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Futtermischungen

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Auch als Fischfutter verwendetes Gemüse oder selber hergestellte Futtermischungen

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Übersicht
Artemia, entkapsulierte,
Blattspinat, siehe Tiefkühlfutter, Tiefkuehlfutter
Fischfilet
Futtermischung für Ancistrus
Garnelen
Gurken
Kartoffeln
Rinderherz, ein altes, aber kein gutes Futter
Rogen von Süßwasserfischen, siehe Tiefkühlfutter, Tiefkuehlfutter
Spirulina, die berühmt-berüchtigte Alge, inzwischen als giftig entlarvt!
Truthahnherzen, ein relativ gutes Futter
Vitamine, ein sehr heikles Thema

 

Übersicht
Einige der hier beschriebenen Rezepte sind gut, andere sind es weniger. Ich finde es z.B. gar nicht gut, wenn man eingefrorene Substanzen auftaut um sie mit anderen Substanzen zu vermischen und das Ganze dann wieder einfriert. Für den menschlichen Genuß wäre das verboten. Aufgetautes darf nicht wieder eingefroren werden! (Wird aber trotzdem gemacht!)
Zwar sind solche Rezepte hier aufgelistet, ich habe sie aber selber nie verwendet.
Im Allgemeinen bin ich der Meinung, daß eigene Futtermischungen nur dann Sinn machen, wenn anderes Futter nicht gefressen wird oder wenn man die Mischung als Trägersubstanz für Zusatzstoffe - wie Astaxanthin - verwendet.
Wenn Kartoffeln gefressen werden, sind sie ein gutes Futter für neu importierte Ancistrus & Co., der Vorteil gegenüber den allseits beliebten  Gurken oder Zucchini liegt darin, daß sie das Aquariumwasser bedeutend weniger belasten. Manchmal werden auch Mohrrüben als Vitaminfutter verabreicht. Wichtiger ist, daß die meisten Saugwelse Holz (Zellulose) als Nahrungsergänzung oder eben Ballast brauchen, also einige Wurzeln dazu geben, die sind wichtiger als Gurken! Diese Wurzeln dürfen aber nicht zu hart sein, die Welse müssen sie abraspeln können, das ist bei „Savannenholz” (oder besser „Mopaniwurzeln”) nicht der Fall, sie sind zu hart! Im Deutensee südlich von Schongau sind relativ weiche Wurzeln - möglicheweise sind es Wurzeln von Birken, die eignen sich sehr gut. Wahrscheinlich gibt es solche Wurzeln auch woanders.
Manche Aquarianer probieren den ganzen Gemüsegarten und die Wiesen als Fischfutter aus. Einige meinen auch, den Fischen unbedingt Katzen- oder Hundefutter vorsetzen zu müssen. Letztens habe ich sogar was von „geriebenem Käse” gelesen, da hört dann schon langsam der Spaß auf. Wenn einem das „normale” Fischfutter zu teuer ist oder warum auch immer, dann sollte man wenigstens Forellen-, Karpfen- oder Störfutter nehmen, das ist auf den Fischorganismus abgestimmt. Um wirklich Abwechsung in den Futterplan zu bekommen, kann man von den soliden Firmen verschiedene Futtersorten kaufen. Da sollte man aber versuchen die Werbung von den Fakten zu trennen.
Garnelen oder besser die Garnelenschwänze oder Fischfilet werden gerne zu Mischungen verwendet,  beide sind als Futter in Ordnung, solange man keine aufgetauten wieder einfriert.

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Artemia, entkapsulierte
Man kann Artemiaeier „schälen”, dazu muß man sie in eine Chlorbleichlauge geben. Diese Bleichlauge entfernt die äußere Schicht. Danach muß man die „nackten” Eier gut spülen und völlig trocknen. Die geschälten Eier kann man wie gewohnt ansetzen oder auch so verfüttern.
Ich habe diese Prozedur der Ordnung halber auch mal durchgeführt. (Nach dem Rezept von Dr. Bauer aus dem Buch „Erkrankungen der Aquarienfische” vom Parey-Verlag. Dabei habe ich festgestellt, daß die Angaben über Dosierung und Einwirkzeit nicht zusammengepaßt haben, somit war der Artikel höchstwahrscheinlich abgeschrieben. Erst als ich die Menge an Chlorbleichlauge erhöht habe hat es funktioniert.) Jedoch sehe ich keinerlei Sinn in dieser Arbeit. Gute Artemia schlüpfen genauso gut mit Schale wie ohne, eher umgekehrt. „Nackte” Artemia werden von schwierigeren Fische genauso wenig gefressen wie Trockenfutter -  ganz einfach deshalb, weil sie sich nicht bewegen! Fische die unbewegliche entkapsulierte Artemiaeier fressen, fressen auch anderes Trockenfutter, z.B. „Perla-Larva”.
Ich habe gelesen, daß diese entschälten Artemia auch für eigene Trockenfuttermischungen verwendet werden und die ganze Mischung dann im Mörser zerstoßen wird. Dabei muß man bedenken, daß dabei die Schale der Artemiaeier zerstört wird und das Innere des Artemiaeies mit Sauerstoff in Berührung kommt und oxydiert. Auf deutsch: vergammelt. Höflich: So etwas sollte man besser bleiben lassen. Weniger höflich: Total dämlich!
Es gibt da noch ein Argument für das schälen der Eier, es sollen nämlich Jungfische daran gestorben sein, daß sie Artemiaschalen nicht verdauen konnten. Eigenartigerweise habe ich das nie feststellen können. Und ich habe im Laufe der Jahrzehnte einige hundert Artemiadosen verfüttert. Auch habe ich im allgemeinen gut beobachtet, es hätte mir auffallen müssen! Könnte es möglich sein, daß in diesen Fällen mehr Schalen als Artemianauplien gefüttert wurden? Jungfische fressen normalerweise lieber Nauplien als Schalen. Allerdings sollte man - wie unter Artemia beschrieben -  möglichst keine Billigstartemia kaufen, da man da meistens die Schlauben und die ungeschlüpften Eier schlecht von den Nauplien trennen kann.

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Blattspinat
Ist unter Tiefkühlfutter beschrieben

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Futtermischung für Ancistrus
Dieses Rezept habe ich vor Jahren von einem Aquarianer bekommen.

         1 kg Erbsen gefroren (keine Iglu, ganz normale)
         200 g Rote Mückenlarven
         300 g Spinat
         200 g Weiße Mückenlarven
         200 g Krill
         200 g Plankton
         250 g Haferflocken, Schmelzflocken, Babynahrung
         + 6 Tüten Gelatine

Das ganze wird vermischt, plattgedrückt und wieder eingefroren. Da ich nichts von aufgetautem und wieder eingefrorenem Tiefkühlfutter halte, habe ich das Futter nie ausprobiert.

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Rinderherz
Rinderherz als Fischfutter wird schon sehr lange verwendet. Ich bin kein Freund davon. Früher habe ich es als Trägersubstanz für Vitamine oder Farbstoffe auch verwendet. Es gibt hier in der Gegend einen Privat-Züchter, der seine Fische hauptsächlich mit Rinderherz füttert. Seine Fische sind keine Reklame für Rinderherz. Sie haben weder gute Farben noch gute Proportionen. Sie sind zumindest zu „bullig”, um nicht „zu fett” im menschlichen Sinne zu sagen.
Früher in den 70ern gab es ein „berühmtes” Rinderherzrezept. Da wurden Eigelb, Spinat und Paprika zugegeben. Spinat als Grünfutter, Eigelb und Paprika zur Förderung der Färbung. Mit Astaxanthin geht das besser.
Bei der Verarbeitung von Rinderherz muß man sorgfältig alle Sehnen und Flachsen wegschneiden. Diese werden von den Fischen nicht gefressen. Wenn schon Herz, dann eher Truthahnherzen.

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Rogen von Süßwasserfischen
Ist unter Tiefkühlfutter beschrieben

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Spirulina
Spirulina wird aus einer Alge gewonnen, die laut Literatur zu den Cyanobakterien (Blaualgen) gehört. Sie wird in Glasröhren kultiviert. Inzwischen wird sie auch synthetisch hergestellt.
Als ich um 1985 das erste Mal von Spirulina gehört habe, mußte ich die Algen natürlich selber ausprobieren. Nach langem herumtelefonieren bekam ich von einem bekannten Institut am Niederrhein einen Sack mit ca. 20 Litern reiner Alge geschenkt. Der Mitarbeiter meinte, daß sie die Versuche abgeschlossen hätten und die Algen nicht mehr bräuchten. Um es kurz zu machen: Nachdem ich diese Algen eine Zeit lang verfüttert und alles mögliche ausprobiert habe, sind sie - wie so vieles vorher und nachher - auf dem Kompost gelandet!
Meine Meinung:
Die arme Spirulina muß für alles mögliche herhalten: Ob Abnehm- oder Gesundheitspillen aus der Apotheke, Superalgenfutter für Ancistren und als Zusatzstoffe für alle mögliche und unmöglichen Dinge. Wenn manche Leute den Namen „Spirulina” nur hören, geht es ihnen oder ihren Fischen schon bedeutend besser. Besonders, wenn ihnen vorher schon nichts gefehlt hat. Ich habe noch nie was von diesem Zeugs gehalten und tue es heute auch nicht!

Nachtrag Februar 2008:
In einem Beitrag in ZDF-Doku wurde berichtet, daß nach neuesten Erkenntnissen die Spirulina-Alge Giftstoffe enthalten würde.
Siehe auch unter Blaualgen, ->  hier.
Nachtrag Januar 2014:
Wer mehr darüber wissen will, wie giftig diese „Superalge” ist, kann sich auf folgendem Link genauer informieren:
http://www.bio-pro.de/standort/5_bioregionen/bioregion_biolago/index.html?lang=de&artikelid=/artikel/09387/index.html

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Truthahnherzen
Nicht weit von hier ist eine größere Truthahnfarm, da habe ich öfter bis zu 20 kg Herzen gekauft. Solche Portionen auf ein Mal zu verarbeiten ist aber richtige Arbeit und erfordert auch eine große Truhe. Besser ist es, kleinere Portionen zu verarbeiten.
Die Fett an den Truthahnherzen muß man abschneiden, das geht aber ganz gut. Die Herzen sind weicher als Rinderherz und lassen sich gut verarbeiten. Die entfetteten Herzen habe ich immer durch einen kleinen elektrischen Wolf laufen lassen und dabei anfangs Vitamine und später nur noch Astaxanthin zu gegeben. Die fertige Mixtur kommt in Plastikbeutel und wird dann mit dem Nudelbrett flachgewalzt. Damit die Beutel beim einfrieren schön platt geblieben sind, habe ich nach dem Beutelmaß kleine Kästen aus PE geschweißt. Die kamen dann samt Beutel in die Truhe. Wenn alles richtig durchgefroren war, wurden die Kästen wieder entfernt und die Beutel so - ohne Kästen - eingeschichtet.

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Vitamine, eine ganz heiße Sache!
Zuerst eine Warnung aus eigener Erfahrung:
Anfang der 90er Jahre, als ich noch an Vitaminmischungen geglaubt und auch selber welche herstellt habe, hätte ich beinahe unseren Hund umgebracht! Ich hatte Truthahnherzen durch den Wolf gedreht und verschiedene Vitamine zugegeben, so Vitamin A, B, D, E und verschiedene andere Sachen. Einen Rest aus dem Wolf habe ich unserem Hund gegeben, dem davon sehr übel wurde und wir ganz schnell zum Tierarzt fuhren. Mit diesem war ich damals recht speziell und er hat mich darüber aufgeklärt, das nicht nur eine erhöhte Vitamin D-Gabe gefährlich sein kann, sondern auch A und E. Das war damals noch nicht allgemein bekannt. Der Hund bekam eine Stärkungsspritze und hat es gut überstanden. Die Vitaminmischungen sind immer seltener geworden, irgendwann habe ich dann ganz damit aufgehört.
Soviel zu eigenen Vitaminmischungen. Wenn man unbedingt Vitamine zugeben will, so sollte man besser eine fertige Vitaminmischung verwenden.

Ansonsten halte ich von der ganzen Vitamingeschichte nicht mehr sonderlich viel. Ich hatte nie einen wirklich positiven Effekt feststellen können!
Vielleicht sehe ich die Sache anders, wenn sich wenigstens die Humanmedizin, bzw. die von den verschiedenen Richtungen oder besser Konzernen bezahlten „Sachverständigen” einig sind welche Vitamine wo tatsächlich benötigt werden. Bis jetzt ist der ganze Vitamin- und Mineralrummel für mich zu einem großen Teil Geschäftemacherei.
Beispiel Magnesium - wird selbst beim Billigheimer verkauft. Wenige Leute wissen jedoch, daß diese Magnesiumzusammensetzung vom menschlichen Körper nicht aufgenommen wird. Es wird nur organisches Magnesium wie Magnesiumcitrat aufgenommen.
Da gibt es sehr viele Beispiele. Leider!
(Siehe auch den Nachtrag vom September 2016)

Nachtrag Februar 2008:
Die Zeitschrift „ÖKO-TEST” hat in der Ausgabe 02/Februar 2008 über 300 Vitaminpräparate für Menschen getestet. Mit einem niederschmetternden Ergebnis. Das häufigste Ergebnis bei den Multivitaminpräparaten war „ungenügend”!
Es hat mir sehr gut getan daß eine solide Zeitschrift meine Meinung über diese Geschäftemacherei bestätigt hat!

Nachtrag Juni 2010:
Inzwischen gibt es eine Studie, wonach speziell die Vitamine A, Betacarotin  und E, aber auch Vitamin C für Menschen sogar schädlich sein sollen! Die Sterblichkeitsrate lag bei Menschen, welche diese Vitamingaben bekamen, höher als bei Vergleichsgruppen ohne Vitamingaben!
(Bei mehr Interesse im www nach „Kopenhagen und Vitamine” suchen.)
Daß diese Studie vehement angegriffen wird ist verständlich. Schließlich verdienen einige Chemiekonzerne sehr viel Geld mit Vitaminpräparaten und anderen „Nahrungsergänzungsmitteln”. Die schauen nicht tatenlos zu, wie ihre goldene Gans gerupft wird. Daß Kritiker der Studie aber genau diese Chemiekonzerne als Urheber der Studie beschimpfen ist schon paradox.

Noch ein Nachtrag September 2016:
Habe vor einigen Tagen die Wiederholung einer Sendung von und mit Ranga Yogeshwar über Vitamine gesehen. Diese Sendung hat mich in meiner Meinung über Vitamine sehr bekräftigt und mir nun „den Rest gegeben” - oder besser „genommen”. Den Rest an Glauben an die ganze Vitamingeschichte! Zumindest beim Menschen ist es laut dieser Sendung völlig unnötig - und teilweise sogar schädlich - zusätzlich Vitamine einzunehmen!
Möglicherweise ist das bei Fischen anders, schließlich bekommen die in der Regel kein frisches Obst und Gemüse zum fressen. Und Sonnenlicht für Vitamin D auch nicht unbedingt.
Trotzdem dürfte es besser sein, Geld in gutes Fischfutter zu investieren als in zusätzliche Vitaminmischungen.
Nebenbei: Ich habe vor vielen Jahren ein Aquarium absichtlich nur mit total überlagertem „Perla Larva” gefüttert. Da waren nach landläufiger Meinung keine Vitamine mehr drin. Die Fische haben aber trotzdem einen guten und gesunden Eindruck gemacht.

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Erstellt:  September 2006
Letzte Bearbeitung:  Oktober 2016
 

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