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Die Zucht des Kongosalmlers

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Die Zucht des Blauen Kongosalmlers, Phenacogrammus interruptus

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Allgemein:
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Die Zucht des Blauen Kongosalmlers ist normalerweise zumindest nicht einfach. Bis ca. 1970/80 war sie sogar richtig schwierig. Ich habe um 1975 10.000de (zehntausende) Eier weggeschüttet, weil sie sich einfach nicht entwickelt hatten. Es war nur meiner in solchen Fällen meistens vorhandenen Hartnäckigkeit zu verdanken, daß ich dann doch massenhaft sehr gute Kongos gezüchtet habe. Wenn man heute (2015) den richtigen Stamm erwischt, ist es nicht mehr so schlimm. Es kann sogar - relativ - einfach sein.

Das Bild oben ist ein sehr altes analoges eingescanntes Foto. Die Fische sind in Wirklichkeit bedeutend farbiger und schöner!
Es gibt inzwischen verschiedene Stämme, auch kleiner bleibende mit stärker rötlichen Flossen. Man sollte beim Kauf auf das Verhältnis Männchen-Weibchen achten, das vererbt sich. Und Männchen sind besser zu verkaufen - und schöner!


Zuchtwasser
Kongoeier haben sich bei mir zwar auch bei 150 µS entwickelt, aber die Eier quellen in diesem Wasser nicht richtig und das Ergebnis ist nicht wirklich gut. Richtig gute Ergebnisse habe ich nur mit sehr weichem und saurem  Wasser von 20 - höchstens 50µS erreicht. Da kann man zuschauen, wie die anfangs normal kleinen Eier quellen. Ich habe die Größe von Eiern nie gemessen, die Kongoeier sind aber nach meiner Erinnerung die größten (Eier von Langflossenkongosalmlern sind auch sehr groß). Und sie sind so durchsichtig, daß man sie trotz ihrer Größe fast nicht erkennen kann! Man sieht am ehesten die weißen unbefruchteten Eier.
Laichen tun sie auch in noch härterem Wasser. Wir hatten ein mal ca. 1000 Kongos in meinem Versuchs-1000L-VA-Wannen-System, deren Wände damals total mit grünen Bartalgen bewachsen waren (sah sehr schön aus). Das Wasser hatte mindestens 300µS aufwärts. (Nebenbei muß es ziemlich viel - zwischen 50 und 100 mg/l - Nitrat gehabt haben, da es Aufzuchtversuche waren! 1000 halbwüchsige bis größere Kongos in 1000 Liter! Plus 200 Liter Filter und 100 Liter Absetzbecken) Da konnte man den Kongos von oben beim laichen zuschauen. Die Männchen segelten in einem Radius von ca. 30 cm von der Laichstelle um die Weibchen herum und stellten sich dann mit dem Kopf zur Wannenwand, wenn das umworbene Weibchen laichbereit war, schwamm es neben Schaumstoffilter_einfach_gross_klein_Thdas Männchen und laichte ab. Das war ein hektisches Treiben, alles sauste durcheinander. Die Fische, die gerade nicht laichten fraßen die Eier. Kongosalmler haben bei mir immer an einen festen Gegenstand gelaicht und nie in ein Substrat. Anfangs hatte ich zwei spezielle Kongozuchtbecken, sie waren 100cm lang, 30 tief und hoch, da haben meine Laichgitter auch hinein gepaßt. Angesetzt habe ich sie damals als Gruppe, so 2 Männchen und 3-4 Weibchen. Später habe ich sie paarweise oder 1/2 in meinen normalen 60ern gezüchtet. In das Ablaich/Zuchtaquarium kam nur ein kleiner stehender Schaumstoffilter. Der rechte auf dem Foto. An diesen Filter haben die Kongos gelaicht. Man muß die Aquarien unbedingt abdecken, die Fische springen.


Aufzucht
Kongoeier entwickeln sich langsam, es dauert ca. 5 Tage bis die Jungen schlüpfen. Die genaue Zeit habe ich nie aufgeschrieben, solche „Genauigkeiten” haben mich immer weniger interessiert, es ging mir immer mehr um optimale Ergebnisse, sowohl zahlenmäßig als noch mehr qualitativ. Mir fällt im Moment kein Salmler ein, bei dem die Eier so lange bis zum schlüpfen brauchen. Da ich im Prinzip eher ein „biologischer” als ein „steriler” Züchter war/bin, habe ich nach dem ablaichen immer Rote Posthornschnecken in die Aufzuchtbecken gegeben. Die Anzahl richtet sich nach der Anzahl der nichtbefruchteten Eier und nach der Größe des Aufzuchtbeckens. Also eventuell anfangs mehr geben und wenn die unbefruchteten Eier weg sind, wieder einige Schnecken herausholen. (Früher habe ich mir die Arbeit gemacht und mit einem Glasröhrchen mit dünnem Silikonschlauch die unbefruchteten Eier abgesaugt. Solche dünnen Glasröhrchen gibt es im Laborbedarf.) Rote Posthornschnecken fressen erst dann lebende Eier, wenn es gar nichts anderes mehr gibt. Sie sind also im Normalfall ideale Restevertilger, auch beeinflussen sie das Milieu positiv. Obwohl Posthornschnecken nicht leicht umzubringen sind, muß man beim Absammeln etwas aufpassen. Wenn man sie verletzt hat, tritt eine rote Körperflüssigkeit aus. Solche Schnecken sterben dann logischerweise und belasten das Aufzuchtbecken. Wenn man dann noch Planarien im Becken hat, die nicht nur Schnecken umbringen, sondern auch Eier fressen, kann man eigentlich wieder von vorne anfangen. Also tut der Praktiker gut daran, solche Viecher erst gar nicht hochkommen zu lassen.
Die jungen Kongos schwimmen im ganzen Aquarium, eher etwas oben und fressen sofort Artemien. Sie fressen viel und wachsen gut, die weitere Aufzucht macht in der Regel keine Schwierigkeiten.


Turnus
Wenn man Kongosalmer gut füttert und gute Fische hat, laichen sie in einem Turnus von 6 - 8 Tagen wieder. Ab dem Tag des heraus nehmens gerechnet. Da es schon mal sein kann, daß die Fische erst nach 2 Tagen laichen, laichen sie logischerweise nicht alle 6 Tage. So kann man mit nur wenigen Fischen richtig große Zahlen machen.


Fazit
Als Hobbyzücher sollte man sich die Zucht solcher größer werdenden Fische gut überlegen. Sie brauchen viel Platz zum wachsen und sind erst spät zu verkaufen, wenn die Flossen der Männchen schön ausgezogen sind. Zudem sind sie - wenn die Zucht funktioniert - sehr produktiv. Also erkundigen Sie sich schon mal, wer Ihre Fische haben will!
 

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2006
Überarbeitet, ergänzt: März 2008

 

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