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Mikrogeophagus ramirezi

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Haltung und Zucht von Mikrogeophagus ramirezi, dem Schmetterlingsbuntbarsch

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Die Ramirezis auf den Fotos sind zwar keine wirklich guten Fische, sie sind aber zumindest nicht schlecht - und bessere konnte ich keine bekommen. Richtig gute Ramirezi sind immer noch recht selten. Man kann hier gut sehen, daß die ersten Rückenflossenstrahlen dieser Männchen nicht verlängerter als bei den Weibchen sind. Das ist von Stamm zu Stamm unterschiedlich und deshalb auch kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal. Der rote Bauch der Weibchen ist meistens mehr oder minder ausgeprägt. Sicher ist, daß die Weibchen bei gleichem Alter immer kleiner als die Männchen sind. Das ist für die Ungeübten in Händlerbecken eigentlich die beste Methode die Geschlechter zu unterscheiden. Auch sind die Männchen höher. Wenn man dann irgendwann genügend gesehen hat, so erkennt man die Geschlechter sofort.


 

Mikrogeophagus ramirezi, Papiliochromis ramirezi, Microgeophagus ramirezi, Apistogramma ramirezi,

Das sind die Namen der Reihe nach: der erste ist momentan (2013) der Richtige. Allerdings sind mir die z.Z. richtigen lateinischen Namen der Fische nicht mehr so wichtig. Die Zeiten, wo wir über die richtigen Namen und auch die Endgrößen der Fische diskutiert haben, sind schon lange vorbei. Ich trauere ihnen nicht nach. Heute - oder besser seit sehr vielen Jahren - interessiert mich mehr die Praxis und weniger der momentan gültige Name. Diese Namen haben sich im Laufe der Jahre zu oft geändert.

Die Meinungen über die Zucht von Ramirezis sind mitunter unterschiedlich, ich habe ein altes Büchlein von 1964, da steht drin, daß die Zucht sehr einfach sei. Da kann ich mich aber erinnern, daß das damals eher graue Mäuse denn Ramirezis waren! Ich würde die Zucht von Mikrogeophagus ramirezi immer noch als schwierig bezeichnen, allerdings mit Einschränkungen: Wenn man Fische hat, bei denen alles harmoniert und funktioniert, dann kann die Haltung und sogar die Zucht von Ramirezis durchaus einfach sein - nur ist das äußerst selten. Meistens ist irgendwo ein Haken dabei. Entweder kränkeln die Fische überhaupt oder werden richtig krank (Ramirezis können alles bekommen, was es überhaupt gibt und sie sind nicht gut zu behandeln), die Eier sind nicht gut befruchtet und verpilzen, die Jungen schlüpfen zwar, es werden aber immer weniger, oder die Jungen wachsen nicht gut und gleichmäßig. Irgend etwas stimmt fast immer nicht!
Es ist zwar wie so oft bei anderen Fischen auch sehr einfach die Ramirezis zum ablaichen zu bewegen, das haben die Verkaufsfische in der Anlage immer gemacht - in jeder Ecke ein Paar. Aber das ist eben noch lange nicht „züchten”. Die erste Schwierigkeit beim Ramirezi-Züchten beginnt schon beim Zuchtfische finden. Ich schreibe bewußt nicht „suchen”, suchen kann man ja - aber finden ist eine andere Sache. Gute Fische sind zeitweise schwer zu bekommen. Das liegt unter anderem an dem von den Schweinezüchtern bekannten „Schweinesyndrom”. Das Schweinesyndrom hieß bei uns ganz einfach „Ramirezi-Syndrom” und bedeutet nichts anderes als daß das Angebot dieser Fische immer rauf und runter geht: Wenn es keine R. im Handel gibt, stürzen sich die Züchter darauf und alles züchtet welche. Dann ist nach einer Weile der Markt gesättigt und alle hören wieder mit dem züchten auf. So geht es immer rauf und runter. Wenn man also R. züchten will, muß man mitunter „weit gehen”, um gute zu finden - und mit schlechten ist es schade um die Arbeit und um die Fische.

Leider ist das alles wahr - Ausnahmen sind wirklich Ausnahmen.
Gute Ramirezi sind nicht grau, sie haben kräftige Farben, die Männchen imponieren in den Verkaufsbecken und in mehreren Ecken kann man Paare sehen, die die Ecke verteidigen. Es gibt mehrere Stämme und Farbvariationen, seit neuerem auch eine Schleierform. Das ist eigentlich Geschmacksache, ich habe schon phantastische Goldramirezis gehabt, tendiere aber doch mehr nach dem Wildfang-Typ. Der ist nicht so groß und zierlicher als die Fische aus Asien und hat als Unterfarbe mehr graublau, die aus Asien sind mehr gelbgold und größer, sie haben einen größeren Kopf. Man sagt, daß sie „bulliger” seien. Der WF-Typ hat im Unterschied zu den Zuchtformen aus Asien und Deutschland im Verhältnis mehr Flossen als Körper, bei den asiatischen Zuchtformen ist es umgekehrt. Anders ausgedrückt: Der WF-Typ ist kleiner und hat im Vergleich zu den meist gehandelten Zuchtformen größere Flossen. Die Zuchtformen haben einen größeren Körper, sind überhaupt größer und haben dabei im Verhältnis zu ihren größeren Körper kleinere Flossen. Die Unterschiede sind zwar ganz einfach zu sehen, aber jedenfalls für mich nicht so ganz einfach zu beschreiben. Ich hoffe aber, daß man trotzdem verstehen kann was ich meine.


Geschlechtsunterschiede
Die Weibchen haben immer einen mehr oder weniger roten Fleck auf dem Bauch und sind kleiner. Die ersten Rückenflossenstrahlen der Männchen sind öfter - nicht immer - etwas verlängert oder gar ausgezogen. Die Unterscheidung ist einfach, man kann die Geschlechter mit ein wenig Übung sofort unterscheiden.


Zucht
Da gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Methoden, einmal die natürliche Elternaufzucht und dann die künstliche Aufzucht. Der private Aquarianer wird wohl eher die Elternaufzucht favorisieren und der Berufszüchter die künstliche Aufzucht. Ich habe die Elternaufzucht nur einige Male zur persönlichen Ergötzung betrieben, ansonsten habe ich immer künstlich aufgezogen.


Elternaufzucht
Man nehme ein 60er mit Bodengrund, d.h. mit feinem Kies oder besser Sand, einigen Pflanzen, in den Ecken entweder runde Steine oder Blumentopfscherben  - ich habe da immer sauber abgeschnittene ca. 10x8 cm große Tonfliesen genommen -  fülle weiches Wasser ein und heize das Ganze auf mindestens 28° auf. Das Wasser sollte nicht mehr als 200 µS haben, wenn es nichts ausmacht eher weniger. Ich habe eher 100 oder noch weniger genommen, aber ich bin ein ausgesprochener „Weichwasserzüchter”. Ich  will damit sagen, daß ich immer sehr weiches Wasser genommen habe - auch wenn es gar nicht so notwendig gewesen wäre. Torffilterung ist nicht nötig, aber besser. Wenn man unbedingt den pH-Wert senken will, 6,5 ist ok, es geht aber auch mit 7. Ein Innenfilter muß auch ins Aquarium. Die Ramirezis laichen auf einem Stein oder auf der Tonfliese. Wenn es einigermaßen gesunde gute Fische sind, werden sie bald laichen. Jetzt wird es schwieriger, wenn die Fische mangels Feinde nicht richtig pflegen, kann man einige Guppys dazugeben. Keine Angst wegen „Hartwasserfischen”, die Guppys aus Südostasien kommen in so „hartem” Wasser hier an, daß manche  Importeure das Auffangwasser enthärten und auch noch ansäuern, um weniger Verluste zu haben! Diese Guppys werden von den Ramirezis als Gegner betrachtet und verjagt (nicht umgebracht), zugleich wird das Gelege oder die Jungen besser bewacht -  das ist der eigentliche Sinn der Aktion. Wenn Sie keine stabilen Guppys haben, nehmen Sie 2 Zebrabarben oder Kardinal. Bei mir war das leichter, ich habe einfach ins Nachbarbecken ein anderes Ramirezi-Paar oder z.B. Apistogramma cacatuoides gegeben, die haben sich dann durch die Scheiben angedroht. (Die 60er wurden mit der Stirnseite nach vorne ins Regal gestellt, die Regale waren 60 cm tief). Das Aquarium muß aber „richtig gut funktionieren”, wenn ein werdender „Ramirezi-Züchter” noch wenig Fingerspitzengefühl und Probleme mit Nitrit hat und ein Aquarium nicht ohne nennenswerten Nitritanstieg einfahren kann, sollte er eventuell zuerst mit Zebras trainieren, die sind nicht so empfindlich. Wenn die Jungen geschlüpft sind, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder die Eltern pflegen oder sie pflegen nicht! Wenn sie pflegen ist alles in Ordnung, also Artemia füttern, vorsichtig und unauffällig Wasser wechseln usw. Spätestens jetzt weiß man auch, wozu der Sand da ist: die Eltern buddeln Gruben und bringen die Jungen hinein. Ich habe auch schon gelesen, daß die Jungen zu klein wären, um sofort Artemia fressen zu können. Bei uns haben Junge von verschiedenen Stämme immer sofort Artemia gefressen. Möglicherweise frisch geschlüpfte nehmen, die noch hellrosa sind, die sind weicher und können besser „geschlürft” oder „eingesaugt” werden. Der Ausdruck ist in etwa schon richtig. Man muß gesehen haben, wie ein kleiner Neonsalmler eine eigentlich viel zu große Artemianauplie eingesaugt hat, dann erst wird man es glauben. Es hat sich sehr bewährt in die Aquarien einige Posthornschnecken zu geben, sie fressen Futterreste auf, verbessern die Wasserqualität und fressen keine Fischeier, außer man hat in einem 60er 20 große Schnecken oder noch mehr. Bevor sie verhungern, fressen sie auch Eier!
Wenn die Fische trotzdem nicht pflegen gibt es zumindest zwei Möglichkeiten: Entweder Geduld haben und es noch mehrmals versuchen - die meisten Fische pflegen nach einigen gefressenen oder anderweitig verunglückten Bruten - oder gleich zum schimpfen anfangen und behaupten, daß diese degenerierten Ramirezi nicht mehr pflegen können usw. usw. usw. Die erste Variante ist die bessere und intelligentere. Möglicherweise, wenn es gar nicht klappen will, andere Fische besorgen, den aggressiveren Partner austauschen oder das Aquarium umgestalten. Erfahrungsgemäß ist es schon zu machen.


Künstliche Aufzucht
Man nehme ein 60er, diesmal ohne Sand, aber mit Heizung und Filter, nur mit Tonscherbe in der Ecke. Wenn die Fische gelaicht haben, nimmt man die Unterlage samt Eiern und gibt sie in ein anderes Aquarium mit gleichem Wasser. Es schadet den Eiern nicht, wenn sie an die Luft kommen, man kann also in aller Ruhe mit der Tonscherbe in der Hand zu dem Aquarium gehen, wo man die Eier hinein geben will. (Man kann das ruhig glauben, es ist so, es gibt auch keine „Spätschäden” oder so). Da wird es nun mehrere Möglichkeiten geben. Ich beschreibe hier die, die ich zigmal durchexerziert habe: Als „Schlupfaquarium” habe ich auch meistens ein 60er genommen (ist wegen der größeren Wassermenge besser) - manchmal auch ein 30er, der Wasserstand in diesen Aq. war ca. 5cm - nicht mehr. Dann kam die Fliese in eine Ecke, in die gleiche Ecke kam bei einem 60er ein (fast) voll aufgedrehter Ausströmer (der war dann zwischen Fliese und Glasscheibe, die Fliese 2cm von der Glasscheibe weg) und bei einem 30er ein BlubBlub (das ist ein 5mm Luftrohr ohne irgend etwas) und ins Wasser ein Desinfektionsmittel. Da habe ich früher Acriflavin genommen, auch Methylenblau, später Mycopur®, die Dosis kann man nicht so einfach angeben, ich habe das Konzentrat verdünnt und soviel gegeben, daß das Wasser bei 5cm-Durchsicht eher ziemlich hellgrün als dunkelgrün war. Wenn die Jungen geschlüpft sind, saugt man soviel Wasser ab, daß die Jungen gerade noch mit Wasser bedeckt sind und füllt mit einem 10mm-Schlauch gleiches Wasser auf. Da die Jungen zu diesem Zeitpunkt noch am Laichstein angeheftet sind, kann beim einfüllen schon etwas Strömung entstehen. Da passiert nichts, die Jungen bleiben kleben! Hat man Bedenken wegen der Strömung, kann man auf den Einlauf einen Schaumstoffilter stecken. Jetzt kommt eine prinzipielle „Zuchtweisheit”:
Man kann Eier und/oder Junge entweder völlig steril oder richtig biologisch lagern oder aufziehen
Es wird eine Seite generell über Zucht geben, da werde ich es genauer beschreiben. Halb so und halb so geht nicht. Da in dem Wasser noch Reste von Desinfektionsmittel vorhanden sind, wird es nicht „biologisch” werden. Also müssen sie herausgefiltert werden. Das macht man mit einem Aktivkohlefilter. Spätestens jetzt kommen wieder die obligatorischen Posthornschnecken dazu. Das Wasser darf nicht schäumen und muß klar sein, es darf auch nicht riechen, zur Sicherheit kann man noch einen Wasserwechsel machen. Wenn man abgestandenes Wasser hat, kann das wieder bis zur Höhe der Fliese gemacht werden. Keine Aufbereitungsmittel geben, besser Wasser in einem extra Behälter abstehen lassen, anheizen und belüften. Wenn das Wasser richtig klar ist, werden die Jungen auch schon freischwimmen, also mit Artemia füttern. Nicht zu viel, nicht gefressene Artemien belasten ein Aufzuchtaquarium enorm! Boden absaugen, nicht alle Schneckenwürstchen entfernen, sie stabilisieren das Wasser. Kohlefilter entfernen und durch eingelaufenen Schaumfilter ersetzen.
Das war’s dann eigentlich.
Jetzt füttern, Wasser wechseln, füttern, Wasser wechseln usw. Und hoffen, daß die Jungen gut und gleichmäßig wachsen.
Da junge Ramirezis empfindliche Fische sind, kann man das Wasser zusätzlich mit einem Diatomfilter filtern. Oder über eine UV-Lampe laufen lassen. (Über Diatomfilter ist inzwischen eine eigene Seite vorhanden.)
Will man Mikrogeophagus ramirezi lange am Leben erhalten, muß man ihnen ein Aquarium mit möglichst wenig gelösten Stoffen geben. Auf deutsch: Sie brauchen kristallklares Wasser, mögen keine Chemie, sie mögen keinen vergammelten Filter, sie mögen keinen oder wenigstens wenig Mulm, viel Sauerstoff. Nicht unbedingt ewigen Wasserwechsel, sondern eben ein gepflegtes Superaquarium mit den richtigen Kleinstlebewesen. Kein herumliegendes und vergammelndes organisches Material wie Pflanzen- und Futterreste. Vorsicht mit Wurzeln, die sich zersetzen. Die Wassertemperatur sollte mindestens bei 26° oder höher liegen. Wenn ihnen die Umwelt nicht zusagt, reagieren sie sofort mit erhöhter Atemfrequenz, das ist dann bei unerfahrenen Aquarianern meistens auch schon der Anfang vom Ende.
Man kann natürlich auch Ramirezis haben, bei denen das alles nicht zutrifft und die super stehen - noch super stehen! Irgendwann geht es immer los! Ich habe in all den Jahren - besser Jahrzehnten - noch keine Ramirezis gesehen oder gehabt, bei denen die Zucht jahrelang ohne Ärger funktioniert hat! Es kommt natürlich noch dazu, daß Ramirezis offenbar nicht sonderlich alt werden. Wie alt sie wirklich werden weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich noch keine mehrere Jahre lang gehabt. Es sind auf Dauer gesehen einfach recht empfindliche Fische und somit keine Fische für Anfänger !!

Papiliochromis_Ramizezi_ThAllerdings gibt es auch farblosere Stämme die nicht so empfindlich sind. Sie sind aber auch lange nicht so schön. Die sehen so ähnlich aus wie der Fisch auf dem Foto rechts, das Foto ist von ca. 1972. So sieht es auch aus.

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Nachtrag:
Ob die heutigen Stämme noch genauso unberechenbar heikel sind, weiß ich nicht. Meine Erfahrungen gehen nur bis ca. 2005.

Erstellt: Januar 2006
Überarbeitet, ergänzt: August 2007, Oktober 2010, Dezember 2013

 

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