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Die Zucht von Lebendgebärenden

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Allgemeines und auch recht spezielles über die Zucht von lebendgebärende Zahnkarpfen

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Zuchthilfen, einige Utensilien die die Zucht leichter machen
Körbe, unentbehrlich wenn man größere Mengen benötigt
Ablaichkästen, für den Anfang
Zur Zucht, allgemeine Hinweise
Black Molly
Lyraschwertträger, eine einfache Methode
Halbschnabelhechte

 

Zuchthilfen
60erfuerLebendgebaerende_Th60erfuerLebendgebaerende_2_ThDie beiden Bilder zeigen ein 60er, das mit einem Laichgitter abgetrennt ist. Auch ist im vorderen Abteil ein Laichgitter am Boden - mit einem Klinkerstein in der Mitte als Abstandshalter zum Boden hin. Das vordere Abteil muß natürlich zum Schutz der Jungen und zur Beruhigung der Mutter mit Pflanzenranken fast ausgefüllt sein. Wichtig ist, daß weder das waagrechte vordere Gitter noch das senkrechte in der Mitte auf dem Boden aufliegt, damit die Jungen nach unten wegschwimmen bzw. in den hinteren Teil durchschwimmen können. Im hinteren Teil ist ein kleiner Filter. Dieser Filtertyp hat sich bei niedrigem Wasserstand sehr bewährt. Damit das Futter für die Mutter nicht gleich durch das Gitter fällt, habe ich meistens eine Klinkerfliese in die Mitte auf das Gitter gelegt. Schwertträger, für die ich diese “Konstruktion” genommen habe, bekommen ihre Jungen eh immer am Rand, somit hat die Fliese nicht gestört.

Lebendgebaerende_Absetzabteil_60er_1_ThMaden_Gitterkoerbe_ThDiese Ablaichkästen kann man gut mit einer Klammer am Aquarium befestigen. Rechts: Mit dieser Konstruktion habe ich früher Maden zum Angeln produziert. Mehrere Kästen - natürlich ohne Einlauf - übereinander und als untersten einen ohne Gitter, in alle Kästen Sägemehl geben, oben einen Döbel hinein, da krabbeln dann die Maden nach unten durch. Unten sind sie relativ sauber. Achten Sie aber auf Ihre Nachbarn - es riecht nicht so gut!


Gruenes_Gitter_ThHornkraut_hartes_ThEin Foto von geeignetem Gitter, es gibt auch scharfkantige Gitter, an denen sich die Jungen verletzen können. Achten Sie beim Bau eines Gitterkorbes darauf! Rechts ein “hartes Hornkraut”, dieses Kraut ist für die Ablaichkästen ungeeignet, da es zu hart ist. Es gibt auch weichere Sorten, werde nach einem Foto suchen.


Lebendgebaerende_Absetzabteil_30er_ThLinks eine Spielerei. Es ist eine kleine Abtrennung, die genau in ein 30er paßt. Damit man sie besser erkennen kann, steht sie neben dem Aquarium. Man kann es für ein einzelnes Platy- oder Guppyweibchen oder ähnliches nehmen. Am Boden wieder eine kleine „Bande”, damit das Futter nicht gleich vom „Tablett” fällt.


 

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Körbe
Gitterkorb_Th
Im Laufe der Jahre habe ich alles mögliche ausprobiert wie man am besten Lebendgebärende züchten kann. Das ging von 70ern (72x62x35) mit V-förmigen Bodenscheiben sogar mit Absaugvorrichtung in ein daneben stehendes 70er, also 2 verbundene Becken über Gitter aus Glasstäben an der Oberflächen mit spezieller Strömung bis zu ausgeklügelten Systemen, wo die Jungen Richtung Licht schwimmen sollten usw. Der Sinn des ganzen Aufwandes war immer, daß ich die Jungen rein in einem extra Abteil oder Aquarium haben wollte. Diese Konstruktionen hatten alle etwas gemeinsam: Sie haben zwar alle funktioniert - aber keine richtig gut.
Fazit: Die beste Methode bei der Massenzucht sind Körbe wie auf dem Foto oben links. Vorne eine Plexi-Scheibe, damit man auch hineinsehen kann und unten unbedingt ein eingelegter Boden, damit Futter nicht sofort durch das Gitter hindurchfällt und später noch gefressen werden kann. Dieser eingelegte Boden darf aber nicht bis an den Rand reichen damit die Fische daneben auf dem Gitter ihre Jungen bekommen und diese direkt duch das Gitter nach unten fallen können. Auch sollte diese Bodenplate einen kleinen Rand haben, damit Futter nicht so leicht herunterfallen kann, 5mm reichen. Die Körbe müssen einen Abstand zum Aquariumboden haben, damit die Jungen auch nach unten hindurch fallen können. Ob man sie deshalb auf 4 kleine Blumentöpfe, Tonröhren oder Ziegelsteine stellt oder den ganzen Korb mit einer starken Klemme an der Frontscheibe befestigt ist egal.
Wenn man den ganzen Korb nicht komplett selber kleben will, kann man natürlich auch ein Plastikaquarium nehmen, mit einer Stichsäge (Metallblatt nehmen, langsam laufen lassen und mit Wasser kühlen) die Scheiben - außer einer Seitenscheibe, sozusagen der Frontscheibe - heraustrennen und statt dessen Gitter einkleben. Das geht mit Acrifix oder sogar mit einem PVC-Kleber sehr gut, der PVC-Kleber wird machmal weißlich, das macht nichts. Wichtig ist aber, daß das Gitter unten bis an die Ecken reicht, da bekommen Schwertträger und Platies nämlich ihre Jungen. Also vielleicht den Boden komplett entfernen und wegen der Stabilität unten mehr Seitenscheibe stehen lassen. An den Seiten ist das Gitter nur weiter oben wichtig, damit z.B. Guppyjunge wegschwimmen können.
Wir hatten auch Körbe aus VA-Gitter, es steht noch einer herum. Wir nehmen ihn inzwischen zum trocknen von Kiefern- und Fichtenzapfen. VA-Gitter ist inzwischen relativ einfach zu bekommen und man kann daraus leicht Körbe basteln. Die Drahtenden möglichst umbiegen.

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Ablaichkästen
Wenn man normale käufliche Ablaichkästen verwenden will ist es besser welche mit feinem Gitter oder Gaze zu nehmen als welche mit Schlitzen. Die restlichen Aquarienbewohner können die Jungfische durch die Schlitze aus den Kästen heraussaugen. Daß man das jeweils größte Modell nehmen sollte ist wohl selbstverständlich.

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Zur Zucht

Erste Feststellung: Die planmäßige Zucht von Lebendgebärenden ist nicht so einfach, wie allgemein angenommen wird. Es ist wieder mal ein gewaltiger Unterschied, ob die Black Mollys, die man gerade gekauft hat in der Tüte Junge bekommen haben oder man richtig schöne Black Mollys “produzieren” will. Wenn Sie Lebendgebärende züchten wollen, nehmen sie nur die besten Zuchttiere, die Sie bekommen können, es zahlt sich aus! Von schlechten Fischen kann man keine guten Junge bekommen! Das gilt natürlich prinzipiell immer, bei Lebendgebärenden jedoch besonders!
Beim Züchten gibt es hauptsächlich zwei Grundmethoden: einmal kann man die hochträchtigen Weibchen einzeln absetzen oder man züchtet in Körben. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile. Wenn man großen Wert auf Qualität legt, kommt nur Einzelzucht in Frage, der Massenzüchter wird in Körben züchten. Bei Einzelzucht verpaart man genau das Männchen und das Weibchen, welches eben die besten Merkmale besitzt. Dazu braucht man mehr Aquarien, der Aufwand ist größer. Bei der Zucht in Körben tut man mehrere ausgesuchte Weibchen und Männchen in einen Korb. Setzen Sie keinen Mischmasch in den Korb - sonst bekommen Sie auch nur Mischmasch und Mischmasch will niemand haben! Muß man wissen, daß Platies, Schwertträger und Black Mollys normalerweise auf dem Gitterboden - also unten - ihre Jungen bekommen, Guppys werfen unter der Wasseroberläche. In den Korb und auch ins restliche Aq. kommen irgendwelche Pflanzenranken. Sie müssen ausprobieren, welche Arten bei Ihnen am besten wachsen, das ist tatsächlich wasser- oder ortsabhängig. Und es ist leichter, sich andere Pflanzen zu besorgen als ewig die Wasserzusammensetzung zu ändern. Bitte darauf achten, daß es eine “weiche” Sorte ist, das Kraut auf dem Foto ist ungeeignet, es ist zu „starrig” (schwäbisch).
Wenn genügend Junge in einem Korb sind, wird der ganze Korb ins nächste Aquarium gesetzt, praktischerweise sollte das freie Becken daneben stehen. So haben wir es immer gemacht. Die Jungen kann man dann noch eine Weile in dem Aquarium belassen und erst umsetzen, wenn das daneben auch wieder fällig ist. Dann kommen die Elterntiere wieder in das erste Aq. zurück usw. Der Nachteil dieser Methode ist, daß immer verschieden alte Junge im Korb sind, sie “wachsen auseinander”. Sie können auch nicht optimal gefüttert werden. Da es für alle Fische aber sehr wichtig ist, daß sie von Anfang an genügend Futter bekommen, entwickeln sich die Fische aus großen Körben letztendlich nicht so gut wie einzelne Bruten. Darum ist das Züchten z.B. in kleineren Aq. wie das 60er auf dem Foto eine bessere Alternative. Speziell die Zucht von Schwertträgern funktioniert so sehr gut. Und bei großen Weibchen fast 200 Junge sind dann schon  eine gute Belohnung für den etwas größeren Aufwand. Zudem werden es, wenn man das Weibchen schnell genug entfernt und die Jungen gut füttert, die besseren Fische.
 
Eine gewisse Ausnahme sind Endler-Gupppies oder andere Wildfang-Formen, die fressen nämlich normalerweise keine Jungen. Es gibt zwar auch Prachtguppies die das nicht tun, aber so wie das hier die Ausnahme ist, ist es bei Endlern die Ausnahme, daß sie Junge fressen. Somit kann man sie einfach in einem gut bepflanzten Aquarium züchten.

Bei Korallenplaties und dunkelroten Wagtailplaties ist vielleicht zu bedenken, daß es Stämme gibt, wo die frisch geworfenene Jungen relativ hell sind, sie werden oft erst später dunkelrot.

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Black Molly
Original aus der „alten Afizucht”:
“Black Molly kann man sehr gut in Gitterkörben züchten, man muß nur darauf achten, daß sie sehr viel Futter brauchen, man muß sie ewig füttern, auch Rote Mückenlarven, sie haben sich noch nie überfressen (Platys, Guppies oder Schwertträger überfressen sich im Korb auch nicht, es ist nur bei heranwachsenden Platys in normalen Aquarien Vorsicht geboten). Wenn Schwimmpflanzen im Korb sind, bleiben Rote Mückenlarven - oder überhaupt Tiefkühlfutter - darin hängen und fallen nicht so schnell durch das Bodengitter, wo sie ja nicht mehr gefressen werden können. Idealer wäre ein Korb mit Boden, damit die ewig hungrigen Black Molly dann auch vom Boden fressen könnten. (Dann kann man mehr Futter auf ein mal in den Korb geben und muß nicht immer dabeistehen und nachfüttern). Es ist nämlich so, daß die Black Molly nur richtige Mengen und oft werfen, wenn sie immer richtig vollgefressen sind. Dünne und vergammelte werfen gar nicht mehr. Man kann das Futter aber auch in den Futterring aus Celluloid (wie es sie früher gab, habe noch 2) geben, da holen sie zumindest gefrorene Mückenlarven und große Artemia heraus und es fällt nichts auf den Boden”

So einen „Boden” aus einer Plexiplatte mit kleinem Rand - damit das Futter nicht gleich herunterfällt - habe ich später in allen großen Körben gehabt. Es muß aber am Rand vom Gitterkorb Gitter sein, da die Weibchen von z.B. Platy gerne am unteren Rand eines Behälters werfen. Die Jungen müssen trotz Futterplatte nach unten durchfallen können. (Noch ein mal einfacher: Die Bodenplatte muss kleiner als das Gitter sein, damit die Weibchen die Jungen neben dem Gitter und nicht auf dem Gitter werfen können)

Es gibt bei den Black Mollies noch einen wichtigen Trick: Man darf nur mit den Jungen weiterzüchten, die in den ersten 24 Stunden richtig schwarz sind - das sind die “Guten”. Gräuliche oder gescheckte Black Molly Babies werden zwar meistens auch schwarz, sie sind aber nicht reinerbig! Wenn man mit solchen Fischen weiterzüchtet, bekommt man nie einen guten Stamm zusammen. Über “Inzucht” werde ich noch speziell unter “Zucht” berichten. Nur so viel vornweg: Jede Hochzucht ist Inzucht! Das ist ok - wenn man es richtig macht!

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Wenn man Dermogenys pussilus züchten will, wartet man am Besten, bis die Weibchen richtig dick sind und setzt sie dann in ein ganz dicht mit Ranken ausgefülltes 60er. Das Weibchen muß halt gerade noch schwimmen können. Man muß es auch füttern, da sind lebende schwarze Mückenlarven aus eigener Kultur sehr gut.

Afizucht:
Geschlechtsunterschiede
:

„Die Männchen haben von oben gesehen einen schmalen „Schnabel"
Die Weibchen dagegen einen breiten Schnabel
kann man eigentlich ganz gut sehen, besser als das Gonopodium, bzw. die veränderte Afterflosse bei Halbwüchsigen von der Seite, auch sind Weibchen natürlich immer etwas dicker, das mit dem Schnabel ist aber echt gut.
Sie müssen „gepflegt" werden. In „irgendeinem Aquarium" bekommen sie keine Jungen. Man muß sie dann in ein mit Rankpflanzen „vollgestopftes" ab 60er geben, da bekommen sie dann ihre Jungen. Sie fressen sie da auch nicht, vielleicht finden sie sie auch nur nicht. Jedenfalls geht es so gut. Mit Körben bekommt man zwar auch Junge, ich habe aber gesehen, daß die Männchen nur darauf lauern, daß die Weibchen Junge bekommen (oder daß sie sie begatten können), das läuft auf das gleiche hinaus, da die Männchen dann zumindest einen Teil der Jungen fressen. Wenn man die Weibchen extra setzt, ist der Aufwand zwar größer, der Erfolg aber auch. Zudem wird die Nachzucht besser. (Das ist übrigens bei allen Lebendgebärenden so)”

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Lyraschwertträger
Über die Zucht von Lyraschwertträgern existieren die verschiedensten Gerüchte. Ich will sie hier nicht aufzählen. Die Wahrheit ist recht einfach. Man verpaart ein Lyraweibchen mit möglichst langen Flossen mit einem normalen Männchen. Die Jungen sind Lyraschwertträger mit langen Flossen. Eigentlich logisch, da Langflossigkeit im allgemeinen dominant ist. Jedenfalls war es bei uns so. Über mindestens 20 Jahre. Ob die Nachkommen 100% Lyra waren oder nur 90% weiß ich nicht mehr. Es ist letztlich auch egal. Ob 90% oder 98% ist nur für Schreibtischtäter wichtig, nicht für den praktischen Zierfischzüchter!

Sollten Sie spezielle Fragen haben, kann ich sie vielleicht als Email beantworten, ich habe noch mehr gezüchtet, aber nicht in Mengen. Sehr schön und einer meiner Lieblinge ist Nomorhamphus liemi, wenn er noch so heißt. Da hatte ich aber immer nur wenige Junge.

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Erstellt:  Februar 2006
Letztes Update: April 2016

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