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Algen im Aquarium

Balken_Wasserpflanzen

 

 

Betrachtungen über Algen in Süsswasseraquarien

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„Blaualgen” (Cyanobakterien) haben eine eigene Seite, hier ist der Link Blaualgen
Beschreibung der Algen
Grünalgen,  festsitzende dünne Algenschicht auf Scheiben, Einrichtung und auch auf Wasserpflanzen.
Braunalgen
Fadenalgen
Algenblüte, wenn das Wasser total grün wird
Pinselagen und Bartalgen, gehören beide zu den Rotalgen
Glutaraldehyde (Glutaral)  -  Wundermittel oder Teufelszeug ?

 

Alle diejenigen, die hier eine Patentlösung gegen alle Algenarten erwarten, muß ich leider enttäuschen. Ich habe selber Schwierigkeiten mit Algen in Aquarien, die bereits mehrere Jahre laufen! Zwar habe ich sie einigermaßen im Griff, aber als wirklich algenfrei würde ich mein Wohnzimmeraquarium nicht bezeichnen. Bei Aquarien, an denen jeden Tag herumgezupft wird und die alle paar Monate neu gestaltet werden, ist das anders. Solche Aquarien kann man durchaus algenfrei halten. Da ist es keine Kunst!
Unter anderem ist die Bekämpfung der Algen deshalb so schwierig, weil die Ansprüche von Algen und Wasserpflanzen sehr ähnlich sind. Wenn man also den Pflanzen optimale Bedingungen bieten will, so profitieren immer auch die Algen davon. Es ist auch nicht richtig, daß, wenn die Pflanzen gut wachsen, die Algen schon zurückgehen würden. Das kann einige Zeit gut gehen, über Jahre hinweg funktioniert es dagegen äußerst selten. Wenn jemand natürlich meint einen Wasserpflanzendünger zu verwenden und in Wirklichkeit ein Algizid in sei Aquarium kippt, so wird er natürlich ein algenfreies Aquarium haben! Deswegen braucht er aber nicht auf seine aquaristischen Fähigkeiten stolz zu sein - das hat dann eher etwas mit Dummheit zu tun! zwinkern-transp_grau
Siehe weiter untern unter Glutaral und EasyXXX

Wie man in verschiedenen Büchern - auch von bekannten Autoren/innen - lesen kann, ist es ganz einfach mit den verschiedenen Arten von Algen fertig zu werden. Die vorherrschende Meinung dort ist, daß man ganz einfach den Nitrat- und Phosphatwert senken müsse. Vielleicht noch ein paar algenfressende Fische und gut. Dann wäre man diese Plagegeister schon los.
Wenn es nur so einfach wäre!
Ich frage mich immer wieder, ob von denen mal einer seine guten Tipps auch selber ausprobiert hat. zwinkern-transp_grau

Etwas über die Benennung der Algen
Da ich kein Biologe bin und von den lateinischen Namen der Algen keine Ahnung habe, wird es hier keine wissenschaftlichen Namen geben. Ich müsste sie nämlich in Ermangelung eigenen Wissens abschreiben und das mache ich äußerst ungern! Also sind die Bezeichnungen der Algen nicht unbedingt richtig, ich nenne sie halt so, wie sie bei Aquarianern seit Jahrzehnten heißen. Möglichst genaue Beschreibungen und ein paar Fotos müssen genügen.  lachen-transp

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Zuerst die nichtfunktionierenden Methoden:

  • Apfelschnecken und Posthornschnecken fressen nicht wirklich Algen. Besser sind Rennschnecken oder Turmdeckelschnecken, die fressen aber auch nur Fraßspuren in den Algenbelag. Das bleiben aber immer nur „Spuren”, sie weiden den Algenbelag also nie flächig ab! Besser als nichts sind sie aber allemal. Siehe Fotos weiter unten.
  • Eine Dunkelkur gegen normale Algen (nicht Blaualgen!) ist absolut sinnlos! In der langen Zeit, die die Algen zum absterben brauchen, sind bereits alle übrigen Wasserpflanzen hinüber!
  • Eine andere „Bekämpfungsmethode” gegen alle grünen Algen besteht darin, die Lichtintensität zu senken. Das ist aber ein mehr theoretischer Vorschlag, denn ohne Licht wachsen bekanntlich auch keine Pflanzen. Und die genaue Beleuchtung zu schaffen, wo die Algen nicht mehr und die Pflanzen noch gut gedeihen, dürfte niemandem auf Dauer gelingen! Ich kann es jedenfalls nicht!
  • Lebendgebärende - Guppies, Black Mollys, Schwertträger, Platies usw. fressen auch keine Algen. Sie zupfen halt überall herum! Herumzupfen ist aber nicht fressen! Diese Fische haben nicht die Mundwerkzeuge, um einen Algenrasen oder Pinselalgen wirklich abweiden zu können. Das schaffen nicht mal Mollinesien. Natürlich kommt es da auch auf die Besatzdichte an. 100 Black Mollies werden - wegen der ewigen Zupferei - ein 100cm-Aqaurium wohl algenfrei halten können, aber wer hat schon so eine Black Molly-Dichte in seinem Wohnzimmeraquarium.
  • Bei einer von Algen hervorgerufenen Wasserblüte funktionieren „Wasserflöhe” (Daphnien oder Cyclops) nur in Aquarien mit Schaumstofffiltern. Bei einem Filter mit Ansauger landen sie in eben demselben. Außerdem sollten die Becken fischfrei sein oder die Fische keinen Hunger haben, sonst werden sie nämlich aufgefressen. Die Wasserflöhe.
    Im Gartenteich funktioniert die Wasserfloh-Methode meistens. Aber natürlich nur ohne Fischbesatz und in einer entsprechenden Besatzdichte. Die sich aber - wenn das Milieu den Flöhen zusagt - schnell einstellt. Es kann aber auch sein, daß sich die Flöhe nicht vermehren wollen. Dann funktioniert es natürlich nicht. Der Gartenteich meistens aber auch nicht.

     


Die Beschreibung der verschiedenen Algen


Grünalgen
Hier geht es um den dünnen, feinen oder auch etwas dickeren Belag auf allen Einrichtungsgegenständen des Aquariums, an Scheiben und auch auf den Blättern der Wasserpflanzen. Diese Algen sind immer vorhanden. Manchmal mehr und manchmal weniger. Wenn sie kräftig grün sind, ist es - meistens - ein Beweis von ausreichender Beleuchtung des Aquariums. Bei zu wenig Licht gibt es in der Regel keine Grünalgen, dann haben die Algen eher eine bräunliche oder mehr gräuliche Farbe.
Woher diese Algen kommen weiß ich nicht. In einem guten Aquarium ohne Chemie sind sie immer vorhanden. Mal weniger und mal mehr. Kräftige CO2-Gaben führen zu mehr Grünalgen. Fetrilon (Eisen) auch.
Die Bekämpfung:
Zuerst die Frage, ob man sie überhaupt los werden will und ob sie einen wirkliche stören. Die Funktion des Aquariums beeinflussen sie nämlich eher positiv denn negativ! Zumal die Bekämpfung in der Praxis gar nicht so einfach ist. Im Gegensatz zur Theorie, da gibt es nämlich jede Menge guter Vorschläge. zwinkern-transp_grau
Die gebräuchlichste Methode sind wohl  Algen fressende Fische.
Da stehen an erster Stelle die „Antennenwelse”. Die haben aber gleich mehrere Nachteile: Für kleine Becken - 60 cm, vielleicht sogar 80cm - werden sie zu groß. Außerdem sind sie zu ungestüm. In einem Aquarium mit Antennenwelsen kann man keine feineren Pflanzen pflegen. Auch raspeln/lutschen sie so sehr an den Blättern herum, daß diese „durchgelutscht” werden. Dazu kommt noch ein ganz gewaltiger Nachteil, an den zumindest die nicht so versierten Aquarianer selten denken: Hat man ein Pärchen dieser Fische, zeugen diese über kurz oder lang Nachwuchs! Das hat nichts mit "gutem Aquarium" oder „gutem Aquarianer” zu tun, das machen die heutigen Stämme praktisch in jedem Aquarium. Und zwar von ganz alleine. Und diesen Nachwuchs will selten ein Zoohändler haben! Er wird dann verschenkt und so kommt es, daß in irgendwelchen, meist kleinen Aquarien viel zu viele Antennenwelse sind. In solchen Aquarien ist zwar keine grüne Alge mehr, aber wachsende Pflanzen eben auch nicht. Außer vielleicht einigen Anubias oder Cryptocoryne wendti oder ähnliche Gewächse, die entweder harte Blätter haben oder den Ancistren eben nicht schmecken. Erfahrungsgemäß sind in solchen Becken dann aber vermehrt Pinseltalgen. Also auch wieder nichts!
Otocinclus_durchloechertes_Blatt _333Ähnlich, aber kleiner sind Otocinclus-Arten. Die sind bei der Vermehrung anspruchsvoller (sie vermehren sich nicht wie die Karnickel/Antennenwelse), kleiner und somit durchaus zu empfehlen, bei zu großer Zahl fressen aber auch sie die Pflanzen an. Siehe Foto rechts. Da kann man auch sehen, daß dieser Fisch durchaus wohl genährt ist - er frißt aber trotzdem Blätter.
Dann gibt es noch die große Zahl der Schnecken. Von denen fressen zwar alle Napfschnecken (Rennschnecken, Kahnschnecken, Neritina, Clithon usw) Algen, aber hauptsächlich nur an glatten Gegenständen, also Glasscheiben oder Wurzeln. Da sie diese - die Scheiben - aber nicht wirklich sauber machen - sie fressen nur ein Muster in den Algenbelag - macht man die Scheiben besser selber mit dem Scheibenreiniger sauber. Einige kleiner bleibende Arten (Geweihschnecken) weiden aber auch den Algenbelag auf Pflanzenblättern ab. Sie sind gut zur Algenbekämpfung einzusetzen. Allerdings fressen sie bei zu wenig Algen auch die Blätter an. Weniger bekannt ist, daß auch Turmdeckelschnecken Algen fressen. Da diese Tierchen aber nachtaktiv sind, bekommt man das nicht so ohne weiteres mit! Und die fressen in der Regel keine Blätter, dafür pflügen sie den Sand/Kies um, was sich in einigen Jahrzehnten als Vorteil erwiesen hat. Der Nachteil ist, daß sie über kurz oder lang jedes Aquarium einebnen - wenn man es versäumt hat, die „Höhenunterschiede” zu sichern. Siehe dazu die Seite „Terrassen”

Turmdeckelschnecke_auf_Cryptoblatt_1_333Turmdeckelschnecke_auf_Cryptoblatt_3_333













Schneckenfrasspuren_an_Scheibe_333Turmdeckeschnecken_an_Scheibe_333











Genau genommen gibt es aber kein Tier, welches nur Algen frißt und lieber verhungert, wenn keine oder zu wenig Algen da sind! So fressen alle Saugmaul-Algenfresser auch Blätter (z.B. Echinodorus) an!
Die manchmal immer noch empfohlenen Gyrinocheilus aymonieri fressen nur in der Jugend Algen, wenn sie größer werden nicht mehr und wenn sie richtig groß sind - sie werden locker 20cm lang! - dann sind sie die Unverträglichkeit schlechthin! Also auch nichts. Nicht besser sind alle Gara-Arten. Die streiten auch lieber als daß sie Algen fressen. Die früher sehr beliebten Epalzeorhynchos kalopterus und E. siamensis sind als kleine Fische recht gute Algenfresser, das gibt sich aber leider ziemlich schnell und die Fische fressen lieber alles mögliche, bloß keine Algen mehr! Über die ewigen Verwechslungen zwischen Gara und E. siamensis will ich mich hier nicht näher auslassen. Ich hatte früher deswegen immer Diffenrenzen mit den Importeuren. Ein Großhändler hat mir mal geantwortet: „Wenn Sie in Asien siamensis bestellen, bekommen sie immer Garas geliefert” Es gab wenige Leute, die die Arten als kleine Fische auseinander halten konnten. Über die heutige Situation bin ich nicht mehr auf dem laufenden. Muß ich auch nicht. Interessiert mich nicht mehr. zwinkern-transp_grau
Garnelen_an_Rueckwand_333Dann gibt es da noch die viel gerühmten Garnelen! Wie gut diese Tierchen Grünalgen fressen, kann man auf nebenstehendem Foto sehr gut sehen: Sie knabbern zwar an allem herum, aber sie bekommen letztendlich nichts weg. Das heißt, daß sie zwar den Belag dezimieren, ihn aber nicht endgültig entfernen können. Das funktioniert auch nicht mit sehr vielen Garnelen! In dem fotografierten Aquarium (160x60x60)  waren zum Zeitpunkt der Aufnahme mindestens 150 dieser Tierchen. Nebenbei ist der starke Algenbelag auf dem Foto durch hohe CO2 Gaben entstanden! Daß Garnelen auch keine Pinselalgen endgültig - oder tatsächlich - entfernen können, siehe Foto weiter unten.

Fazit:
Die Bekämpfung von feinem grünen Belag ist in der Praxis nicht so einfach. Am besten tastet man sich mit einigen Otocinclus oder Geweihschnecken an die tatsächliche benötigte Menge der Tiere heran. Nach meinen Erfahrungen sind die dunklen - eher einfarbigen und nicht so attraktiven - Schnecken die besseren Algenfresser. Sie gehen mehr auf die Blätter, die anderen bleiben manchmal lieber an den Scheiben. Aber da habe ich zu wenig Vergleiche, das muss nicht überall so sein!

Nebenbei fördert Eisendüngung (Fetrilon) und CO2 das Grünalgenwachstum ganz enorm. Eine wirklich gute Bekämpfung gelingt mit Glutaraldehyd (Glutaral), seihe weiter unten.
Eine andere Form von Grünalgen besteht in kleinen grünen bis dunkelgrünen Punkten. Diese kommen gerne auf älteren Blättern von Anubias vor. Da ich diese Algenart seit ewigen Zeiten nicht mehr habe, weiß ich auch nicht, was man dagegen tun kann.

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Geweihschnecke dreht sich um
Manche Leute behaupten doch allen Ernstes, daß sich Geweihschnecken oder Rennschnecken nicht selber umdrehen können! Hier ist eine kleine Bilderfolge die beweist, daß sie das natürlich können. Sie haben nur manchmal Schwierigkeiten mit feinerem Sand/Kies, da der sehr locker ist und sie sich daran nicht so recht „festhalten” können. Da brauchen sie dann manchmal mehrere Versuche. Man möge aber bei gerade angekommenen Schnecken beim einsetzen darauf achten, daß sie auf der Unterseite liegen. Das umdrehen ist für durch den Transport geschwächte Tiere eine Kraftanstrengung und das muss nicht unbedingt sein.

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Braunalgen
Das sind ähnliche Algen wie die grüne Art, aber eben braun, bräunlich bis gräulich. Und meistens etwas schmierig. Ich habe mit dieser Algenart im Süsswasser keine neueren Erfahrungen. Früher kamen sie am ehesten in neu eingerichteten Aquarien vor. Wenn die Aquarien dann einigermaßen funktioniert haben, sind diese Braunalgen von alleine wieder verschwunden. Bei zu wenig Beleuchtung können sie auch auftreten. Bei ausreichendem Licht verschwinden sie schnell wieder.
In der „modernen Seewasseraquaristik” (2016) ist es so, daß bei einer Neueinrichtung mit wenig lebendem Substrat eigentlich immer Braunalgen auftauchen. Wenn das Aquarium dann läuft, verschwinden diese braunen Algen wieder von ganz alleine! Richtet man ein neues Aquarium von Anfang an mit möglichst viel lebendem Substrat - neben Lebendgestein auch mit viel Sediment/Mulm und vielleicht sogar mit eingefahrenem Sand  - ein, so kann man die Braunalgenphase überspringen.
Daraus ergibt sich für mich die Schlussfolgerung, daß „Braunalgen” ein Indikator für ein nicht richtig funktionierendes System sind! Die viel geschimpften Silikate sind nicht der wahre Grund für Braunalgen. Das beweist ein sehr gut funktionierendes System mit Siporax (Glassinterröhrchen), welche viel Silikat enthalten.
Und obwohl ich es vor gar nicht langer Zeit nicht geglaubt hätte: Heutzutage gibt es mehr Leute, die zwar offenbar viel Geld, dafür aber wenig Fingerspitzengefühl haben. Was man da alles an Technik „bewundern” kann kostet richtig Geld. Schaut man diese meist optisch sauberen Aquarien aber genauer an, so merkt man sehr schnell, daß sie nicht funktionieren - können.
Es scheint in der heutigen Zeit sehr schwierig zu sein, ein Gespür für biologische Vorgänge zu entwickeln.
Also, langer Rede kurzer Sinn: Wenn Jemand länger Braunalgen in seinem Aquarium hat, so möge er sich vor sein Aquarium setzen und überlegen, was denn da nicht so recht funktioniert! Nicht im technischen, sondern im biologischem Sinne! Viel Erfolg!

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Fadenalgen
Von den grünen Fadenalgen gibt es zumindest zwei Formen, die eine hat eher harte einzelne Fäden und die andere ist weich und bildet auch Polster. Zumindest die eher harte Variante galt früher als Indiz für ein „gutes Wasser”. Woher sie kommen weiß ich nicht. Sie wachsen nur bei guter Beleuchtung, mit Sicherheit bekommt man welche, wenn man ein kleines Aquarium auf die sonnige Fensterbank stellt, das wird dann eher die weiche Variante - hatte ich mal. Bei wenig Licht wachsen sie nicht. Bei geringem Befall können sie recht nett sein, werden sie mehr oder bilden sie gar Polster, so können sie schon auch unangenehm werden. Die allgemein empfohlene Bekämpfungsmethode ist das aufwickeln auf ein rauhes Holststäbchen. Das geht recht gut, vielleicht sollte das Holzstäbchen nicht zu rauh sein, denn dann bekommt man die aufgewickelten Algenfäden nicht mehr so leicht wieder herunter. Den Anfang vom aufwickeln muss man eventuell üben. Nicht nur drehen, sondern auch etwas mit dem ganzen Stab kreisen. Halt ausprobieren - geht schon.
Die weichen Fadenalgen werden von Hochflossensegelkärpflingen (Mollienesia velifera) und auch Black Mollies gerne gefressen.

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Algenblüte oder grüne Schwebealgen
Laut Literatur ist das mit der Algenblüte recht einfach: Zu viel Phosphat und/oder Nitrat und fertig. Wenn das so einfach wäre!
So eine Algenblüte kann sich zu einem echten Problem auswachsen!
Als wir hier in Grünenbaindt angefangen haben (1977), hatten wir über der Aquarienanlage ein Glasdach. War irgendwie angenehm, praktisch unter freiem Himmel zu arbeiten. Leider hatten ziemlich schnell alle Becken der obersten Etage „grünes Wasser”! Anfangs bin ich das ganz locker angegangen, schließlich war ich ja kein Anfänger zwinkern-transp_grau. Aber nachdem die Schwebealgen sogar über Kupferpräparate nur gelacht haben ist mir das lachen schnell vergangen! Ich will hier nicht alles aufzählen, was wir alles unternommen haben, um damit fertig zu werden. Es war richtig schlimm! Schließlich habe ich mich - schon etwas verzweifelt - an einen früheren Kunden aus unserem Münchner Geschäft, Herrn Prof. Belitz (Chemieprofessor) gewandt. Der hat dann nachgeforscht und gemeint, daß irgend welche Wasserspezialisten Versuche mit Spektralveränderungen machen würden. Sie würden mit rotem Licht experimentieren. Darauf hin habe ich über einige Becken einen roten Vorhangstoff gespannt - und die grüne Brühe darunter wurde wieder klar! So habe ich denn in den folgenden Jahren im Frühjahr das Treibhausdach mit roter Abtönfarbe gespritzt und im Herbst mit Farbanet die rote Farbe wieder entfernt. So ist das, wenn man sonst nichts zu tun hat.
Zurück zu den Ursachen der Algenblüte. Mit Sicherheit war es weder zu viel Phosphat oder Nitrat. Ich habe damals die Becken immer und immer wieder mit frischem Leitungswasser gewechselt, die Algenblüte war am nächsten Tag wieder da. Auch ohne Phosphat oder Nitrat, das war nämlich im Leitungswasser nicht vorhanden.
Als Ursache der damaligen verheerenden Algenplage kommt für mich nur die hohe Lichtintensität und Sonneneinstrahlung in Frage. Eine andere Erklärung habe ich nicht.
Vielleicht aus heutiger Sicht auch die Tatsache, daß das alles nicht richtig eingelaufene Aquarien waren, es waren alles irgend wie frische Aquarien. Aber zum einlaufen haben es die Algen erst gar nicht kommen lassen. sad-transp Und in den Jahren danach habe ich das Glasdach im Frühjahr automatisch gespritzt. Vielleicht hätte ich erst ein mal abwarten sollen, was da passiert.

Natürlich fördern Phosphat und Nitrat das Algenwachstum. Ein gutes - oder eher schlechtes - Beispiel ist das Gelbe Meer der Chinesen. Aber da kommt der richtig dicke Grünalgenteppich nicht von läppischen 30 oder gar 100 mg/l Nitrat, da geht es um ganz andere Belastungen! Es gibt genügend Reportagen über die Verunreinigungen der chinesischen Flüsse, in denen treibende tote Schweine und andere Kadaver völlig normal sind! Von den völlig ungeklärten Abwässern - auch der Fabriken - ganz zu schweigen. Und diese total überlasteten Flüsse fließen irgendwo ins Meer. Es ist eben nicht so einfach, in zwei oder drei Jahrzehnten aus dem Mittelalter ins 21ste Jahrhundert katapultiert zu werden. (Natürlich weiß auch ich, daß China eine uralte Kultur hat, aber was da jetzt abläuft, ist teilweise „Mittelalter”) Wir hatten in Deutschland vor 50 Jahren auch noch nicht überall Kläranlagen. Ich kann mich noch gut erinnern, daß der „Kaubach” in Sonthofen ab der Einleitung der „Kläranlage” - es war nämlich eigentlich gar keine richtige Klär-Anlage - tot war! Die Sauberkeit unserer Seen und Flüsse ist erst seit gerade mal drei oder vier Jahrzehnten so gut! (Der Ringkanal um den Chiemsee z.B. ist erst Ende der 80er fertiggestellt worden.)

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Bartalgen und Pinselalgen
Diese Algen gehören neben den Blaualgen (Cyanobakterien) wohl zu den unangenehmsten und häufigsten Algen.
Die Ursachen für das Auftreten der Pinselalgen können sehr verschieden sein.
Früher hatte ich immer mehr oder weniger Pinselalgen in den Schauaquarien, mal graue und mal grüne. Die Farbe der Pinselalgen hängt mit dem Redoxpotential zusammen, man kann mit Ozon aus grauen Pinselalgen schöne grüne Pinselalgen machen. Damals lag der Grund am „Lavalit” (feinerer Bodengrund aus Lavamaterial). Ich habe ein und dasselbe Aquarium mehrmals versuchsweise ausgeräumt und den Bodengrund ausgetauscht. Ergebnis: Lavalit = Pinselalgen, normaler Kies = keine Pinselalgen. In diesen Fällen lag das Auftreten eindeutig am Eisen (Lavalit ist stark eisenhaltig). Was für den allgemeinen Pflanzenwuchs gut war, war offenbar für die Pinselalgen auch nicht schlecht!
Ansonsten kenne ich keine wirklichen Gründe für das Auftreten von Pinselalgen. Zwar ist es eine alte Erfahrung, daß in älteren eher ungepflegten - wenig Wasserwechsel und zu wenig Filterreinigung - Aquarien auch fast immer Pinselalgen zu finden sind, es gibt aber auch gut funktionierende eigentlich saubere Becken mit Pinselalgen. Da sind sie vornehmlich in der stärksten Strömung, so am Filtereinlauf.  Neben Eisen, meistens wohl Fetrilon, mögen alle Algenarten - nach meinen Erfahrungen - eher Kalium denn Phosphor. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Anleitung für ein Algenkulturmedium (Dunaliella - Seewasseralge) der Uni Göttingen - die dürften die größte Algensammlung in Deutschland haben - hier wird hauptsächlich Kaliumnitrat empfohlen.

Warum Garnelen - jede Art - nicht wirklich Algen fressen:
Als wir in den 90er Jahren die ersten Male Caridina importiert haben, war ich von den Tierchen total begeistert! Wenn man in ein Garnelenbecken etwas Fadenalgen gegeben hat, haben sich alle darauf gestürzt und die Algen waren ruckzuck weg. Hält man Garnelen aber in „normalen” Aquarien und füttert sie anständig, so ist ihnen die Algenfresserei viel zu aufwändig! Tabletten knabbern ist eben weniger anstrengend als Algen reißen! Im allerbesten Fall kürzen sie den Belag ein, vernichten tun sie ihn jedenfalls nicht. Nicht unter „normalen” Bedingungen. 300 frisch importierte Caridinas in einem 100-L-Becken sind keine normalen  Bedingungen!  zwinkern-transp_grau

Hier Pinselalgen auf einer Wurzel, man kann sehen, daß die Garnelen zwar knabbern, der Belag aber bleibt - nur kürzer. Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren sehr viele verschiedene Garnelen in diesem Aquarium. Die Pinselalgen kamen in diesem Fall von Versuchen mit verschiedenen Düngern, viel Kaliumnitrat und CO2.

Pinselalgen_auf_Wurzel_333


Eine Großaufnahme von abgestorbenen Pinselalgen. Hier kann man erkennen, warum diese Algen zu den „Rotalgen” gehören, obwohl sie ja lebend grün, braun oder grau sind. Bringt man sie z.B. mit Glutaral um, so werden sie richtig schön rot. Rechtes Bild die Vorrichtung für die Aufnahme links.

Abgestorbene_Pinselalgen_Makro_333Pinselalgen_D700_Makro_333












rechts unten:  Pinselalgen unter dem Mikroskop. Die Vergrößerung ist unbekannt, da die Fotovorrichtung selber gemacht wurde. Da müßte ich zu viel rechnen und ob das Ergebnis dann stimmen würde ist nicht ein mal sicher.


Pinselalgen_333Pinselalgen_Mikroskop_333












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Glutaraldehyde (Glutaral)
Wundermittel oder Teufelszeug? Es ist eine eigene Seite über diese Chemikalie vorhanden.
Hier ist der Link zur Glutaralseite.

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Vorschläge zur vorbeugenden Bekämpfung aller Algen:
In alteingerichteten Aquarien ist es für mich ziemlich schwierig, einen wirklich guten Pflanzenwuchs und trotzdem keine Algen zu haben.
Da kann man sich am ehesten mit möglichst knapper Düngung, mit wenig Kali, sparsamer Fütterung, moderatem Besatz, regelmäßigem Wasserwechsel und einigen Geweihschnecken oder Turmdeckelschnecken helfen.
Eine totale Vernichtung aller Algen gelingt mit Glutaral, oder dem „Superwasserpflanzendünger” EasyXXX, da ist das Zeugs nämlich drin. Und das nicht etwa, weil dieser „Dünger” ein guter Dünger ist, sondern Glutaral ist ganz einfach ein Algizid!  Näheres auf der Seite „Glutaral”.

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Einige immer wieder genannte nicht funktionierende Bekämpfungsmethoden
Leider ist es mit den „normalen” Algen nicht viel anders als mit „Blaualgen”. Jeder hat jede Menge gute Ratschläge, wie man sie loswird. Leider funktionieren die wenigsten davon. Wieder ein mal wie so oft - einfach abschreiben bringt’s eben auch nicht.


Nachtrag März 2017:
Ein netter Aquarianer hat im Gästebuch folgendes geschrieben:
„Eine andere für mich wirksame Methode ist Wasserstoffperoxid. Das killt im Einneblungsverfahren auch alle Arten von Grün- und Rotalgen.”
Dazu folgendes: Wasserstoffperoxid ist extrem toxisch für alle Pflanzen, da es das Chlorophyll zerstört! Es bringt also nicht nur die Algen, sondern auch alle Pflanzen um. Also vorsichtig sein und nur die Algen „behandeln”.


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Erstellt: Juli 2013,
Letzte Änderung: März 2017
 

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