Logo_143
Horn_150mr

 

Filter - warum? - weshalb? - wieso?

Spektrum

 

Ein Überblick über den Begriff „Filter” im Aquarium

line

 

Februar 2015:
Diese Seite sollte überholt werden!
Bei einem Gespräch mit einem eigentlich guten Aquarianer - dachte ich jedenfalls mal - habe ich festgestellt, daß da einiges für mich selbstverständliches nicht so recht klar ist. Deshalb sollte die ganze Filtergeschichte anders und besser erklärt werden.
Nachtrag:
Ob ich es wirklich machen werde ist eine anders Sache, da die Erfahrung gezeigt hat, daß die beste Erklärung viel zu oft auch nichts nützt. Die Leute wollen halt das machen oder haben, was die Industrie verkauft. Sollen Sie!


Filter. Was soll das eigentlich sein? Braucht man sowas überhaupt?
Provokative Antwort: Nein, man braucht ihn/es nicht unbedingt. Ob es DER oder DAS Filter heißt soll hier nicht diskutiert werden, richtig - aber nur theoretisch - heißt es DAS Filter. Theoretisch deshalb, weil die meisten Leute DER Filter sagen. Bei mir heißt es seit knapp 60 Jahren DER Filter - und so wird es auch meine restlichen Jahre bleiben!
Wie gesagt, man braucht ihn nicht unbedingt. Mein erstes „Fischglas” - ein vom Vater geopfertes ca. 5 Liter fassender runder Glasbehälter, in dem vorher medizinische Tupfer waren -  hatte keinen. Darin schwammen eine Elritze, ein kleiner Goldfisch und ein kleiner Scheibenbarsch. Das Glas wurde jede Woche ausgeleert und der Kies gewaschen. Es waren sogar einige Pflanzenranken drin. Während ich die Sommerferien in Bingen am Rhein verbringen durfte, hat die pflegende Person nicht ausgeleert und gewaschen, dafür hatten sich nach den 3 oder 4 Wochen die Pflanzen verdreifacht. Ansonsten war alles ok. Ich wundere mich heute noch, warum das mit dem Glas so gut funktioniert hat und warum Goldfisch und Barsch nicht gewachsen sind. Haben sie soo wenig Futter bekommen? Was aus dem Topf geworden ist, weiß ich nicht mehr, jedenfalls sind die Fische nicht gestorben.
Bis auf den Barsch - den habe ich umgebracht: Ich hatte einen „Aquarienheizer” eingehandelt und ihn in etwa halber Höhe waagrecht in dem ca. 40cm großen Aquarium angebracht. Nur war das gar kein Aquariumheizer, sondern ein Tauchsieder! Als ich den Barsch füttern wollte und er an die Oberfläche sauste, war er schlagartig tot. Das Wasser oberhalb des Heizers/Tauchsieders war so heiß, daß ich mir die Finger verbrannte. Daß die Glasscheiben das ausgehalten haben, ist mir heute noch ein Rätsel.
Ende der traurigen Story.
Also, man braucht zwar in der Theorie nicht unbedingt einen Filter, aber man handelt sich damit einige Unannehmlichkeiten ein. Man kann das Aquarium dann nur sehr spärlich besetzen, muss sehr sparsam füttern und das Becken sehr genau beobachten. Man kann es nicht beheizen, da das Temperaturgefälle dann zu groß wäre. Selbstverständlich kann man einen wasserdichten Heizer über dem Boden waagrecht installieren - dann kann das erwärmte Wasser großflächig nach oben steigen -  aber wirklich gehen tut das auch nicht. Mit einem Ausströmer zur Umwälzung - wegen der Temperatur - werden auch nur die Schwebeteilchen herum gewirbelt. Kurz: Es wird im Vergleich zu einem Aquarium mit Filter bedeutend empfindlicher reagieren.
Also - in der Praxis braucht man doch einen Filter! zwinkern-transp_neu
 

Was bewirkt ein Filter?
Innen- oder Außenfilter? Was ist besser?
Mit Luft betriebene Filter
Mit Kreiselpumpe betriebene Filter
Wie oft reinigen?
Kann man einen Filter auch sehr lange laufen lassen?
Welches Filtermaterial? Es ist eine eigene Seite über Filtermaterialien vorhanden, bitte HIER schauen.
Kann grobes Filtermaterial auch “fein” filtern?
Ein anaerober Filter, Spezialfilter zum Entfernen von Nitrat

 

Was bewirkt ein Filter?
Es wirken mehrere Faktoren zusammen:
1.  die mechanische Siebwirkung des Filtersubstrates,
2.  chemische Umsetzungen,
3.  adsorptive Vorgänge in den Grenzschichten des Substrates (also auch von gröberem) und
4.  biologische Vorgänge, an denen Bakterien, Algen, Protozoen und anderes Getier beteiligt sind.

Ein Filter ist also ein komplexes Zusammenwirken von mehreren Dingen. Er bewirkt mehreres, zuerst ist er - bzw. natürlich die Füllung desselben - Besiedlungsfläche für Bakterien, welche die anfallenden Stickstoffverbindungen (übriggebliebenes Futter, Ausscheidungen der Tiere und abgestorbene Pflanzenteile usw) über verschiedene Zwischenstufen in relativ harmloses Nitrat umwandeln. In dem Filtersubstrat verfangen sich aber auch große Mengen von frei im Wasser treibenden Partikeln oder eben Schwebestoffe, die das Wasser des Aquariums trüben würden, wenn sie nicht im Filter „herausgefiltert” würden (genauer: adsorbiert). Somit ist die Meinung, daß ein Filter, bzw. die Filterfüllung NUR als Besiedlungsfläche für Bakterien gut sei, nicht richtig. So ähnlich ist es mit der Übertreibung der Wirkung des Mulms. Natürlich ist ein guter Mulm von Bakterien besiedelt. Die Bakterien in einem funktionierenden Filter reichen aber vollkommen, da braucht man keinen extra Mulm mehr im Aquarium. Meiner Meinung nach kommt die Glorifizierung des Mulms aus der Kläranlagentechnik, da ist der Mulm - oder eben der Belebtschlamm - die „tragende” Substanz der abbauenden Bakterien. Im wahrsten Sinne des Wortes: An dem durch große „Ausströmer” herumgewirbeltem „Belebtschlamm”, der nur aus Mulmpartikeln besteht, sitzen die Bakterien, ohne diesen Mulm/Schlamm würde keine moderne Kläranlage funktionieren!
Das Problem an den Vergleichen mit den Kläranlagen ist, daß dieses Prinzip in einem relativ (zu kommunalen Kläranlagen) sauberen Aquariumwasser nicht funktioniert! Die ganze Kläranlagengeschichte habe ich nach längeren Gesprächen mit einem leitenden Ingenieur der Münchner Kläranlagen in Großlappen um 1975 herum abgeschlossen. Die heutigen Anlagen sind zwar etwas anders konstruiert, man kann sie aber immer noch nicht mit einem Aquariumfilter vergleichen.
Nun wird Mulm in einem „normalen Wohnzimmeraquarium” zwar nicht schaden, in einem überbesetzten Aufzuchtbecken wird es aber besser sein, ihn regelmäßig abzusaugen. So jedenfalls handhaben es die Praktiker! Die reinigen die Filter auch in relativ kurzen Abständen. Und man wird sich wundern - oder besser; man wundert sich eigentlich nicht, welche Menge an „Dreck” man aus einem Filter herausspülen kann. Das ist alles Mulm!
Obiges muss genauer erklärt werden: Mit den Praktikern habe ich Berufszüchter gemeint, da ist es sinnvoll, die Filter regelmäßig zu reinigen. Außer man hat einen Zentralfilter, da sieht das wieder anders aus. Oder bei einem Wohnzimmeraquarium, da kann man es sich unter Umständen durchaus leisten, den Filter monatelang laufen zu lassen, ohne daß es zu negativen Auswirkungen kommt.
Man sieht hier deutlich, daß es keine wirklich gute Empfehlung geben kann, wie lange man einen Filter laufen lassen „darf”.  Das hängt einfach von zu vielen Faktoren ab. Je weniger Erfahrung man mit der Aquaristik hat, desto öfter sollte man den Filter reinigen.
Daß ein „normaler” Aquarienfilter nur unter aeroben Bedingungen (Sauerstoff enthaltendes Milieu)  funktionieren kann, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Weniger bekannt ist eventuell, daß man mit einfachen Mitteln einen anaeroben Filter (ohne Sauerstoff) betreiben kann, mit welchem man Nitrat aus dem Kreislauf entfernt. Kommt weiter unten.

oben


Innen- oder Außenfilter?
Beide haben Vor- und Nachteile!
Ein Innenfilter ist leichter zu installieren, er hat keine Schläuche, welche sich lösen und das Wohnzimmer unter Wasser setzen können. Von Nachteil ist, daß er die Ästhetik stört - jedenfalls meine - und Platz im - meistens eh schon zu kleinen - Aquarium benötigt. Auch ist man in der Regel auf weniger Füllmaterialien beschränkt.
Bei Außenfiltern gibt es eine Vielzahl von Modellen. 160er_Aussenfilter_Einsatz_abtropfen_333Die meisten sind gut, einige sind es weniger. Mir sind die Topffilter, bei denen das Wasser unten hinein und oben wieder heraus geht, immer noch am liebsten. Der Nachteil dieser Konstruktionen ist die - trotz inzwischen üblicher Absperrhähne und Kupplungen - etwas umständlichere Handhabung. Die heute gebräuchlicheren Modellen, bei denen das Wasser oben hinein und auch oben wieder heraus geht, sind zwar in der Handhabung recht bequem, aber die meistens recht kleinen „Kästchen”, wo man das Filtersubstrat einfüllen kann, sind mir nicht sympatisch. Es ist irgendwie eine Spielerei. Lustig zum einfüllen, in jedes Schälchen etwas anderes! Richtig anfreunden konnte ich mich mit denen noch nie. Sie werden aber von den Kunden verlangt, da sie bequem in der Handhabung sind. Sie sind halt ganz einfach „modern”.
(Nachtrag 2016; inzwischen sind zumindest diese Art Filter von Eheim sehr gut)
Dann gibt es noch die offenen Außenfilter. Früher waren sie häufiger. Der Vorteil dieser Konstruktionen ist der, daß man sie leichter reinigen kann. So macht man die Filterreinigung vielleicht häufiger. Bild rechts ein Eigenbau mit schräg gestelltem Einsatz zum abtropfen. Im Hintergrund ein CO2-Kontaktrohr. Auch Eigenbau.

oben


Kann „grobes Filtermaterial” auch „fein” filtern oder braucht man dazu unbedingt „feines Filtermaterial”?
Versuch einer einfachen Erklärung: Vergleicht man ein Kaffesieb mit einem Teesieb, so wird man feststellen, daß das Kaffeesieb feiner ist. Gießt man also Kaffeemehl durch ein Teessieb, so geht es durch. Logisch! Stellt man sich aber eine Filterfüllung in einem Aquarienfilter mit der „Maschenweite” eines Teesiebes vor und  gießt Partikel von Kaffeemehlgröße hindurch, so wird das Kaffeemehl im Filter „hängen” bleiben. Nicht in einem neu gepackten Filter, aber in einem eingelaufenen. Der Grund ist der, daß das Kaffeemehl an der Oberfläche der Filterfüllung „kleben” bleibt.
In einem Aquariumfilter werden die Schwebeteilchen nicht nur mechanisch zurück gehalten, also „heraus gefiltert”. Sie bleiben nicht nur am oder im „Substrat hängen”, weil die „Maschenweite” des „Siebes” - eben der Filterfüllung - feiner als die Partikel sind, sondern sie werden auch an dem Substrat
adsorptiv festgehalten. Sie bleiben also auch an der Oberfläche von gröberem Substrat „kleben”.
Daher wird man sich manchmal wundern, daß selbst so grobes Filtermaterial wie Biobälle oder ähnliches „fein filtern” kann. Natürlich nicht so fein, wie z.B. Aktivkohle, welche ganz viele feine Kanäle und somit eine ganz feine „Maschenweite” hat, aber für die „große Maschenweite” immerhin sehr fein. Zwar funktioniert das mit Aktivkohle nicht ganz so einfach, da spielt die große Oberfläche auch eine Rolle. Aber in etwa stimmt das schon.

oben


Wie oft soll man den Filter reinigen?
Wie so oft in der Aquaristik - es kommt darauf an!
Wenn man eine größere Menge Fische aufzieht, so wird man versuchen, so häufig wie möglich Wasser zu wechseln und auch den Filter öfter reinigen. Schließlich gilt der alte Satz von Hückstedt immer noch:
Dreck bleibt Dreck, auch wenn man ihn nicht sieht” (Aquarientechnik von Guido Hückstedt, Frankh’sche Verlagshandlung).
In einem eher unterbesetzten Wohnzimmeraquarium mit gutem Pflanzenwuchs kann man sich den Luxus leisten und den Filter längere Zeit laufen lassen. Das kann bei einem groß genug dimensionierten Filterbehälter durchaus ein Viertel oder ein halbes Jahr sein, oder sogar noch länger. Wasser wechseln sollte man in dieser Zeit natürlich trotzdem.
Nebenbei habe ich auch schon viele Aquarien getrieben, an denen ich viele Monate außer füttern gar nichts gemacht habe. Und diese Aquarien haben auch noch sehr gut funktioniert. Auch wenn es für mache Menschen „eigenartig” sein mag.

oben


Kann man einen Filter auch „sehr lange” laufen lassen?
Dazu muss man zuerst den Begriff „sehr lange” definieren. In diesem Fall kann das durchaus ein halbes bis auch ein ganzes Jahr sein! Oder auch noch länger!
Laden_Aquarien_vorne_2_ThEine Sache aus unserem Münchener Ladengeschäft:
Alle Aquarien der Reihe auf dem Foto links hatten eine hinter der Rückwand eingeklebte Filterkammer mit einem herausnehmbaren Filtertopf - so ähnlich wie auf dem Foto weiter oben, nur daß die Töpfe damals rund waren. Beim regelmäßigen Wasserwechsel - jedes dieser Aquarien hatte einen eigenen Ablauf - wurden diese Töpfe ausgeleert und neu befüllt. Die Füllung - Perlonwatte - wurde meistens weggeworfen. Es fiel mir damals auf, daß es neben Töpfen mit verschlammter Watte auch welche verschlammte-Watte_333gab, bei denen die Watte nur viel dunkler gefärbt war, aber in keiner Weise irgendwie zusammengedrückt oder verschlammt war. Wie eine verschlammte Filterwatte aussieht, kann man auf dem Foto rechts sehen. Damals konnte man auch sehr gut den unterschiedlichen  Verschmutzungsgrad der Filter bei den verschiedenen Aquarien/Fischarten sehen. Nach und nach habe ich es hinbekommen, daß die Filter länger liefen und nicht verstopften. Letztendlich habe ich dann nur noch Wasser gewechselt und die Filter einfach laufen lassen. Ausnahmen waren nur die Goldfischbecken der untersten Reihe. Da hat das nie so richtig funktioniert. Da war wohl das Filtervolumen im Verhältnis zum Besatz zu gering.
Natürlich kann man jetzt nicht jedem Anfänger raten, den Filter nicht mehr zu reinigen. Damit wird er wahrscheinlich Schiffbruch erleiden. Aber ein versierterer Aquarianer mit Fingerspitzengefühl kann es ja durchaus mal versuchen. Bei meinem Wohnzimmeraquarium habe ich bestimmt seit einem Jahr den Filter - einen 20-L-Eheimtopf - nicht mehr gewechselt. Es funktioniert alles sehr gut und das Wasser ist fast übermäßig klar. Das hängt natürlich auch damit zusammen, daß das Aquarium eher unterbesetzt ist.
Aquarium_NebelOb oder wie klar ein Aquarium wirklich ist, kann man sehr gut nachts mit einer stärkeren Taschenlampe feststellen. Man wird sich wundern, wie „neblig” das Aquarium ist. Siehe Foto rechts. Man kann natürlich auch eine Zeitung zum testen nehmen. Man sollte sie bei einer Aquariumlänge - vielleicht besser Wasserlänge -  von 160cm noch gut lesen können.
Daß ein Filter mit einer groben Füllung - z.B. Tonröhrchen - länger läuft als einer mit z.B. feiner Filterwatte oder Watteflies ist natürlich klar. Aber es können auch Filter mit feinerer Füllung sehr lange laufen. Speziell wenn sie richtig gepackt sind. Dazu steht auf der Seite „Filter richtig packen” mehr.  Auch kommt es sehr auf den Besatz des Aquariums und die Fütterungsgewohnheiten des Pflegers an. Zudem belasten die verschiedenen Fischarten den Filter auch noch unterschiedlich stark. So produzieren etwas größere Barben - Sumatrabarben usw - ,alle Lebendgebärende und Barsche oder gar Goldfischarten das Wasser mehr als z.B. Salmlerarten.

oben


Ein anaerober Filter, ein Filter mit einem sauerstofflosen MilieuEheimtopf_alter_Th zum Entfernen von Nitrat.
Dazu nehme man einen Eheimtopf mit 2 oder besser 5 Liter (kommt auf die Größe des Aquariums, bzw. auf die Menge des zu entfernenden Nitrats an) und fülle ihn mit „Siporax” (oder wenn man bekommen kann mit sehr porösem Lavakies). Jetzt installiert man einen Baypass vom Filter durch diesen Eheimtopf. Und zwar unten hinein und oben wieder heraus - nicht umgekehrt! Der Durchsatz muß so gering eingestellt werden, daß sich im Nitratfiltertopf ein anaerobes Milieu einstellt. Also Durchlauf nur tropfenweise. Nach einiger Zeit ist aller Sauerstoff in dem Topf verbraucht und die anaeroben Bakterien fangen an, das Nitrat zu zerlegen. Anfangs wird noch Nitrit im - tropfenweisen - Auslauf ins Aquarium sein, aber auch das wird sich einpendeln. Das Ganze funktioniert so ähnlich wie die Nitratentfernung mit Holz, (siehe hier) nur viel einfacher!
Man sollte bei solch einem Nitratfilter aber auch darauf achten, daß immer etwas Nitrat im Einlauf vorhanden ist. Ist nämlich keins mehr da, so kommt ganz übel riechender Schwefelwasserstoff zum Auslauf heraus. (Auf der Seite „Nitratentfernung mit Holz” steht mehr darüber)

oben

Spektrum

 

Erstellt: 11 September 2011
Diese Seite wurde zuletzt am 20. Oktober 2016 geändert.

 

© 2006 - 2017  Uwe J. Splett, www.afizucht.de