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Skalare

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Die Zucht von Skalaren, Pterophyllum scalare mit Zuchtformen

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Überblick
Skalare werden prinzipiell wie z.B. Ramirezi auf zweierlei Art gezogen. Ein mal „natürlich” mit Elternaufzucht und die andere Methode „unnatürlich” oder „künstlich” ohne Eltern. Es wird immer wieder darüber diskutiert wie schändlich es doch sei, die Skalare „künstlich” aufzuziehen. Dabei wird gerne übersehen, daß den Leuten, welche vom Verkauf der Fische leben müssen gar nichts anderes übrig bleibt. Wenn man alle Nachzucht-Skalare „natürlich” aufziehen würde, wäre es bei den Aquarianern aus mit „geilem Geiz”. Dann wären die Fische nämlich um einiges teurer. Und das wäre dann auch wieder nicht so gut. Außerdem bin ich der ehrlichen Meinung, daß die Fische deswegen keinen Schaden nehmen. Der Hobbyzüchter ist schnell bei der Hand mit Schuldzuweisungen an alle und jeden über verhaltensgestörte Skalare die nicht pflegen, wenn er nicht in der Lage ist den Fischen die Umgebung oder das Wasser zu bieten, damit sie ihre Jungen selber aufziehen. Von der Geduld, die das züchten bisweilen verlangt ganz zu schweigen.
Genug gemeckert! Es ist halt leider so, daß wir Menschen die Schuldigen lieber auf der anderen Seite der Straße sehen als im Spiegel. Ein wenig mehr Objektivität würde den subjektiven Menschen aber ganz gut stehen.


Auswahl der Zuchtfische
Man besorge sich also 6 - 10 halbstarke Skalare. Beim Kauf natürlich wie immer bei Zuchtfischen auf einwandfreie Körperform, gleichmäßige Zeichnung und schöne gleichmäßige im Verhältnis zum Körper hohe Flossen achten. Der Preis ist wie immer zweitrangig. Züchten Sie keine Marmorskalare, da kommt nichts gescheites dabei heraus. Gute Fische sind sogenannte „Peru-Altum”. Das ist ein eingebürgerter Handelsname, es sind schöne Fische mit guten hohen Flossen. Sie haben mit echten Pterophyllum altum nichts zu tun. Richtig schwarze Fische kann man auch verkaufen. Aber keine schwärzlichen Rauchskalare, sondern samtig glänzende rabenschwarze.
Da man die Geschlechter nur bei ausgewachsenen Skalaren erkennen kann, die Männchen in der Regel aber etwas größer sind, sollte man nicht alles gleich große Fische kaufen, es können ruhig einige etwas kleinere dabei sein. Es dürfen nur keine „Nachwüchser” sein. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Männchen wie schon gesagt fast immer größer sind, ausgewachsene Männchen haben eine steilere Stirn bis hin zu einem Stirnbuckel, der Kopf ist von oben gesehen etwas breiter. Weibchen sind bei gleicher Verfassung und gleichem Alter eher kleiner, sie haben einen eher „spitzeren Kopf”. Manchmal kann man es „irgendwie” sehen, was Männchen und was Weibchen ist. Ansonsten bin ich da schon sehr oft daneben gelegen, da haben es diejenigen leichter die mit den ausgesuchten „Paaren” nicht züchten. Die müssen nie den Beweis antreten. lachen-transp


Die Zucht
Diese Fische muß man erst eine Weile groß ziehen. Wenn ich der Meinung war, daß sie geschlechtsreif sind, kamen sie in ein 150er. Da mußte man aber schon bei einigen Fischen einen dickeren Bauch feststellen können. Da kam dann auf jeder Seite eine senkrechte Tonröhre hinein. Wenn sich nach 14 Tagen bei Zufütterung mit Enchyträen kein Männchen eine Tonröhre als Revier ausgesucht hatte, wurde das Wasser richtig weich gemacht. Also unter 100 µs, eventuell sogar weicher, manchmal bis zu Salmlerzuchtwasser (<30µs), eventuell auch wärmer auf 28° oder mehr. Dann hat es in der Regel nicht lange gedauert bis sich ein Paar gebildet hat. Wenn sich die Paare wie in solchen Fällen selber finden können, muß man die Zuchttiere vorher um so sorgfältiger aussuchen, da es ja danach nichts mehr zu sortieren gibt. Das muß man bereits vorher gemacht haben! Sehr Wichtig!
Wenn man versuchen will, die Fische „natürlich” aufzuziehen, dann fängt man vorsichtig bis auf vielleicht 2 oder 3 Fische die anderen Skalare heraus. Das kommt natürlich auf die Größe des Beckens an. Ich habe das nur ganz selten in 70ern (72x62x35) gemacht, da waren die „Feindfische” dann in den Nachbaraquarien.
Bei der künstlichen Aufzucht nimmt man jetzt die Tonröhre samt Eiern heraus - die Eier müssen nicht unter Wasser transportiert werden, es geht trocken genauso gut - und legt sie in ein 60er mit gleichem Wasser. Damit die Röhre nicht davon rollt und die Eier zerdrückt, wird sie auf der einen Seite an eine Beckenwand gelehnt und unter die andere Seite eine Tonscherbe geklemmt. So liegt sie fest. Die Eier befinden sich oben, vielleicht einen Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Um die Eier mit Sauerstoff zu versorgen wird an der Stelle wo die Eier sind, zwischen Scheibe und Tonröhre ein 4mm-Röhchen mit fast voll laufendem Ausströmer geklemmt. Es muß natürlich noch so viel Abstand zwischen Scheibe und Tonrohr sein, daß die Luftblasen ungehindert vorbei kommen. Röhre eventuell etwas schräg zur Scheibe legen, dann rollt sie nicht und der Abstand ist trotzdem da. Der Luftstrom darf einerseits die Eier nicht direkt berühren, aber die Strömung muß möglichst stark über die Eier hinweg gehen. Damit die Eier nicht verpilzen, kann man Methylenblau, Trypoflavin oder Mycopur® nehmen. In letzter Zeit habe ich nur noch Mycopur® genommen, obwohl da auch bloß Trypo drin ist, plus etwas Kupfer. Möglicherweise macht dieses Kupfer den Unterschied. Die Dosierung muß man ausprobieren, es muß eine hellgrüne Farbe von oben ergeben, aber auch nicht zu hell. Wenn einzelne Eier weiß werden, kann man sie mit einer spitzen Nadel entfernen und dann absaugen. Das ist aber nicht unbedingt notwendig. Nach einigen Tagen schlüpfen die Jungen und hängen an einem Faden an der Tonröhre fest. Dieser Faden ist sehr stabil. Wenn sich der Faden aufgelöst hat und keine Jungen mehr an der Röhre sind, nimmt man sie heraus. Dann kann man gleich das erste Mal Wasser wechseln. Absaugschlauch_Junge_2_ThDamit man keine Jungen mit absaugt, nimmt man eine Brillantfilterpatrone (die sind geriffelt) und saugt damit das Wasser ab (Foto links). Von diesen Schläuchen mit Brillantpatrone hatten wir mehrere, es waren ganz wichtige Utensilien. Mit dem neuen Wasser - das durchaus schon härter sein kann - kommt auch ein möglichst alter - eingelaufener - Filter und einige Posthornschnecken ins Aquarium. Da das Aquarium durch das Desinfektionsmittel ziemlich steril oder zumindest in keiner Weise „biologisch” ist, gibt es jetzt oft ein kleines Problem. Das Wasser schäumt und riecht nicht gut! Dem kann man abhelfen, indem man während der ersten Zeit einen kleinen Kohlefilter - am besten zusätzlich - ins Aquarium stellt. So werden die Chemikalienreste schneller entfernt. Man kann natürlich auch mehrere Wasserwechsel hintereinander machen, das geht auch. Wenn man abgestandenes Wasser hat, kann man das Wasser bis auf einige mm absaugen - das macht die Brillantpatrone automatisch. Das Wasser muß nicht mit einem 4mm Luftschlauch eingelassen werden, es geht mit einem 16er Rohr auch. Man muß den Strahl ja nicht direkt auf die Fische richten, sondern an der Scheibe entlang nach unten und darauf achten, daß der Kreisel nicht zu stark wird. Wenn man ganz vorsichtig sein will, steckt man eine Schaumstoffpatrone auf den Einlauf. Die Jungen Fische sind aber in dieser Richtung stabiler als man meint.
Die Jungen fressen sofort Artemia und wachsen schnell. Sie brauchen auch möglichst bald ein größeres Aquarium. Bei der weiteren Aufzucht füttert man Skalare nach meinen Erfahrungen besser mit Forellenfutter als mit gefrorenen roten Mückenlarven. Die Jungen beißen sich so nicht gegenseitig die Flossen an und die Fische werden schöner. Auch ist die Höhe der Aquariums bei der Aufzucht nicht so wichtig, gute Wasserpflege ist wichtiger. Ich habe tausende Peru-Altum von sehr guter Qualität und mit einwandfreien Flossen in Aquarien mit 35 cm Höhe aufgezogen! Man kann das ruhig glauben, auch wenn die Aquarienhöhe überall als ganz wichtig beschrieben wird. Bei der Aufzucht ist sie nicht qualitätsentscheident!


Zusammenfassung
Die Zucht von Skalaren erfordert viel Platz. Auch kann man sich in der Anzahl ganz schnell verschätzen. Die kleinen Jungen sehen nach weniger aus als sie sind. Wenn man da nicht aufpaßt, hat man schnell zu viele.
Man kann anstelle der Tonrohre natürlich auch schräg gestellte Plastiksteifen, einen Klinkerstein oder alles mögliche nehmen. Oder 3 als „A” zusammen geklebte Tonfliesen. Die Tonrohre oder Klinkersteine als Laichsubstrat haben den Vorteil, daß man sie legen kann und sie so in dem 60er mit einem niedrigeren Wasserstand auskommen. Auch haften die Eier auf Ton gut.
Gute Paare, die schon gelaicht hatten, habe ich einzeln in einem 70er gehalten, da haben sie dann auch gelaicht. Eigenartigerweise oft mit anderen Paaren - in anderen Aquarien -  zusammen. Das hat aber 100% nichts mit dem Luftdruck zu tun gehabt, das muß etwas anderes sein. (Ich habe ein sehr gutes mechanisches Präzisions-Lufdruckmeßgerät im Haus).

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Erstellt:   Oktober 2006
Überarbeitet, ergänzt:  Dez. 2010

 

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