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Die Kultur von Infusorien

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Über die Kultur von Infusorien als Erstfutter für sehr kleine Zierfische

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Zum Ansatz
Dosenmilch
Rüben
Hafermehl, ein gutes Futter
Gurken
Brennesseltee, auch gut
Verfüttern von Infusorien
Original Afizucht, einiges aus der alten Afizucht

 

Die Infusorienkultur erfordert regelmäßige Pflege und Fütterung und ist über einen längeren Zeitraum alles andere als pflegeleicht und einfach! Deshalb war dafür auch meine Frau zuständig - sie ist zuverlässiger! lachen-transp Da ist es zwar nicht so schlimm wie bei Enchyträen, aber wenn man sie mal vermurkst hat dauert es schon eine Weile bis sie wieder richtig laufen. Das gilt für richtige Mengen, wenn man wenigstens einige hundert oder eher einige tausend Neon füttern muß. Bei kleinem Bedarf ist die Infusorienkultur einfacher. Da muß die Kulturdichte nicht so hoch sein. Und es ist nicht so schlimm, wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt eben keine hat. Oder nur wenig.
 


 

Zum Ansatz
Infusorien_Weckglaeser_ThDer ist eigentlich gar nicht so schwer wie man meint! Besorgen Sie sich Protogen-Granulat. Nehmen Sie je nach Bedarf einige saubere 1 oder 1,5-Liter Einmachgläser und füllen Sie normales, besser abgestandenes Leitungswasser hinein. Wir haben da bevorzugt „Weck”-Gläser genommen, die haben oben einen sehr praktischen Rand. Man kann sie auch mit nassen Händen sehr gut halten und sie sind gut zum ausgießen, auch paßt da genau ein käufliches Artemiasieb hinein.
Jetzt kommen 2-4 Körner Protogen-Granulat hinein. Die Temperatur war bei uns ca. 23° - 27°,  Wo die Ober- bzw. Untergrenze liegt weiß ich nicht genau, da habe ich keine Erfahrung. Man kann anstelle von Protogen-Granulat auch Heu, Hafer oder Rüben nehmen, das Granulat ist aber die einfachste und beste Methode. Granulat und Heu ist auch sehr gut. Normale getrocknete Bananenschalen funktionieren schon lange nicht mehr, da braucht man echte „Biobananen”. Die normalen Bananenschalen sind so mit Spritzmitteln belastet, daß sie bei uns nicht mal mehr in den Kompost kommen - sie wandern in die Restmülltonne. Wenn Sie einen Pantoffeltierchenansatz bekommen können, ist das natürlich noch besser. Nach einigen Tagen kann man bereits mit gutem Auge oder einer Lupe einen feinen weißen Schleier hauptsächlich weiter oben ausmachen.
Die Größe und die Art der Infusorien werden nur durch das Futter bestimmt. Dieser Satz ist zwar richtig, er muß aber näher erläutert werden. Wenn man einen frischen Ansatz hat, befinden sich immer mehrere Arten von Einzellern darin. Was das genau für Arten sind weiß ich nicht. Zwar habe ich ein richtig gutes Trinokular Ärzte-Mikroskop mit Fotoaufsatz von Olympus, aber ich traue mir - trotz mehrerer sog. „Bestimmungsbücher” -  nicht zu, sie genau zu bestimmen. Natürlich kenne Raedertierchen_1_Thich „Pantoffeltierchen”, aber z.B. bei den Rädertierchen gibt es so viele, daß mir der Durchblick fehlt. (Die Tierchen rechts hatte ich „vorübergehend” in einer großen Wanne im Garten, leider sind sie wieder verschwunden). Wenn die Kultur eine Weile läuft, entwickeln sich hauptsächlich Pantoffeltierchen, deren Größe eben durch das Futter - bzw. genauer: durch die durch das Futter erzeugten Kleinstlebewesen - bestimmt wird.
Lassen Sie sich nicht von komischen Geschichten wie: „Japanische Infusorien” oder welche aus Afrika, die besonders groß sein sollen, durcheinanderbringen. Das sind halt „komische Geschichten”, die es in der Aquaristik leider viel zu viele gibt! So, jetzt haben Sie erst Mal Infusorien. Jetzt wollen die gefüttert werden! Da gibt es mehrere Methoden, die von Dosenmilch über Haferflocken, Hafermehl, getrockneten Rüben usw. reichen. Hier meine Erfahrungen aus ca. 30 Jahren intensiver Infusorienkultur.

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Dosenmilch
Ist wahrscheinlich die gebräuchlichste Methode, es geht gut, man kann genau mit Tropfen dosieren, die Infusorien, in diesem Fall sehr viele Pantoffeltierchen, sind relativ groß (wie die „afrikanischen” - es sind nämlich die Gleichen). Man muß aber immer Dosenmilch im Haus haben, eventuell ganz kleine Döschen kaufen. Der Nachteil ist, daß die Kulturen recht anfällig sind, wenn man nicht sehr regelmäßig füttert. Sie sind ganz schnell überfüttert und die ganze Kultur vergammelt dann gerne, sie nehmen es aber auch sehr übel, wenn sie zu wenig Futter bekommen. Also sehr pflegeaufwendig!

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Rüben
Samentuete_Kohlruebe_ThDiese Rübe heißt „Brassica napus” und man kann Samentütchen davon kaufen, wir haben sie schon selber „angebaut”. Allerdings soll der Name nicht stimmen, obwohl er auf der Tüte steht. Diese Rüben habe ich in eher klein-fingerdicke Steifen geschnitten und zwischen 50° und 100!° mit Umluft im Backofen getrocknet. Mit Umluft geht das Trocknen gut. Ich habe auch einige über einem Holzofen getrocknet, geht auch.
„Original Afizucht: Die Rüben sind gut geworden, riechen im Backofen zwischen 50 und 100° anfangs angenehm nach Kohlrabi (Cl. (meine Frau) hat gemeint, ob ich Sauerkraut machen würde), wenn sie dann aber trockener werden, dann riechen sie recht „streng” nach leicht verbrannten Rüben/Grünzeug. Wenn man einen kleinen Würfel in ein 1-l-Glas gibt, dann „riecht die ganze Bude” nach Rüben, bei wenig nicht unangenehm, bei mehr aber doch recht penetrant.
Das trocknen geht im kleinen Grill mit Umluft (die Minimaltemperatur ist 140°, kleiner kann man nicht einstellen) ganz gut und relativ schnell - einige Stunden, gegenüber eher Tagen im Backofen mit normaler Hitze bei ca. 100°. (ohne Umluft)
Das mit den Infusorien geht sehr gut, wenn man ein kleines Stück getrocknete Rüben nimmt, dann riecht es fast nicht - und funktioniert trotzdem gut.Kohlrueben_getrocknet_Th
Fazit: Diese Rüben sind gut.

Aus der alten Afizucht:
„Hatten letztes Jahr selber Rüben angebaut und getrocknet, im Backofen „verbrennen” sie mehr, auf dem Holzofen mit altem Teil untergelegt geht es gut/besser. Die „verbrannten” Rüben ergeben ein rotbraunes Wasser (dachte immer, daß diese Farbe „rübenspezifisch” sei), die auf dem Ofen getrockneten ein weißliches wie bei Milch und auch Hafermehl."
Nachtrag: Damals hatten wir in unserem Herd keine Umluft. Mit Umluft geht es bedeutend besser und schneller.

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Hafermehl
Afizucht: „Hatten vor einigen Monaten Schwierigkeiten mit den Milch-Infusorien. Habe dann alles mögliche ausprobiert. Bananen, Heu, ganze Weizen-, Reis- und Haferkörner. War alles nicht gut. Hatte dann geschälten Hafer im Reformhaus in Jettingen gekauft und ihn in der Kaffeemühle ganz fein gemahlen. Habe immer noch 6 Infusorien-Gläser mit diesem Zeug. Sie werden praktisch nicht gepflegt. Das Wasser ist fast überall grün bis braun. Die Infusorien sind mit Lupe (ungenau) ziemlich klein. Habe sie zu jungen Caridina japonica gegeben. (Die haben sie zwar gefressen, sind dann aber trotzdem gestorben). Die 6 Gläser machen aber irgendwie einen guten Eindruck. Wenn ich sie füttere, bekommen sie gleich einen ganzen kleinen schwarzen Löffel. Das vertragen sie gut. (Nachtrag füttere momentan weniger: 1 ccm Hafer-Mehl für 6 Gläser)
Der große Vorteil dieser Infusorien liegt darin, daß man nicht so aufpassen muß. Wenn man Milchinfusorien zu wenig oder zu viel füttert, dann sind sie entweder nicht mehr da oder vergammelt. Haferinfusorien vermehren sich auch dann wieder, wenn man sie eine Weile „vergessen” hat. Ein zuviel an Hafermehl nehmen sie auch nicht gleich krumm.
Sind unter dem Strich sehr gute Infusorien: machen nicht so viel Arbeit, da sie zum einen nicht so schnell vergammeln wie Milchinfusorien und zum anderen längere Nichtfütterzeiten ganz gut überstehen. Milch-Infusorien kann man nicht so lange „nichtfüttern”.”

Es scheint aber so zu sein, daß älteres Hafermehl nicht mehr recht funktioniert. Daß liegt möglicherweise daran, daß ja das komplette Korn gemahlen wird und das Mehl deshalb schnell ranzig wird. (Backe manchmal Vollkornbrot aus selbstgemahlenem Dinkelmehl, das verbacke ich auch sofort).

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Gurken
Afizucht: in den mit Gurken gefütterten Gläsern sind auffällig wenig Infusorien. Das Wasser ist zwar klar, aber doch etwas milchig unangenehm. Subjektiv „biologisch unangenehm”. Nicht so wie bei den Haferinfusorien grünlich klar „biologisch angenehm”.

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Brennesseltee
Afizucht: Versuch gemacht: ein Päckchen „Meßmer” Brennesseltee in ein 1L-Glas gegeben, in dem schon Infusorien waren. Den Beutel muß man aufreißen, der Aufguß (also ohne Substrat) geht nicht. Es waren dann recht viele Pantoffeltierchen in dem Glas, ich habe sie unter dem Mikroskop angeschaut. Es waren richtige Pantoffeltierchen, andere Viecher habe ich nicht gesehen.
Fazit: Da man die Brennesselmischung immer kaufen kann, wäre das eine recht einfache und auch gute Methode.”

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Das Verfüttern der Infusorien
Es gibt theoretisch mehrere Methoden Infusorien zu verfüttern, mit mehr oder weniger komplizierten Apparaturen. Sie haben mir alle nicht gefallen! Auch habe ich im Laufe der Jahre mehrere einige Vorrichtungen gebastelt. Die waren aber auch nicht das Gelbe vom Ei.
Einfach und trotzdem gut war folgendes:
Artemiasieb_auf_Glas_ThWir haben nur die Gläser zum verfüttern genommen, die klargefressenes Wasser hatten, von diesen Gläsern haben wir höchstens die Hälfte mit „sanftem Schwung” durch ein normales Artemiasieb gekippt. Obwohl ich durchaus zum selberbauen oder basteln neige, sind wir die ganzen Jahre bei diesen Sieben geblieben, sie sind sehr gut und man kann immer welche nachkaufen, wir hatten ganze „Türme” davon. Gröbere Schmutzpartikel sind in dem feinen Sieb hängen geblieben. Wenn das Infusorienwasser nicht ganz klar ist, ist es möglicherweise besser, ein etwas gröberes Sieb zu nehmen, es gibt da ineinanderpassende Siebsätze zu kaufen. (Hobby, Dohse - Aquaristik) Dann hatten wir einigermaßen sauberes Wasser mit Infusorien, das haben wir dann auf die Aquarien mit den Jungen verteilt. Obwohl das belastetes Wasser war haben wir nie negative Beobachtungen festgestellt. Möglicherweise dadurch, daß ich immer in „sehr viel Wasser” gezüchtet habe. Soll heißen, daß ich immer relativ große Aquarien zur Zucht genommen habe. Andererseits waren da natürlich auch richtig Fische drin!
Wenn man zu viel auf ein Mal verfüttert (Wasser) funktionieren die Kulturen nicht so gut weiter, also lieber öfter weniger „Wasser” füttern! Es sollte höchstens 1/2 des Glases genommen werden!

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Für die besonders Interessierten
Original Afizucht:

„Habe vor ein bis zwei Monaten Protogen-Granulat angesetzt. Dann habe ich aus einigen Gläsern Wasser in andere Gläser gegeben und alle mit Dosenmilch gefüttert. Es haben sich in allen Gläsern Infusorien entwickelt (zum Teil Pantoffeltierchen, unter Mikroskop gesehen), aber in den ohne Bodensatz (also in den neuen Gläsern nur mit Wasser) sind kleinere wolkenartige. In den Gläsern mit Bodensatz kann man einzelne Infusorien mir bloßer Brille sehen, bei den anderen nur „Wolken”.
Fazit: Es ist also möglich, nur aus Protogen-Granulat eine Infusorien - Dauerkultur aufzubauen.
Haben schon seit langem Infusorien/Pantoffeltierchen, die wir (Cl.) mit Milch füttern. Es ist gar nicht so einfach, man muß sehr genau füttern, wenn zu viel vergammelt die Kultur, wenn zu wenig, gibt es eben keine Pantoffeltierchen. Manchmal sind in den Kulturen grüne Algen, manchmal rote. Woran das liegt, weiß ich nicht, ich weiß nur, daß die Infusorien mit roten Algen nicht so gut sind.
Jetzt hat A. angerufen und gesagt, daß er die Infusorien mit getrockneten Bananen füttere, die Jungen Fische würden so besser wachsen - bilde er sich ein. Daraufhin habe ich es auch probiert, auch mit selber getrockneten Bananen (Frucht) und getrockneten gekauften. Die gekauften enthalten offenbar Fett, die Kultur sieht dann aus wie Hühnerbrühe, geht also nicht. Das Ganze hatte eher mäßigen Erfolg. Dann habe ich ganz frisches Wasser genommen und von Fr. Ö. Heu hineingetan. Nach einigen Tagen habe ich das Heu herausgenommen. Das Wasser war dann etwas grün-bräunlich und hat gestunken, es war aber noch durchsichtig. In diese Suppe habe ich dann Haferflocken getan. Vielleicht einen knappen viertel Teelöffel auf einen Liter. Das war offenbar zu viel, es haben sich Luftblasen (Kohlensäure ?) gebildet und das Wasser ist sehr milchig geworden, die Haferflocken sind mit Luftblasen nach oben gekommen. Nach einigen Tagen sind die Kulturen aber wieder klarer geworden und es waren einwandfreie Pantoffeltierchen drin. Das Ganze habe ich mir unter dem Mikroskop angesehen: Es waren überall Pantoffeltierchen drin, man kann sie an der charakteristischen Gestalt leicht erkennen. Die Viecher in den Milchkulturen bewegten sich schneller und waren von der Erscheinung einheitlicher, die Pantoffeltierchen aus dem Heuaufguß mit Haferflocken weitergefüttert bewegten sich (unter dem Mikroskop) langsamer und man konnte mehrere Einzelheiten erkennen, so hatten diese Viecher massenhaft Eier im Körper, man konnte auch die verschiedenen „Luftblasen” erkennen. Ich habe den Eindruck bekommen, daß die Haferflocken-Infusorien besser aussehen und mehr Inhaltsstoffe haben. So war halt mein Eindruck. Ob sie wirklich nahrhafter sind, wird die Zukunft zeigen, ich habe es hier nur mal aufgeschrieben, weil ich nach einem Jahr von dem eh nichts mehr weiß. Ich füttere einige Kulturen auch mit ungeschältem Reis. Werden sehen, was die bessere Methode sein wird. Es hat auch den Anschein, als ob sich die Haferflocke/Reis-Kulturen schneller vermehren würden. Gefressen werden sie gut, was ich bis jetzt beurteilen kann.”

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Februar 2006
Letzte Änderung:  Februar 2015

 

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