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Fische färben

Spektrum

 

Wie kann man Fischen zu besseren Farben verhelfen?

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Der Wunsch, die Farben der Fische zu intensivieren oder Fischen überhaupt eine kräftigere Farbe anzuzüchten oder anzufüttern dürfte sehr alt sein. Schließlich versucht jeder Züchter die kräftigsten und buntesten Fische zu züchten.
Erinnern kann ich mich so ab Mitte der 70er, da hat man Eigelb und Paprika zu Rinderherz dazugegeben, in dem Bestreben den Diskus bessere Farben zu verleihen, komischerweise auch Spinat (Eisen?). Zu dieser Zeit ging es noch um „Betacarotin”, also um eine Vorstufe von Vitamin A. Etwas später ging es dann schon um „Cantaxanthin”. Es gibt mehrere dieser Farbstoffe mit verschiedenen Namen, sie sind alle in z.B. Tomaten, Paprika, Himbeeren, Augen von Drosophila, Krebspanzer, Gammarus, Cyclops usw. enthalten. Wenn heute manche Züchter als „Geheimrezept” Garnelen oder ähnliches ihrem Futtermix beigeben, so ist das nichts anderes als Cantaxanthin. Canta wurde auch Forellenfutter beigegeben, speziell Laichfutter. Laut dem Lebensmittelchemiker eines großen Fischfutterherstellers wird es im Fischkörper zu Astaxanthin umgewandelt, weshalb Astaxanthin bedeutend effektiver ist. Es ist aber auch teurer. Heute findet man Astaxanthin in vielen Fischfuttersorten, auch für Zierfische. Es soll für Fische und andere Wassertiere sehr gesund sein. Für Menschen angeblich auch:  „Astaxanthin ist ein viel wirkungsvolleres Antioxidans und besserer Radikalenfänger als andere fettlösliche Antioxidantien wie z.B. Tocopherole (Vitamin E) und verwandte Carotinoide (Beta- Carotin, Lutein).” (Nachtrag Januar 2017: Nach neuesten Studien haben „Radikalenfänger” allerdings eher negative Auswirkungen.) Es soll auch die Laichbereitschaft erhöhen. Das habe ich direkt nicht festgestellt, allerdings habe ich es nie konstant über einen längeren Zeitraum gefüttert! Die Laichbereitschaft wird eher durch Enchyträen erhöht -> siehe dort.  Ich habe gelesen, daß es aus der Mikroalge Haematococcus pluvialis hergestellt wird, es wird aber auch synthetisch hergestellt.
 
Astaxanthin_Makro 200Das Foto ist eine Makroaufnahme, die Kugeln sind in etwa so groß wie Artemiaeier, es ist also ein etwas gröberes Pulver.
Siehe mm-Papier als Vergleich.




Bevor ich auf die Wirkungsweise der Farbstoffe eingehe, noch eine Warnung aus eigener Erfahrung: Als ich noch Vitaminmischungen herstellt habe, hätte ich beinahe unseren Hund umgebracht! (Vor 1990) Ich hatte Truthahnherzen durch den Wolf gedreht und verschiedene Vitamine zu gegeben, so Vitamin A, B, D, E und auch noch andere Sachen. Einen Rest aus dem Wolf habe ich unserem Hund gegeben, dem davon sehr übel wurde und wir ganz schnell zum Tierarzt fuhren. Mit dem war ich damals recht speziell und er hat mich darüber aufgeklärt, das nicht nur eine erhöhte Vitamin D Gabe gefährlich sein kann, sondern auch A und E. Das war damals noch nicht allgemein bekannt. Der Hund bekam eine Stärkungsspritze und hat es gut überstanden. Die Vitaminmischungen sind immer seltener geworden, irgendwann habe ich dann ganz damit aufgehört.
In meiner alten Afizucht - das hier ist die Neue - sind mehrere Seiten über Fische färben vorhanden. Es ist erheiternd zu lesen, wie ich meine Versuche und Meinung über mögliche Methoden Fische zu färben im Laufe der Jahre oder besser Jahrzehnte geändert habe. Es ist nicht „richtig falsch” was da drin steht, aber es funktioniert eben alles nur bedingt oder in Zusammenhang mit anderen Maßnahmen, es geht von „erblich bedingt” über „weiches Wasser” bis zu „Torfzusatz” und „Huminsäure” weiter bis „Eisen” und noch mehr. (Das Fleisch von Kälbern wird oder wurde manchmal mit einem Eisenpräparat dunkler gefärbt, das Präparat habe ich natürlich auch ausprobiert. Damals hatte ich gute Quellen, ich kam praktisch an - fast - alles heran.) zwinkern-transp_neu

Das ist seit Astaxanthin alles viel einfacher geworden.
Wenn junge Fische mit Artemia gefüttert werden, bekommen sie eine „rötliche” Allgemeinfarbe. Das kann man bei Kardinal, Neon, Roten Neon und Rotkopfsalmlern sehr gut sehen. Der Kopf von RK ist dann noch nicht richtig rot, sondern eben „rötlich”. Rot wir er erst später - aber auch ohne Astaxanthin, RK kann man nicht färben, die sind immer rot.  Allerdings in weichem Torfwasser bedeutend schöner! Nimmt man z.B. Apistogramma cacatuoides und füttert sie mit Cyclops, dann bekommen erst die Eier und danach die Fische selber eine orange bis rote Farbe. Bei Papiliochromis ramirezi ist das genauso. Diese Farbe vergeht aber ohne Cyclops-Fütterung relativ schnell wieder. Großhändler kennen das von ihren privaten Lieferanten lachen-transp. Nach spätestens 4 Wochen sind die Fische nicht mehr so rot. Die besseren Züchter versuchen natürlich mit mehr oder weniger Erfolg, die Farben genetisch zu festigen, also nicht alles was „doppelrote” oder „dreifachrote” Kakadus sind, muß nur von Farbfutter kommen. Es sind sehr schöne Stämme im Handel, aber auch diese Stämme werden durch Astaxanthin - noch - schöner. Da diese „guten” Züchter aber auch sehr viel Cyclops füttern, verlieren auch ihre Kakadus die Farben mehr oder weniger schnell. Nebenbei ist es egal, ob die Cyclops rot oder grün sind, sie färben beide gleich gut - rot.
Es gibt auch ein bei Kellerzüchtern sehr beliebtes Flocken-Trockenfutter eines großen Herstellers mit Cantaxantin-Zusatz. Ob der Hersteller inzwischen auf Astaxanthin umgestiegen ist weiß ich nicht, ich habe schon lange keins mehr gehabt.

Eigenartigerweise werden die blauen Punkte bei Goldramirezi bei der Fütterung mit Astaxanthin stärker. Ähnliche Beobachtung habe ich aber auch schon bei Trichogaster leeri gemacht, da wurden die Blauen Punkte durch Artemiafütterung auch kräftiger.
Es gibt aber auch Arten, die auf A. überhaupt nicht reagieren. So habe ich früher Glühlichtsalmler importiert, wo sich die Farbe schon in den Ecken der Tranportbeutel gesammelt hat. Sie waren also gefärbt. Aber offenbar hatten die Fische diese Farbe nicht aufgenommen, sondern genauso wieder ausgeschieden. Auf Astaxanthin haben meine Glühlichtsalmler später überhaupt nicht angesprochen. Goldene Antennenwelse kann man auch nicht färben, da werden nur die Eier orangener. Da muß man darauf achten, reinerbige goldene Fische zur Zucht zu bekommen. Unsere haben zu 100% „goldene” Junge bekommen, es war nie ein brauner dabei, allerdings waren ab und zu einige dabei, die mehr gelblich als richtig schön gold waren. Da muß man halt selektieren.
Da das Farbsystem bei manchen Fischen, z.B. Lebendgebärenden anders aufgebaut ist, kann man diese Fische überhaupt nicht färben, da muß man die Farbe durch Selektion züchten. Die Farbe von Korallenplatys ist also „echt”, sie „geht nicht ab”.
Und noch etwas Eigenartiges: Es kommt mir nämlich so vor, als ob die Farbe mancher Fischarten, die ich mit Astaxanthin gefüttert hatte, auch ohne Astaxanthin stabil geblieben ist. So habe ich immer noch einige NN (normale Neonsalmler, ich hatte für fast alle Fischarten Abkürzungen, um nicht die langen Namen auf die Aquarienscheiben oder die Plexiplättchen schreiben zu müssen) mit anormal kräftiger Farbe, sie haben um den roten Strich sogar einen schwarzen Rand. Und Robertsisalmler, die aussehen wie sehr gute Kirschfleck-Wildfänge. Allerdings bin ich nicht sicher, ob das nur von Astaxanthin kommt, da ich das nicht lange genug ausprobiert habe. Da müßte man noch „Langzeitversuche” machen.
Zur Verwendung: Das Astaxanthin ist in Gelatine „eingehüllt" und somit mechanisch sehr stabil. Damit es seine Wirkung entfalten kann, müssen die „Kugeln aufgerissen” werden. Das sieht in der Praxis so aus, daß man die Trägermischung - in den meisten Fällen wohl Rinder- oder besser Truthahnherz - so oft durch den Wolf geben muß, bis sie eine richtig rote Färbung angenommen hat. Alternativ kann man die Astaxanthin-Kugeln natürlich auch im Mörser zerstampfen und das feine Pulver dann unter die Trägersubstanz mischen.
Wird das nicht gemacht, geht das Pulver „oben rein” und „unten raus” - Wirkung = 0!

Zur Ethik:
Ich bin der Meinung, daß es egal ist ob einer Cyclops füttert, damit seine Fische bessere Farben bekommen oder gleich Astaxanthin nimmt. Der mit den Cyclops wird möglicherweise weit von sich weisen, die „Fische zu färben”. Machen tut er es aber trotzdem - nur verschweigt er die Wirkung derselben oder tut so, als ob er von nichts wüßte! Obwohl er es natürlich weiß! Da ist mir derjenige lieber, der seinen Fischen zusätzlich A. gibt und es offen sagt!
Fies ist in meinen Augen nur derjenige, der Fische oder anderes Getier färbt und behauptet es nicht zu tun!
Es soll aber auch Leute geben, die lautstark über „Fische färben” schimpfen, das aber nur deshalb, weil sie selber nicht an reines Astaxanthin herankommen. (Astaxanthin darf offiziell nur von und an Futtermittelhersteller ge- und verkauft werden. Außerdem ist es teuer)

Fazit:
Man kann Fische oder zumindest einige Arten durchaus „färben”. Bei manchen funktioniert das überhaupt nicht, bei anderen Arten nur bedingt, bei wieder anderen sehr gut. Es sind aber genaugenommen nur wenige Arten, die in Frage kommen. Es sind Apistogrammaarten und andere Barsche mit Rot- oder Blauanteil (Hemichromis), einige Salmler und gut. Soweit ich mich erinnern kann, sind Barben nicht farbiger geworden, da muß man dann auf gute Stämme achten - oder gutes Wasser. Bei Diskus habe ich es nie ausprobiert, ich habe in den letzten Jahren keine mehr gezüchtet.
Wenn man also als Normalaquarianer auf beste Farben seiner Fische Wert legt, muß man z.B. bei Wildfängen aus ausgesprochenen Weichwassergebieten eben tatsächlich weiches Wasser nehmen, ca. 100 - 150µS. Das weiche Wasser bringt es aber nicht alleine. Zusätzlich muß man das Wasser über Torf filtern und dadurch dunkler machen, es muß auch genügend Eisen vorhanden sein. Auch muß das Aquarium etwas dunkel eingerichtet sein und es müssen Stellen vorhanden sein, die zwar unten frei, aber von Pflanzen „überhängt” sind (es fällt mir momentan kein besserer Ausdruck ein). Eine Schwimmpflanzendecke tut es auch, obwohl ich kein Freund von Schwimmpflanzen in solchen Aquarien bin. Rotala_macrandra_Oberflaeche_333Stengelpflanzen, die an der Oberfläche entlang wachsen (z.B. Rotala macrandra) finde ich schöner. (Über die Nachteile solcher an der Oberfläche wachsenden Pflanzen wird etwas bei den Wasserpflanzen kommen) Auch sollte so ein Becken eher unterbesetzt sein. Der Nachteil dieser Aquarien ist, daß die Pflanzen meistens nicht so recht wollen, jedenfalls nicht so gut wie in ansonsten gleichen Aquarien ohne dunkles Torfwasser.
Daß solche Fische in einem Aquarium mit weißem Sand keine „optimalen” Farben haben muß eigentlich nicht extra gesagt werden! Es ist für einen guten Aquarianer der alten Schule selbstverständlich!
In meiner Jugendzeit hatte ich ein 70er (70x35x30), das nur mit Original-Torfstücken aus einem Oberallgäuer Torfstich (Tiefenberger Moor) und Cryptocorynen ausgestattet war, ganz ohne Sand. Die Keilfleckbarben darin hatten mehr als schöne Farben, es waren damals aber keine Wildfänge, es waren ganz normale Nachzuchten.

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Erstellt:  Februar 2006
Diese Seite wurde zuletzt am 7. Februar 2017 geändert.

 

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