die normale Aquariumtemperatur hat. Die Fische sind neugierig, sie schwimmen Richtung Wasserstrahl und sind plötzlich ungewollt im eiskalten Wasser. Der Strahl drückt die Fische nach unten. Da ist nichts mit „tummeln”! Wenn sie weiter unten trotzdem gegen das kältere Wasser anschwimmen so ist das der natürliche Reflex der Fische gegen die Strömung zu schwimmen.
Sehr wenige Fischarten schwimmen in einem normalen Aquarium im Schwarm. Der Grund ist ganz einfach: Die Schwarmformation nehmen sie nur bei Gefahr ein. Ich will hier niemanden mit der uralten Geschichte vom Räuber und dem großen Schwarm und dem dadurch unsichtbaren Einzelindividuum langweilen. Aber es ist halt so.
Wenn Fische im Aquarium im zusammenhängendem Schwarm schwimmen ist es eher ein Alarm-, denn ein gutes Zeichen.
Natürlich wird es bei einem Wasserwechsel mit kaltem Wasser nicht gleich zu Massensterben kommen, alteingewöhnte Fische sind hart im nehmen. Das muß man aber nicht ausprobieren und wenn jemand meint die Fische „abhärten” zu müssen sollte er es lieber bleiben lassen und sich statt dessen selber unter der kalte Dusche „tummeln”!
Fazit: Wenn sich jemand weiterhin als Tierfreund bezeichnen will so sollte er sich wenigstens die Arbeit machen und den Fischen temperiertes Wasser geben. Die Temperatur muß ja nicht genau stimmen und das Wasser muß ja nicht  abgestandenes sein - wie ich es seit Ende der 1960-er-Jahre handhabe - aber bitte nicht aus dem kalten Wasserhahn!

Sollte man wirklich nicht über fließendes warmes Wasser verfügen, so muß man langsam und vorsichtig so wenig Wasser wechseln, daß die Temperatur des gesamten Aquariums nicht unter 20° sinkt. Wenn man z.B. bei 25° Aquariumwasser 1/3 mit 10° kaltem Wasser wechselt, (25+25+10=60/3=20), so ergibt das 20°. Will man mehr wechseln, so muß man das Wasser eben in einem extra Behälter aufwärmen.

Nachtrag:
Es ist für mich nur schwer zu verstehen, daß in Zeiten wo viel zu viele übermotorisierte Angeberautos auf den Straßen zu sehen sind so viele Leute kein fließendes warmes Wasser haben sollen?! Leasen die lieber einen Pseudo-Geländewagen bevor sie sich einen Warmwasserboiler leisten? Oder meinen diese Leute, daß das kalte Wasser für die Fische ein Fitneßtraining ist?
Selbstverständlich werden Fische nach einem zu kaltem Wasserwechsel nicht gleich sterben und es stimmt, daß Corydoras nach Zugabe von kaltem Wasser meistens laichen. Sehr viele Corydorasarten sind aber inzwischen sehr leicht  zu züchten und laichen auch von alleine. Ohne kalte Dusche. Mit Vergleichen aus der Natur sollte man bitte etwas sparsam sein. Da holt man sich alle möglichen passenden Beispiele heran, die Beispiele die einem nicht ins Konzept passen läßt man eben weg.
Außerdem geht es hier nicht um die verschwindend geringe Zahl der Aquarianer die wirklich „züchten”, sondern um die Masse der Leute die eben auch „ein Aquarium haben”!


Aber hier ist es genauso wie mit vielen Dingen in der Tierhaltung: Das muß letztlich jeder mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.
Man kann niemanden über-zeugen. (Spruch aus der Psychologie).

oben

#_line_2

 

Wie Wasser wechseln?
Wenn das Aquarium nur bis ca. 60cm groß ist, kann man das Wasser mit einem Schlauch aus dem Aquarium in einen Eimer laufen lassen und den Eimer ins Klo gießen. Auffüllen dann: Wasser aus der Mischbatterie in den Eimer, mit der Hand Temperatur kontrollieren, Eimer auf eine Aquarium-Ecke stellen, oder besser Brett über das Aquarium legen, Eimer daraufstellen, mit Schlauch einlaufen lassen. Schlauchende entweder auf eine Stelle vorne ohne Pflanzen leiten oder kleine Schüssel unterstellen.
Wenn das Aquarium größer wird, wird die Eimertragerei zur Arbeit. Dann nimmt man einen längeren Schlauch und läßt das Wasser aus dem Aquarium entweder aus dem Fenster laufen oder in den tiefsten Ablauf in der Wohnung. Das ist entweder die Badewanne, Dusche oder die Toilette. Die Badewanne/Dusche haben den Abfluss_Siebe_320Vorteil, daß man versehentlich abgesaugtes Getier noch mal erwischen kann. Man kann da auch ein Sieb in den Ablauf legen. Gibt es für Küchenspülen. Zum Auffüllen wird der Schlauch dann direkt an die Mischbatterie gesteckt und das Wasser ins Aquarium geleitet. Aufsteckarmatur gibt’s bei Gardena oder selber machen.
Wenn man mehrere Aquarien zum wechseln hat und etwas mehr Luxus will, baut man eine Art Wägelchen und stellt eine Tonne oder ähnliches darauf. In die Tonne kommt eine stärkere Wasserpumpe mit Schwimmerschalter und dickerem Schlauch ins Klo. Jetzt kann man mit einem kürzeren Schlauch - Aquarium -> Tonne - das Aquarium gezielt absaugen. Dabei kann man dann Mulm oder sogar abgestorbene Blätter oder ähnliches absaugen. Der kürzere Schlauch verstopft nicht so leicht, man kann ihn auch besser wieder durchblasen - oder so. Es ist bequemer sich einen Rohrbogen zu biegen  - oder mit PVC-Fittings zusammen zu kleben -  als den Schlauch immer zwischen Klobrille und Klo zu klemmen, zumal er da auch mal herausflutschen kann. Alles schon dagewesen!
Heizer ausstecken nicht vergessen!
In der Bastelkiste_2 ist die Beschreibung einer Wasserwechselbehälters. Den verwende ich momentan für meine Aquarien.
Nachtrag März 2014: Seit längerem läuft das Wasser aus meinem 160er-Wohnzimmeraquarium mit einem 20er Schlauch direkt auf die Terrasse. Aufgefüllt wird mit gepanschtem (entmineralisiertem) Wasser - 150 - 200µS -  aus zwei 800-L-Tanks im unteren Stockwerk. Die Pumpe dafür wird vom Wohnzimmer aus gesteuert.

oben

#_line_2

 

Wasser aus Kupferleitungen
Immer wieder wird vor Wasser aus Kupferleitungen gewarnt.
Speziell soll man kein warmes Wasser aus Kupferleitungen nehmen.
Dazu ist folgendes zu sagen: Kupfer ist nur in blankem Zustand giftig, es oxidiert aber sehr schnell, bekommt dadurch eine Art „Schutzschicht” - man nennt sie auch Patina -  und dann ist es mit der Giftigkeit vorbei, siehe Chemikalien-Medikamente, unter Kupferplatten. In diesem Fall wäre mir „giftiges” Kupfer lieber gewesen.
Gefährlich sind also nur NEUE Wasserleitungen aus Kupfer und diese auch nur für eine kurze Zeit. Logisch, dann sind sie ja nicht mehr wirklich neu, sondern oxidiert. lachen-transp
Weiches Wasser ist gefährdeter als hartes.
Die Löslichkeit von Kupfer ist wärmeabhängig. In warmem Wasser ist sie höher. Darum würde theoretisch warmes Wasser aus Kupferleitungen mehr Kupfer enthalten und somit giftiger sein als kaltes Wasser aus der selben Leitung. Da Kupferrohre aber IMMER oxidieren und verkalken, unabhängig davon ob da kaltes oder warmes Wasser durchläuft, stimmt das nicht wirklich. Tatsächlich verkalken Rohre in Warmwasserboilern schneller als Kaltwasserrohre. Je höher die eingestellte Temperatur, desto mehr oder schneller verkalken sie. (Unter 40° ist es einigermaßen erträglich) Wie ein verkalkter Boiler von innen aussieht kann man vielleicht einen Installateur fragen. Oder selber die Heizbatterie eines Boilers austauschen. Da ist nun wirklich kein blankes Kupfer mehr zu sehen! Beim nächsten Mal werde ich ein Foto von der Heizpatrone machen!

Diejenigen, die immer noch die Mär von den giftigen Kupferleitungen verbreiten, sollten sich halt ein Stück Kupferblech oder -Rohr besorgen und es ausprobieren. Es ginge sogar total einfach: Sie bräuchten sich nur ein funktionierendes Aquarium in einem Haus mit Kupferleitungen anschauen, z.B. meine!

Nachtrag: Ich glaube irgendwo gelesen zu haben, daß es in Deutschland Gegenden mit Leitungswasser gibt das sich mit Kupfer nicht verträgt, da sollen Kupferleitungen sogar Löcher bekommen können. Das wissen die örtlichen Installateure aber normalerweise und es werden dort keine Kupferleitungen verlegt. Inzwischen werden sowieso vermehrt VA-Fittings verwendet.
Nachtrag: Diese Löcher können aber auch von schlechter Rohrqualität kommen, der Nachbar hatte so einen Fall.
Es wird mit Sicherheit auch Grenzfälle geben, wo die Kupferleitungen tatsächlich giftiges Kupfer abgeben. In diesen Fällen muß man dann eben anderes Wasser verwenden. Es gibt immer Ausnahmen - die bestätigen schließlich die Regel!

Noch ein Nachtrag: Wenn jemand Bedenken wegen Kupferleitungen hat und ruhig schlafen will, so kann er ja so lange Wasser laufen lassen bis er der Meinung ist, daß die Leitung gespült ist und das Wasser jetzt aus dem öffentlichen Netzt kommt.
Besser wäre es natürlich, er würde die „Giftigkeit” seiner Leitungen mit einigen Wasserflöhen oder auch Posthornschnecken selber überprüfen. Die sind bedeutend empfindlicher als Fische und sterben schon an der geringsten Kupfermenge.

oben

#_line_2

 

Beim Wasserwechsel nach der Leitfähigkeit gibt es Ausnahmen für Aquarien mit vielen Garnelen, Krebsen oder vielen Apfelschnecken, oder auch gut wachsende Wohnzimmeraquarien wo wenig gefüttert wird.

Obige Tiere benötigen für den Aufbau ihrer Panzer oder Gehäuse verschiedene Mineralien. Es ist bereits in einem gut bepflanzten - und auch gut wachsendem - Aquarium durchaus normal, daß die Leitfähigkeit nicht steigt, sondern sinkt. In so einem Fall darf man dann nicht stur nach µS, sondern nach tatsächlicher Belastung Turmdeckelschnecke_Lava_1_Thoder auch vorher Wasser wechseln. Das selbe  gilt für Aquarien mit Garnelen oder Krebsen oder auch Apfelschnecken. Die Zugabe von Kückengrit (geschroteten Muschelschalen) bringt bei der Aufzucht von vielen Apfelschnecken nichts, man kommt um häufigen Wasserwechsel nicht herum, eventuell Calciumchlorid zugeben. Schlecht gepflegte Apfelschnecken bekommen dann die berüchtigten Löcher in den Gehäusedeckeln. Und Turmdeckelschnecken die brüchigen hellen Gehäuse.
Foto rechts, diese Schnecke ist NICHT in einem meiner Aquarien aufgewachsen. Bei mir hat sie nur die neuen 2 Ringe bekommen.
Hat man sehr weiches Wasser mit niedriger Karbonathärte und solche Turmdeckelschnecken, so bekommen sie durch Zusatz von Calciumchlorid wieder bessere Gehäuse. Allerdings erhöht sich dadurch die Leitfähigkeit, was man möglicherweise vermeiden will. So kommt man eventuell in Clinch. Dosierung muß man ausprobieren, ca. 10 ccm auf 500 Liter müßten reichen. Halt die Grenze, wo zwar die Schneckengehäuse intakt bleiben, aber die Ansprüche an die niedrige Leitfähigkeit noch stimmen.

oben

#_line_2

 

Warum nach einem größeren Wasserwechsel nach einer größeren Pause manchmal Fische sterben.
Eine vereinfachte Erklärung:
Ammoniak ist für Fische giftig, Ammonium dagegen nicht. Bei einem pH-Wert unter 7 liegt Ammonium vor - ungiftig. Bei einem pH-Wert über 7 liegt Ammoniak vor - giftig. Ein schon lange laufendes Aquarium mit altem Wasser hat gerne einen „etwas niedrigeren” pH-Wert. Auch ist in solchen Aquarien öfter Ammonium vorhanden, das wegen des sauren pH-Wertes ungiftig ist. Den Fischen schadet es nichts - sie fühlen sich wohl. Ob sie sich wirklich „wohl” fühlen ist wohl von Fall zu Fall verschieden. Ist aber durchaus möglich. Ich habe solche Aquarien gesehen! Wechselt man hier auf ein mal sehr viel Wasser so steigt der pH-Wert über 7 und aus dem ungiftigen Ammonium wird giftiges Ammoniak. Die Fische fangen zum japsen an, hängen an der Wasseroberfläche und sterben an Ammonikvergiftung.
Daher der Spruch der Uraltaquarianer: „Nie mehr Wasser wechseln - da sterben nur die Fische”.

Zeitweise habe ich bei allen erreichbaren Aquarien und dem dazugehörigen Leitungswasser den pH-Wert gemessen. Dabei hat sich herausgestellt, daß das Leitungswasser fast immer eine Einheit höher lag als das unbehandelte Aquarienwasser. Hier in Oberschwaben hat das Leitungswasser in der Regel pH 7,5. In den dazugehörigen Aquarien hatte er dann meistens 6,5

oben

#_line_2

 

Hat ein wöchentlicher großer Wasserwechsel direkt aus der Leitung auch Vorteile?
Ja, er hat! Er fördert den Pflanzenwuchs! Durch das Wasser direkt aus der Leitung bekommen die Pflanzen Kohlensäure, welche sie zum assimilieren brauchen. So wachsen sie nach dem Wasserwechsel besser. Natürlich wird ein fortgeschrittener Aquarianer das Aquarium, bzw. seine Wasserpflanzen mit anderen Mitteln mit CO2 versorgen, es gibt bedeutend zuverlässigere und effektivere Methoden, diese also nur der Ordnung halber und zur Kenntnisnahme.
Dann gibt es noch einen Vorteil:
Durch den großen Wasserwechsel ist man jedes Mal sozusagen wieder auf dem 0-Punkt. Man kann ab dem 0-Punkt düngen und muß sich nicht darüber den Kopf zerbrechen, wie viel von welchem Dünger noch vorhanden ist und wie viel schon verbraucht ist. Das ist in der Praxis gar nicht so einfach. Der ewige Wasserwechsel hat also schon etwas für sich - speziell für nicht so versierte Aquarianer!  zwinkern-transp_grau

oben

#_line_2

 

Hat ein mehrmaliger großer Wasserwechsel mit gutem abgestandenen Wasser auch Vorteile?
Ja, er hat. Das ist aber etwas schwieriger zu erklären und zu verstehen und es ist für Anfänger weniger geeignet, daher steht der Absatz auf der Seite „Höhere Aquaristik”.

oben

#_line_2

 

Was ich unter „abgestandenem Wasser” verstehe.
Hat man einen größeren hell stehenden belüfteten Wassertank (aus PE oder anderem Helligkeit durchlässigen Material), so wird er über kurz oder lang etwas veralgen. Er ist also nicht blank und steril, sondern hat eine Kleinstlebewelt. Daß da alle paar Tage frisches Leitungwasser - oder entmineralisiertes Wasser - eingefüllt wird, schadet den Algen nicht, jedenfalls bringt es sie nicht um. Hat man keinen hellen Platz für den Wassertank, oder ist der Tank undurchsichtig, so ist es vielleicht sinnvoll, einen luftbetriebenen Innenfilter - oder neben der Belüftung auch noch einen Motor-Außenfilter - zu installieren. Womit man den füllt ist nicht so wichtig, wichtig ist in diesem Fall, daß die Kleinstlebewesen ein Reservat haben.

oben

line_2

 

Altwasseraquaristik, was versteht man darunter
Es gibt eine kleine Gruppe Aquarianer, die auf sogenanntes „Altwasser” fixiert sind. Sie sind der Meinung, daß man monate-, ja sogar jahrelang das Aquariumwasser nicht zu wechseln braucht. Das ist natürlich alles Ansichtssache, die Becken funktionieren in der Regel sogar einwandfrei. Wahrscheinlich aber eher deshalb, weil die Verfechter dieser Methode meistens zu den sehr fortgeschritteneren Aquarianern gehören. Sie kennen sich in der Regel mit der Materie aus.
Ich selber bin kein Freund von Altwasser, auch wenn ich schon öfter - meistens versuchsweise - Aquarien bis zu mehreren Jahren fast ohne Wasserwechsel betrieben habe. Schließlich lüften wir unsere Wohnung auch tüchtig. Ich mag frische Luft! Die Fische wahrscheinlich auch. Halt frisches Wasser.

Und - eine Beobachtung:
Ich bin kein „regelmäßiger” Aquarianer. Wahrscheinlich bin ich mein Leben lang Aquarianer geblieben, weil man ein Aquarium - im Gegensatz von z.B. Käfig- oder Volierenvögel - auch mal einige Zeit nicht gerade vergessen, aber doch etwas weniger pflegen kann. Da kommt es bei einem funktionierenden Aquarium nicht gleich zur Katastrophe. So hatte ich bei meinem Wohnzimmerbecken 2 Monate keinen Wasserwechsel und auch keine richtigen Pflegemaßnahmen mehr gemacht. Es war alles ok, vielleicht etwas Unordnung wegen zu vieler Pflanzen und die Scheibe war auch nicht mehr blitzblank. Sand_einfuellen_333Nach einem größeren Wasserwechsel (mit abgestandenem Wasser und ohne gleichzeitigen Filterwechsel) und Austausch des Sandes im Vordergrund - als Anfänger bitte nicht nachmachen! - haben die Roten Neonsalmler ein auffällig anderes Verhalten gezeigt. Sie haben - wie früher schon - wieder kleine Garnelen gejagt! Sie waren richtig aggressiv! Und blitzschnell! Wenn einer eine Garnele erwischt hat, haben 10-20 andere versucht, sie ihm abzujagen. Für mich sind solche Sachen der Beweis, daß ein regelmäßiger Wasserwechsel durchaus notwendig ist! Es geht auch nicht um den Anstieg von Nitrat usw. Nitrat und auch die Leitfähigkeit gehen bei guten Pflanzenbecken sowieso nach unten. Es geht um - noch - unbekannte Substanzen, die man nicht sehen und auch nicht messen kann, Meskes Hemmstoffe sind nur ein Beispiel dafür. Diese Substanzen reichern sich aber - meiner Meinung nach - in jedem Aquarium an. Und die sollte man wenigstens ab und zu verdünnen!
Daß diese Substanzen in einem „biologischen” Aquarium  - alle Aquarien sind irgend wie biologisch - auch abgebaut werden ist wahrscheinlich. Aber dazu müßte das Becken tatsächlich wirklich biologisch sein. Also vielleicht 10 kleine Fische auf 500 Liter, mit naturnaher Beleuchtung, einem Superfilter usw.
Und wer hat das schon?  zwinkern-transp_grau

oben

#_line_2

 

Bakterien- oder Keimdruck, was soll das sein?
Da ich nicht alles doppelt schreiben will  -  hier der Link zu der Stelle, wo schon lange etwas darüber steht.
http://www.afizucht.de/html/fragen_antwort_1.html#Bakteriendruck

oben

#_line_2

 

Zusammenfassung
Noch ein Mal, selbstverständlich habe ich nichts gegen Wasserwechsel!
Im Gegenteil! Aber bitte mit Kopf und Verstand und nicht nach einem starren Schema, welches für alle Aquarien und jeden Besatz gelten soll! Wenn man zudem nur frisches Leitungswasser verwenden kann, so sollte man 20% oder höchstens 30% der Wassermenge auf ein mal austauschen. Dann eben öfter. Hat man dagegen gutes belüftetes „abgestandenes Wasser”, so kann man - wenn es wirklich sein muß - auch einen totalen Wasserwechsel durchführen. Wenn sich an den Scheiben Luftbläschen bilden, dann ist schon zu viel frisches Wasser ins Aquarium gekommen. Das ist kein gutes Zeichen!
Das kommt daher, daß sich das in der Leitung unter Druck stehende Wasser entkomprimieren kann und die im Wasser eingeschlossene Luft entweicht. Das sind dann die Luftblasen. Wasser selber kann man nicht komprimieren, nur die darin gelöste atmosphärische Luft zusammenpressen.
Sollte jemand auch nach einem großen Wasserwechsel mit frischem Leitungswasser keine „Luftblasen” an den Scheiben haben, so muß das noch lange kein „gutes” oder gar „besseres” Wasser sein, wahrscheinlich hat er nur weniger Druck auf der Leitung! Oder es ist nicht aufbereitetes Grund- oder Quellwasser.

Nebenbei:
Ein gutes nicht überbesetztes Aquarium funktioniert erstaunlich lange auch mit sehr wenig Wasserwechsel.
Ich habe einige Versuchsaquarien, bei denen seit Mitte 2004 - fast - kein Wasser gewechselt wurde (momentan ist August 2007). Sie laufen immer noch recht gut.

Nachtrag August 2007: Habe heute festgestellt, daß das Wasser momentan mit 19,6° aus der Leitung kommt, auch noch nach 800 Litern. Das ist natürlich kein „kaltes Wasser” mehr, sondern nur noch „Leitungswasser” - im Gegensatz zu abgestandenem Wasser.
November 2007: Momentan kommt das Wasser mit 9,8° aus der Leitung. Das ist richtig kaltes Wasser!

oben

#_line_2

 

Nachtrag März 2010
Da es manche Aquarianer einfach nicht verstehen wollen - oder können, hier noch ein Mal die Wiederholung mit etwas anderen Worten:
Im allgemeinen macht es „alteingewöhnten” Fischen nichts aus, wenn sie alle paar Tage frisches Leitungswasser bekommen. Die meisten alteingewöhnten Fische sind sehr hart im nehmen! Das Gegenteil von „alteingewöhnt” ist „frisch importiert”. Nimmt man neu angekommene  Wildfänge, z.B Schachbrettcichliden  (Dicrossus filamentosus, früher Crenicara filamentosa), Apistogrammaarten oder Rote Neon, kleine Bärblinge aus Asien usw,usw, so würde man bei einem Totalwasserwechsel  mit frischem Leitungswasser sehr schnell die katastrophale Wirkung desselben feststellen können. Glücklicherweise sind die Leute, welche solche Wildfänge importieren keine Schlaumeier! Sie verstehen im allgemeinen ihr Handwerk!  Aber weiter; erstens muß das nicht sein, der ewige Wasserwechsel - er ist sehr oft reine Arbeitsbeschaffung und Wichtigtuerei - und zweitens schadet er dem System Aquarium. Es geht hier nicht um die viel strapazierten Bakterien, welche ja nur an festem Substrat siedeln. Das langweilt schon lange. Es geht um das „System Aquarium”, das ist bedeutend schwieriger zu erklären und zu verstehen. Das aber ist wirklich Höhere Aquaristik, vielleicht sollten die Betroffenen da etwas nachlesen. Da steht übrigens auch etwas über Wasserwechsel.

Man möge mir diese deutlichen oder schroffen Worte verzeihen, nur nerven diese Aquarianer, welche die so interessante und vielfältige Aquaristik nur auf die Wasserwechselintervalle minimieren wollen ungemein. Ich kann es einfach nicht mehr hören! sad-transp
 

oben

#_line_2

 

Einschränkungen beim Wasserwechsel nach der Leitfähigkeit des Wassers
Obwohl ich auch an anderer Stelle geschrieben habe, daß man den Wasserwechsel einfach nach der Leitfähigkeit machen kann, so ist das leider in den meisten Fällen nur bedingt richtig. Und obwohl ich das bereits ab ca. 1970 in unserem Münchner Geschäft praktiziert habe, so waren das keine bepflanzten Wohnzimmeraquarien! Bei Händlerbecken oder noch besser in Aufzuchtbecken ist die Methode durchaus in Ordnung. Da besteht die Leitfähigkeitsdifferenz zwischen Ausgangswasser und momentanem Beckenwasser immer aus den Abbauprodukten der Fische. Bei einem Wohnzimmeraquarium ist aber nie genau klar, woher die Differenz in der Leitfähigkeit kommt. Da spielt die Bepflanzung eine große Rolle. Hier kann man sich auf die Leitfähigkeit nicht unbedingt verlassen. Wenn man das Aquarium gut genug kennt und ziemlich viel Erfahrung hat geht es zwar ganz gut, aber empfehlenswert für jedermann ist es trotzdem nicht!
Leider hatte ich das nicht klar genug ausgedrückt. Wenn man etwas jahrelang - oder sogar jahrzehntelang - gemacht hat, erscheint manches selbstverständlich, was für andere Leute nicht unbedingt selbstverständlich ist!
Also: Wenn jemand einen Leitfähigkeitsmesser nur zur Kontrolle des Wasserwechsels kaufen will, so sollte er es sich noch ein mal überlegen.
Nachtrag: Bei einer großen Anlage - siehe Aquarienanlage - mit unterschiedlich besetzten Becken und somit unterschiedlich starker Belastung kann man natürlich in allen Reihen die selbe Menge Wasser wechseln. Man kann das aber auch etwas intelligenter nach dem tatsächlichen Bedarf machen. Das geht dann so: Man misst die Aquarien mit dem Leitfähigkeitsmesser durch und markiert die jeweils erforderliche Wechselhöhe z.B. mit Kreide. So wird nicht unnötig Wasser für Becken verbraucht, die eigentlich keinen so großen WW nötig haben. Man kann die Wasserbelastung in diesen Fällen optisch nicht so einfach erkennen, weil es erstens „leere” Becken sind, zweitens alle Aquarien gleich sind und man sich drittens die verschiedenen Becken bei einigen hundert nicht alle „merken” kann. Zwar habe ich manche der „besseren” Aquarien gekannt, aber eben nicht alle. Auf der Seite „Höhere Aquaristik” steht etwas über verschieden gute Aquarien.
 

oben

#_line_2

 

Noch ein Nachtrag, September 2014:
Bei einem offenen Aquarium verdunstet natürlich mehr Wasser als in einem geschlossenen! Das ist so selbstverständlich, daß ich es natürlich nicht extra erwähnt habe! Da ein Herr aus Wien einen Hinweis auf diese Tatsache vermisst hat, habe ich das nun nachgeholt. Genauso selbstverständlich darf/sollte man bei offenen Aquarien kein Wasser nachfüllen, sondern statt dessen einen kleinen Wasserwechsel machen.
Hier gilt der uralte Satz von weiter oben natürlich genau so:
Nie Wasser nachfüllen, immer zuerst Wasser heraus und dann erst wieder welches hinein.
Wenn Jemand unbedingt nur nachfüllen will, dann wenigstens mit reinstem Wasser, also entweder destilliert, demineralisiert oder Umkehrosmose + Mischbettaustauscher! zwinkern-transp_grau
Und natürlich nicht zu viel und zu oft!

oben

#_line_2

 

 

Erstellt: März 2007
Letzte Änderung:  November 2015
 

© 2006 - 2017  Uwe J. Splett, www.afizucht.de