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Die Zucht von Enchyträen

Balken_Futterzuchten

 

Eine sehr ausführliche Seite über die Zucht von Enchyträen, Enchytraeus albidus

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Übersicht
Das Substrat
Der Behälter
Temperatur
Futter
Wie oft füttern
Die Feuchtigkeit
Probleme
Futterwert
Enchyträenentnahme
Andere Substrate
Anderes Futter
Erklärung zum Substrat, warum Rindenbrikett und ähnliche Substrate so gut und so lange funktionieren.
Original-Afizucht, einige Sätze aus der alten Afizucht

 

Übersicht
In der alten Afizucht sind über  Enchyträen mehrere Seiten vorhanden, ich werde versuchen das wichtigste einigermaßen einzukürzen. Die Geschichte mit den Enchyträen ist nicht ganz einfach. Ich meine damit eigentlich nicht die Zucht an sich, sondern das ganze Gerede drumherum. Es gibt jede Menge Zuchtanleitungen - jeder hat eine eigene „Spezialmethode”. Dagegen wäre ja nichts einzuwenden, aber... -  wenn man dann genauer nachfragt, dann hat fast keiner von diesen Leuten jemals richtig Enchyträen gehabt oder eben nie richtig „geerntet”! Und das ist ja schließlich der eigentliche Sinn der Sache! lachen-transp
Also gleich vorneweg, die erfolgreiche Zucht von Enchyträen über einen längeren Zeitraum ist ziemlich schwierig. Kurzfristig wird vieles funktionieren, die Frage ist nur wie lange. Ich habe „richtige Enchyträenzucht” auch nicht beherrscht, bzw. nie besonders viele Enchyträen „geerntet”. Und wenn doch, so nicht besonders lange. Bis ich vielleicht um 1985 an einen Aquarianer geraten bin, der folgende Methode praktiziert hat:
Er hat aus alten Pappelstümpfen das schon vermoderte Holz herausgekratzt, es mit „Walderde” gemischt (was er mit „Walderde” gemeint hat, habe ich eigentlich nie richtig herausbekommen, siehe auch weiter unten) und in einen „Südamerika-Karton” gegeben. Ein Südamerika-Karton ist ein Styroporkarton, in dem Fische eben aus Südamerika importiert wurden (ob sie immer noch in den selben Boxen verschickt werden weiß ich nicht) mit dem Maße von ca. 45x45x25 cm. Auf den Boden des Kartons hat er noch Rotbuchenblätter getan. Gefüttert wurde ausschließlich mit Haferflocken! Die Haferflocken muß man aufkochen - mit Wasser. Nicht mit Milch! Die Methode habe ich sehr viele Jahre praktiziert und verfeinert und richtig viel Enchyträen geerntet. Unter „richtig viel” verstehe ich, daß ich zeitweise zwischen 50 und 100 ccm reine Würmer aus dem Keller hochgeholt habe - täglich!

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Das Substrat
Rindenbrikett_trocken_ThDa es sehr schwierig und mühsam ist, das vermoderte Holz aus den Baumstümpfen herauszukratzen und es hier fast keine Pappeln gibt, habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht. Auch nach „Walderde” habe ich immer gesucht. Das ist der Begriff, der immer wieder in den Anleitungen für die Enchyträenzucht auftaucht und obwohl wir auf dem Land wohnen und es hier viel Wald gibt (Naturpark Augsburg Westliche Wälder), habe ich eigentlich nirgends typische „Walderde”Rindenbrikett_30er_1_Th gefunden. Wie auch! Wald setzt sich aus den verschiedensten Bäumen zusammen, grob eingeteilt in Laub- und Nadelwald. Einer versteht bei Walderde vielleicht verrottete Nadeln (Fichte, Tanne, Kiefer) und der andere verrottetes Laub. Aber weder das eine noch das andere ist Erde! Und Wald-Erde kann wie jede andere Erde z.B. lehmig, sandig oder sonst was sein! Das ist so ähnlich wie mit den berüchtigten Maulwurfshaufen! Ich habe in Microsofts Encarta und im Brockhaus nichts und auch im schlauen www nichts konkretes über Walderde gefunden! Nimmt man also die „Erde aus dem Wald”, so besteht die hier aus allem möglichem, ist aber als Enchytäensubstrat nicht wirklich zu gebrauchen! zwinkern-transp_neu
Pro_Flora_ThSo habe ich es mit kompostierten Blättern (Lauberde) und allem möglichem versucht. Am Ende dieses Artikels werde ich alles Rindenbrikett_30er_2_Thauflisten, was ich ausprobiert habe und mit dem ich nicht zufrieden war. Nach einiger Zeit bin ich bei Rindenbriketts gelandet. Ähnlich gut und überall erhältlich sind auch Kokobriks (pro-flora). Ich werde unten einige Absätze aus der Orignal-Afizucht anhängen, wie ich mit diesem Material verfahren bin. Diese Rindenbriketts sind zum heizen nicht so richtig geeignet, da sie sehr viel Asche hinterlassen und auch mal Steinchen dabei sind (ich bin überzeugter Holzheizer - jeder spinnt eben auf seine Art lachen-transp).
Rindenbrikett_feuchte_Struktur_ThFür Enchyträen sind sie aber das Ideale Substrat! Wenn man die gepreßten Briketts in wenig Wasser einweicht, zerfallen sie zu einem erdeähnlichen Substrat, in dem noch einzelne Rindenstückchen zu erkennen sind. Dieses Material habe ich in die Styroporkisten gegeben und auch in Plastikeimer. Bei den Eimern habe ich 12-Liter-Baueimer genommen und auch 25-Liter-Garteneimer, die gibt es billig im Baumarkt. Es hat mit den Eimern genausogut funktioniert wie mit den Styroporkisten! (Zwischenzeitlich habe ich auch mal große Tontöpfe mit gut 30cm Durchmesser probiert, sie außen lackiert, damit die Erde nicht so schnell austrocknen sollte - war alles nicht so gut). Manchmal habe ich unten in die Behälter als Drainage Lavakies gegeben. In die Eimer habe ich unten ein kleines Loch gebohrt, damit eventuell zu viel gegebenes Wasser abfließen konnte. Die Behälter standen in einem Keller unter der Doppelgarage, in dem auch der Verdichter für die Aquarienfilterung stand.

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Der Behälter
Die Wahl der Behälter ist nicht so wichtig. Das wird gerne überschätzt. Anfangs hatte ich nur Südamerika-Styroporkisten (45x45x25) und gedacht, daß sie das Nonplusultra seien. Später habe ich andere Behälter ausprobiert und die waren auch nicht viel schlechter! Siehe vorigen Absatz. Vielleicht sollte man bedenken, daß die richtige Feuchtigkeit in einem größeren Behälter - mehr Volumen - leichter aufrecht erhalten werden kann als in einem kleinen Behälter. Somit kann ein größeres Volumen eventuell besser sein.
Der Vorteil der Styroporkisten ist vielleicht die gute Isolierung und der Deckel. Gibt man auf die Erde warmen Haferflockenbrei und legt den Deckel auf, so kriechen die Würmer die Wände hoch und man kann sie gut abstreifen und in einen anderen Behälter geben. Nur darf man bei warmen Haferflocken den Deckel nicht zu lange drauf lassen, da die Würmer sonst absterben können. Überhaupt halte ich nichts davon, wenn man die Würmer abdeckt. So kann man zwar wahrscheinlich die Feuchtigkeit besser kontrollieren, aber nach meinen Erfahrungen ist es besser, wenn die Behälter völlig offen sind - auch ohne Glasscheibe! Dann muss man zwar mehr auf die Feuchtigkeit achten, aber das hat den Vorteil, daß man die Würmchen mehr beachten muss - und das ist eben mit das wichtigste bei der ganzen Enchyträengeschichte! zwinkern-transp_neu
Noch etwas zum „umsetzen” von Enchyträen: Will man eine Kultur teilen, so geht das recht gut, indem man die Temperatur des Substrates erhöht. Das geht von oben nach unten und auch von unten nach oben - die Temperaturerhöhung. Von oben meistens besser, da man z.B. Styropor nicht auf eine Heizplatte/Heizmatte stellen kann. Im Sommer bei gutem Wetter reicht es, wenn man die Kisten in die Sonne stellt. Ansonsten kann man die Sonne durch einen Infrarot-Strahler ersetzen. Die obere Schicht Erde wird dabei erwärmt und die Würmer marschieren nach unten in kühlere Schichten. Jetzt entfernt man die erwärmte obere Schicht und erwärmt die nächste Schicht. Zum Schluss befinden sich alle Würmer am Boden der Kiste. Fertig.

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Temperatur
Original Afizucht:

„23.08.96, die Temperatur im Keller beträgt 21,6°, mit Tunze Thermometer gemessen, ca. 10 cm über dem Boden frei hängend.
24.01.97, die Temperatur im Winter bei bis zu 15° minus Außentemperatur beträgt ziemlich konstant 7°, genauso wie im Sommer gemessen.
21.02.03, wir haben seit mindestens 4 Wochen Dauerfrost, auch tagsüber bei Sonne nur wenige Grade über 0, Nachts manchmal sogar unter 10° minus. Im Keller sind momentan 9°. Die Enchyträen sind gut, habe gerade aus 2 Eimern gute  50 ccm raufgeholt. Also: 9° sind ok.
Die Umgebungs-Temperatur scheint mir nicht so wichtig zu sein, da ich zwischen Sommer (21,6°) und Winter (7°) eigentlich keinen Unterschied im Verhalten der E. bemerkt habe.”
Ende Afizucht.

Als Nachtrag ist vielleicht zu bemerken, daß die Kisten direkt auf dem Beton-Boden standen und ich nicht die Temperatur in den Kisten, sondern die Luft 10cm über dem Boden gemessen habe. Die Temperatur in den Kisten mag vielleicht geringfügig anders gewesen sein.
Auch hat es in den letzten Jahren einige sehr heiße Sommer gegeben. Ich kann mich erinnern, daß es manchmal so heiß war, das ich Bedenken hatte, der Verdichter könnte zu heiß werden und die Garagentore und den Kellerabgang geöffnet habe, damit es im Keller Durchzug gegeben hat. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß die Temperatur manchmal um einiges über 21,6° gelegen hat.

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Nun zum Futter
Afizucht:
„November 1993: z.Z. füttere ich E. folgendermaßen: 2 l Wasser aufsetzen, sofort 600 ccm Haferflocken zugeben (wenn man die H. später dazugibt, wird der Brei nicht so „schmierig”, am besten kaltes Wasser nehmen) und kurz richtig aufkochen, (aufkochen ist wichtig), wenn man mehr Wasser nimmt, wird's flüssiger, aber dann wird die Erde eventuell zu feucht, man muß probieren, je nach Durchlässigkeit des Enchytrtäen - Behälters”.
Soweit Original Afizucht.

Es gibt nur ein wirklich gutes und einfaches Futter und zwar gekochte Haferflocken. Alles andere ist nicht so gut! Die preiswertesten und besten Haferflocken gibt es bei einem Discounter für ca. 35 Cent das Päckchen, sie sind letztlich billiger als ein 50-kg-Sack aus dem Lagerhaus! Man muß den Haferflockenbrei richtig aufkochen und eine Weile kochen lassen, dabei umrühren. Wenn man umrührt, kocht er nicht über. Er wird dabei flüssiger, die einzelnen Haferflocken werden „verkocht”. Wenn man die Haferflocken lange genug aufkochen läßt, bleiben auch (fast) keine Schlauben übrig, der Brei wird auch schleimiger. Die Würmer wollen nicht beißen - sondern lutschen! Am besten geht das, wenn man kaltes Wasser und die Haferflocken zusammen in einen Topf tut und aufkocht. Vorsicht! Man muß unbedingt dabei stehen bleiben, da die Haferflocken ganz schnell überkochen und dann eine große Schweinerei machen. Der Brei muß ziemlich flüssig sein und „zerlaufen”. Er sollte nicht als Kloß auf dem Löffel bleiben, sondern fast wie eine Suppe herunterlaufen! Diese Suppe schüttet man einfach auf die Erdoberfläche und gut. Man muß keine Kuhle machen (die entsteht von alleine) und man sollte auch keine Glasscheibe auflegen. Bei einer gut funktionierenden Kultur kann gut ein Drittel der Oberfläche mit Futterbrei bedeckt sein! Man kann mit der Konsistenz des Futters die Feuchtigkeit in der Zuchtkiste steuern. Im Sommer feuchter, im Winter bei niedrigeren Temperaturen fester!
Übrigens: Es gibt nicht einen vernünftigen Grund anstatt Wasser Milch zu nehmen. Außer dem, daß mit Milch aufgekochte Haferflocken schneller vergammeln als mit Wasser aufgekochte, sie werden halt sauer. Aber daß ist ja wohl kein vernünftiger Grund! zwinkern-transp_grau

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Wie oft füttern?
Ein professioneller Enchyträenzüchter hat ein mal gesagt: „Kümmern, kümmern” und hat gemeint: „füttern, füttern”.
Original Afizucht: „Eigentlich, oder offenbar gibt es gar kein „Enchyträen-Geheimnis”: Es ist ganz einfach so, daß die Würmer sehr, sehr viel Futter brauchen. Man muß sie alle paar (3?) Tage füttern. Momentan fressen sie das Futter in vielleicht 2 Tagen auf, dann muß ich ihnen spätestens am 4. wieder neues Futter geben. Ganz einfach: Sie müssen so viel Futter bekommen, daß nur an einem Tag kein Futter in der Kiste ist, am nächsten muß schon wieder nachgefüttert werden. Wenn man sie so mästet, dann werden es auch immer mehr. Man kann dann richtige „Würste” mit Würmern um den Futterbrei abnehmen.”
Wenn man anfängt, die Kultur „zu vergessen” kann man sie auch tatsächlich vergessen, dann funktioniert sie nämlich nicht mehr. Kontinuität ist da ganz wichtig!!

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Die Feuchtigkeit in der Kulturerde ist neben der Häufigkeit des Fütterns der zweite wichtige Faktor. Ich habe sie mit einer Zerstäuberflasche geregelt, später hatte ich dann zwei 1-Liter-Plastikflaschen mit einem kleinen Röhrchen dran. Wenn die Erdoberfläche anfängt trockener zu werden, die Oberfläche einsprühen. Fast ein klein wenig naß oder gut feucht halten. Jedenfalls mehr feucht als trocken, aber auch nicht naß. Trockenheit ist sehr schlecht für die Kultur. Wenn das Substrat zu naß ist, marschieren die Enchyträen zuerst an die Oberfläche und bedecken sie „flächig”, wenn es dann noch nasser wird, gehen sie „die Wände hoch”, sie marschieren also aus der Kiste heraus. Wenn man eine neue Kiste machen will und die Enchyträen aus der alten Kiste heraus haben will, füttert man warme Haferflocken und deckt die Kiste zu, wenn es dann in der Kiste „dämpfig” wird, marschieren die E. dann die Wände hoch und man kann sie rein entnehmen. Das darf man aber nur einen Tag machen, da die Würmer sonst absterben können.

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Probleme
Die größten Schwierigkeiten hatte ich immer mit Regenwürmern. Irgendwann sind sie immer wieder aufgetaucht und ich habe auch keine echte Methode gefunden, sie aus den Kisten heraus zu halten. Auch waren mal Milben in den Kulturen. Die Milben waren in fast allen Kisten, habe Spruzit von Neudorff verwendet, nach mehrmaligem Sprühen sind die Milben weniger geworden. Den Enchyträen hat es offenbar nicht geschadet. Richtig geholfen hat es aber auch nicht. Wer weiß, ob sie von alleine nicht auch weniger geworden wären! Wermuthkraut hat bei mir auch geholfen, es scheint gut zu sein. Habe das Kraut als eine Art Tee im Beutel gekauft und den Inhalt der Beutel auf die Erde geschüttet.
Andere Methoden, die ich aber nicht ausprobiert habe, sind: Der Aquarianer, von dem ich meine E. habe stellt die Kisten mit Milben 2 - 3 Tage ins Freie, die Ameisen fressen die Milben auf - sagt er. Man soll die Enchyträen auch mit Zwiebelsud übergießen. Man soll auch die Enchyträen füttern und dann die Kultur inklusive Futter lückenlos mit 1-2 cm absolut trockenem Sand bedecken und 1 Woche stehen lassen. Dann den Sand untermischen. Diese Methode finde ich nicht gut, da Sand in der Erde bei mir das ganze Substrat „batzig” gemacht hat, also das Gegenteil von „locker”.
Mit Fliegen irgenwelcher Art habe ich nie Schwierigkeiten gehabt. Ganz einfach deshalb weil Spinnen im Keller waren - und die sind bekanntlich die Feinde der Fliegen!

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Futter-Wert
Allgemein wird immer behauptet, daß Enchyträen zu viel Fett enthalten würden. Eigenartigerweise kommt niemand auf den Gedanken, daß Regenwürmer oder Tubifex, mit denen  Enchyträen verwandt sind, fett wären! Spielt da möglicherweise die weiße Farbe eine Rolle? Weiß = fett? Dazu kann ich nur sagen, daß Enchyträen das mit Abstand beste Futter sind, um Fische zum laichen zu bewegen. Bei Corydoras bewirken sie Wunder. Es funktioniert eigentlich bei allen Fischen. Sie sind bedeutend wirkungsvoller als die so gepriesenen schwarzen Mückenlarven, die ich auch in größeren Mengen „gezüchtet” und natürlich auch gefüttert habe. Gezüchtet in Anführungszeichen, da man sie nicht züchten kann, man kann ihnen nur ein geeignetes Milieu in Form von Wannen oder ähnlichem anbieten, vermehren tun sie sich dann von alleine. Es ist somit kein „züchten”. Genaueres steht unter „Schwarze Mückenlarven.”
Auch wenn ich mich da wahrscheinlich mehrmals wiederholen werde: Man muß lernen, zwischen den Zeilen zu lesen! Wenn jemand z.B. behauptet, daß Enchyträen fett seien und dann einige Zeilen später schreibt, daß Enchyträen unbedingt 20 Grad benötigen würden, weiß ich daß er sich - höflich ausgedrückt - irrt. Weil ich es ganz einfach anders erlebt habe! Somit kann ich das mit den fetten Enchyträen auch nicht glauben!
Leider passieren solche Sachen öfter - oder anders: Ich kenne sehr viele solche Beispiele. Deshalb ist für mich seit langer Zeit ein Dr. oder auch Professor noch keine Garantie für solides Fachwissen. Es ist zwar meistens so - aber eben leider nicht immer.
Noch eine Warnung: Sollte nun ein Aquarianer ohne die geringste Zuchterfahrung meinen, er könnte seinen Fischen mal eben Enchyträen geben und schon hätte er junge Fische, so irrt Derjenige. Die Enchyträen alleine machen es natürlich auch nicht.

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Enchyträenentnahme
Das war ganz einfach: Um den Futterbrei war immer ein Ring mit reinen Würmern der immer enger und auch dicker wurde, je mehr Futter aufgefressen war. Zum Schluß war in der Mitte nur noch ein Häufchen und dann gar nichts mehr. Ich bin einfach mit der Gabel den Enchyträenwulst entlanggefahren und habe die Würmer „aufgabelt”. Ansonsten - wohl bei den meisten Enchyträenzüchtern -  wird der Futterbrei auf eine Glasscheibe geschmiert und die Glasscheibe dann auf die Kulturerde gelegt. Da kann man dann die E. relativ rein abkratzen.
Letztens habe ich gelesen, daß manche „Enchyträenzüchter” das ganze Substrat auswaschen um an die Enchyträen zu kommen, es ging da um Seramis oder Blähton. Ehrliche Meinung - dümmlicher geht es eigentlich nicht mehr! Eine Enchyträenkultur braucht viele Wochen um richtig zu laufen - und da machen diese Leute die ganze Kultur kaputt - nur um an die Würmer zu kommen!!!

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Andere Substrate, die ich ausprobiert habe
Komposterde, eigene:
Die Erde habe ich ausgesiebt und im Backofen 2 Sunden und länger im Bräter bei 200 Grad erhitzt. Die Erde war auch innen über 100° heiß, mit Steckthermometer gemessen. Der Erfolg war, daß die ganze Küche/Wohnung gestunken hat und nach einiger Zeit trotz der hohen Temperatur Regenwürmer bei den Enchyträen waren. Mikrowelle ist auch nicht besser. Ich habe die Erde auch in einem alten Tempokochtopf (wie Sicomatik) gekocht, das war besser, der Aufwand jedoch enorm.  Fazit: nicht so gut. Obwohl theoretisch ab spätestens 60° alle Würmer und Wurmeier (alles Eiweiß) hinüber sein müßten haben die Viecher das offenbar irgendwie  überlebt.
Lauberde, eigene; das ist kompostiertes Laub. Da hatte ich auch immer Schwierigkeiten mit Regenwürmern.
Seramis: schlechte Erfahrungen, alle Kulturen in diesem Substrat haben auf Dauer nicht funktioniert.
Buchenblätter unter dem Substrat waren auch nur Augenwischerei, sie waren beim entleeren der Kisten plattgedrückt und sonst nichts - was hätten sie auch bewirken sollen.
Komposterde aus Gemeindedeponie: auch Regenwürmer
Profloraerde: Diese Erde hat 10% Humusanteil und war zumindest nicht schlecht. (steht in der Afizucht, kann mich aber nicht mehr an diese Erde erinnern)
Rindenmulch in Säcken: wenn man die Richtigen erwischt, nicht schlecht. Wenn es Fichtenrinde ist und schon etwas zersetzt, sogar gut bis sehr gut.
Sägemehl, auch mehrere Jahre altes, mehr oder weniger oder auch völlig verkompostiert, unter dem Strich nicht gut. Habe da alles mögliche von Mehl bis Späne mit allen möglichen Holzarten ausprobiert, das waren sehr aufwendige Versuche über mehrere Jahre hinweg: alles schlecht.
Sand: wir haben hier im Dorf eine Sandgrube mit ganz feinem Sand, wie Seesand. Wenn man ihn sehr gut spült ist er für Corydoras ideal, für Enchyträen ist er nicht gut, er macht das Ganze „batzig”.
Kokobriks (Foto) ist zumindest zum Aufstreuen sehr gut geeignet, es kann viel Stickstoff aufnehmen/neutralisieren. Ich habe es zeitweise genommen.
Ich kenne auch einen Profizüchter, der nimmt Hochmootorf als Substrat und ist zufrieden. Sagt er.
Großzüchter nehmen gerne Kompost, der ist leicht zu beschaffen. Sie haben dann aber auch alle Regenwürmer drin!

Diffuse Bezeichnungen:
Walderde, dieser Begriff taucht immer wieder im Zusammenhang mit Enchyträen auf. Ich habe nie herausbekommen was damit gemeint ist. Der Wald wächst auf den unterschiedlichsten Böden, eine typische „Walderde” kann es somit nicht geben. Wenn damit zersetztes Laub gemeint ist, also „Lauberde” dann ist sie nicht gut.
Erde von Maulwurfshaufen, ein völlig irreführender Begriff, der auch in Gartenbüchern gerne verwendet wird. Man braucht aber nicht lange nachzudenken um festzustellen, daß es keine wirkliche „Maulwurfserde” geben kann! Maulwürfe kommen nicht in speziellen Gebieten oder auf speziellen Böden vor und Maulwurfserde ist nichts anderes als die Erde, die der Maulwurf beim Bau seiner Gänge irgendwo hinbringen muß. Er schiebt sie halt an die Erdoberfläche und da ergeben sie die bekannten Maulwurfshügel. Es ist aber immer ganz normale  Erde des jeweiligen Bodens. Ist der Boden lehmig, so ist es die Maulwurfserde auch, ist es eine anmoorige Wiese, so hat die Maulwurfserde die selbe Beschaffenheit - usw. Der einzige Vorteil dieser Erde ist der, daß sie locker ist und wahrscheinlich der noch größere, daß man sie einfach abschaufeln kann. Eventuell ist sie bei manchen Leuten deshalb so beliebt.

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Anderes Futter
Weißbrot, eingeweicht. Das ist eine ganz feine bequeme Art des Fütterns, nur taugt sie überhaupt nichts, auf diese Art habe ich schon einige Kisten umgebracht.
Ein Züchter der sehr viele Enchyträen hat, füttert zerdrückte Erbsen aus Dosen. Scheint gut zu sein, sonst hätte er nicht so viele Würmer. Erbsen sind für den kleinen Bedarf besser zu füttern als gekochte Haferflocken, eventuell ausprobieren! Wenn man die gekochten Haferflocken einfriert muß man eventuell bedenken, daß sie in dem Maß verpilzen, wie sie nicht gefressen werden. Eingefrorene und wieder aufgetaute Haferflocken verpilzen meistens schneller als nicht eingefrorene. Wenn man so wenig füttert, daß es schnell gefressen wird, funktioniert das. Eventuell kann man Nipagin dazugeben. Ich habe es früher öfter genommen und keine negativen Beobachtungen gemacht.
Man kann den Enchyträen natürlich auch ein Menü aus mehreren Gängen servieren, also Blumenkohl, Erbsen, Haferflocken und vielleicht noch gekochte Möhren, Brokoli oder Rosenkohl zum Nachtisch - manche brauchen halt etwas zum spielen. Am Erfolg wird das nichts ändern, Haferflocken sind für Enchyträen eine vollwertige Nahrung mit der sie Jahrzehnte „gesund und munter” bleiben.
Man kann die Enchyträen auch z.B. mit Leberwurst füttern. Zwar habe ich das auch ausprobiert, Leberwurst hat aber den Nachteil, daß sie ziemlich schnell verdirbt. Außerdem ist sie auf Dauer teurer als gute Haferflocken. Also ist das meiner Meinung nach nicht wirklich gut, zumal Haferflocken sich in gut 20 Jahren intensiver Wurmkultur als ausgezeichnetes Futter erwiesen haben: Einfach in der Zubereitung, billig und gut!

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Erklärung zum Substrat
Kompostplatz_1_ThWenn eine Enchyträenkultur längere Zeit funktionieren soll, muß das Substrat den anfallenden Stickstoff des verdauten Futters eliminieren können. Es muß also Kohlenstoff enthalten. Das ist genauso wie bei einem guten Kompost, um gut zu verrotten muß der auch aus Stickstoff und Kohlenstoff bestehen. Daher kommt nur ein „holzhaltiges” Substrat in Frage. Seramis und ähnliche Substrate funktionieren natürlich eine Zeit lang, sie sind aber auf Dauer ungeeignet. Man muß sie immer wieder reinigen. Rechts ein Foto unseres Kompostplatzes, rechts außerhalb des Bildes ist meistens noch ein Haufen ungehäckseltes Material. Das hat zwar nicht direkt etwas mit Enchyträen zu tun, es soll nur zeigen daß ich weiß was guter Kompost ist, bzw. wie das mit Stickstoff und Kohlenstoff in der Praxis funktioniert. Der aufgesetzte Haufen in der Mitte wird in kurzer Zeit einwandfreie Pflanzerde sein.

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Einige Nachsätze für echt Interessierte aus der Afizucht
 „bin ganz begeistert, „Geheimnis” der Enchyträenzucht entdeckt: man muß den Futterbrei möglichst breit verteilen und ihn dann mit neuer „Erde”, momentan mit zerkleinerter Buchenrinde abdecken. Wenn genügend lockeres Substrat in der Kiste ist, kann man es mit der Gabel auflockern, „zusammenfegen” und über den Futterbrei verteilen, bzw. den Brei mit lockerem Substrat mischen und etwas flächig verteilen. Es darf kein reiner Haferflockenbrei vorhanden sein, er muß immer und überall mit Substrat gemischt sein. Dann können die E. „von allen Seiten” fressen. Es kommt dann auch von überall Luft an das Futter heran. Im Gegensatz zur Abdeckung mit Glasscheibe, da ist ein Teil der Kultur „von der Außenwelt abgeschlossen”, es kommt keine Luft und somit auch kein Sauerstoff an die Kultur, sie vergammelt schneller. Wenn das Futter nicht vermischt ist, können die E. nur von unten und von den Seiten fressen: das Futter wird langsamer gefressen und verdirbt somit schneller. Ganz wichtig scheint mir momentan auch die Feuchtigkeit zu sein: es darf auf keinen Fall naß sein, nur eben feucht. Feucht ist nicht „tropfnaß”, also nicht zum ausdrücken, aber es darf auch nicht trocken „krümeln”, wenn dann nur feucht zerfallen. Momentan reicht die Feuchtigkeit vom Futter, gebe kein zusätzliches Wasser.”
 

Temperatur Original Afizucht
„Temperatur: Scheint mir nicht so wichtig zu sein. Momentan (17.01.03) sind 10° im Keller, habe gestern seit einigen Tagen wieder gefüttert (zu langer Abstand), trotzdem fressen die E. gut. Die 10° scheinen ihnen also nichts auszumachen. (Die ganzen Temperaturangaben sind genaugenommen sowieso mit Vorsicht zu genießen, da man für genaue Angaben sehr viele Parallelversuche machen müßte - und wer macht bzw. kann das schon machen).”

„22,8° sind im Keller, draußen etwas mehr, es regnet. Man muß noch an etwas anderes denken: Wenn man einige Tage (mehr als 2) nicht gefüttert hat, ist die obere Erdschicht angetrocknet. Wenn man da jetzt den Haferflockenbrei draufschüttet, dann ist es darunter immer noch zu trocken. Jedenfalls habe ich die Erfahrung gemacht, daß ich immer sehr verwundert war, daß ich „so wenig Enchyträen habe”. Es sind in solchem Fall schon mehr da, es ist ihnen nur unter dem Futter zu trocken. Wenn man dann auf den Brei Wasser spritzt (habe da 2 1-Liter-Kunststofflaschen mit kleinem Röhrchen dran), kommen sie wieder hoch, spätestens bei der folgenden Fütterung (feuchte Erde) ist dann wieder eine richtige Würmer-Wurst um den Futterbrei.”
 

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Februar 2006
Letzte Bearbeitung: Oktober 2017

 

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